Klaus Taschwer, Andreas Huber, Linda Erker: Der Deutsche Klub
Austro-Nazis in der Hofburg

Reden wir über das Märchen von Österreich als erstem Opfer Hitlers. Ein Märchen, das sich noch viele Jahrzehnte nach dem Ende der Naziherrschaft halten konnte. Ein Märchen, das der historischen Wahrheit kaum entspricht.

Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit waren in der Bevölkerung schon zu Zeiten der Habsburgermonarchie tief verwurzelt. Was auch heute noch in den USA unter der Bezeichung „White Supremacy“ vorhanden ist, das könnte man zu Zeiten der Monarchie mit dem Begriff „Germans first“ benennen. „Deutsche“ deshalb, weil man sich unter der Bevölkerung der österreichischen Erblande verbreitet als Deutsche sah.

„Der Deutsche Klub“ wurde bereits im Jahr 1908 gegründet und basierte genau auf diesen Grundsätzen: ein Männerbund, der sich über Antisemitismus und Rassenideologie definierte. Aufnahme war nur für Männer und „Ariern“ möglich.

In der Geschichte der folgenden 30 Jahre, also bis kurz nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Dritte Reich, war der Klub immer mit den Regierungen bestens vernetzt. Die Mitglieder des Klubs bestanden immer zu einem großen Anteil aus Akademikern und Beamten. Viele der Mitglieder saßen direkt in den wechselnden Regierungen, immer aber auf der rechten Seite des politischen Spektrums. Gleich ob konservativ, christlich, austro-faschistisch oder dann nationalsozialistisch: der Klub hatte seine Verbindungen immer mitten hinein in das Machtzentrum des Landes. Unter der Naziherrschaft wurde der Klub verboten; jedoch nicht aus ideolgischen Gründen, sondern weil die NSDAP keine anderen einflußreichen Organistionen neben sich duldete. Viele der Mitglieder waren (natürlich) auch NSDAP-Mitglieder und saßen weiterhin an wichtigen Schaltstellen.

Der wohl bekannteste Name unter den Mitgliedern ist Arthur Seyß-Inquart, der Kurzzeit-Kanzler von Hitlers Gnaden, später auf diversen Schauplätzen der Naziherrschaft tief in die Naziverbrechen involviert, im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet.

Der „Deutsche Klub“ war mir vor dem Erscheinen dieses Buches völlig unbekannt. Dieser rund 1000 Männer umfassende Klub stellt jedoch einen Puzzlestein in der Hinwendung Österreichs zu Hitler und der am Ende begeisterten Zustimmung zur Einverleibung in das Dritte Reich dar. Der „Deutsche Klub“ agitierte dabei an vorderster Front und bietet damit ein abstoßendes Bild über die moralische Verkommenheit einer einflußreichen Clique.

Das Buch ist einerseits ungemein informativ, andererseits aber nicht wirklich lesefreundlich. Im Wesentlichen umfasst es dieAktivitäten der Mitglieder und liefert dabei eine große Menge an (bekannten) Namen, Daten und Informationen. Was gezeigt wird, dass ist die von vielen Mitgliedern auch schon lange vor 1938 begeisterte Unterstützung der Nazis und der Jubel, der dann dem „Anschluß“ folgte. Etwas, dass der Deustsche Klub mit vielen anderen Vereinigungen und Einzelpersonen der Ersten Republik gemeinsam hatte.

Das Ende der Naziherrschaft war aber, wie wir wissen, nicht das Ende der rechtsextremen Ideologie in Österreich. Kriegsverbrecher wurden, wenn überhaupt, mit Samthandschuhen angefasst und eine ganze Reihe von Organisationen konnte gegründet werden, in denen die „Ehemaligen“ ungestört weiter agieren konnten. Altnazis wurden von den Parteien umworben, Sanktionen  und Strafen gegen ehemalige NSDAP-Mitglieder wurden bald wieder aufgehoben. 

Im Kapitel über die Zeit nach 1957 geht es um die Neugründung des Klubs unter dem Namen „Neuer Klub“ und darum, wie Altnazis, Kriegsverbrecher und Massenmörder im Schutz eines Netzverwerkes aus Unterstützern, nun auch in der 2. Republik, in Politik, Wirtschaft, Justiz, Medizin und an den Universitäten unbehelligt Karriere machen konnten. Die Ideologie der Mitglieder des „Neuen Klubs“ hatte sich nichts geändert, deren Einfluß aber blieb bis heute weitaus geringer als noch in der 1. Republik.

Alles zusammen eine Schande für eine zivilisierte Gesellschaft. Erst der Bundeskanzler Franz Vranitzky anerkannte  am 8. Juli 1991 mit seiner Rede im Parlament die Mitschuld Österreichs am 2. Weltkrieg und an dessen Folgen. 

Ein Grund dafür, dieses Buch zu schreiben, mag auch der im Jahr 2019 präsentierte „Historikerbericht“ der FPÖ gewesen sein. Dieser „Bericht“ ist ja bekanntermaßen eine belanglose Zusammenstellung von Texten ideologisch vorbelasteter Autoren, zum Zwecke der Reinwaschung der Partei, keinesfalls aber eine historische Aufarbeitung der Geschichte dieser „Partei “ (umso mehr, als man die Burschenschaften mit fadenscheinigen Gründen komplett heraus nahm).

In diesem Buch finden sich nun, ganz im Gegensatz zu dem „Historikerbericht“ der FPÖ, diesmal auf historisch fundierter Basis, viele Personen aus dieser rechtsnationalistischen, rassistischen Sphäre des Klubs, die nach dem Ende des Krieges den VdU (Verband der Unabhängigen) gründeten, aus dem dann die FPÖ hervor ging. Wie sehr diese Partei weiterhin auf dem Boden des Rechtsextremismus steht, das zeigen auch die weiterhin bestehenden Verbindungen zwischen der Partei und dem nunmehr „Neuen Klub“.



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