Buchbesprechung/Rezension:

Antoine Laurain: Ein Tropfen vom Glück

Ein Tropfen vom Glück
verfasst am 12.05.2024 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Laurain, Antoine, Romane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Es ist, finde ich, ein sehr reizvoller Gedanke, an einem Morgen aufzuwachen und man findet sich in der Vergangenheit wieder. Wäre so etwas möglich zu planen, fielen mir viele Jahre ein, und die es wert wären, zurückzureisen.

63 Jahre – ausgehend von der Veröffentlichungen der Originalausgabe im Jahr 2017 – werden vier Menschen aus dem Paris der Gegenwart in die Vergangenheit zurückversetzt. Welche Umstände dazu führten, ist für das Ereignis selbst nicht bedeutsam.

Bob, der in Gedanken an seine todkranke Frau über den Atlantik flog, um in Paris den gemeinsamen Traum zu erleben. Julien Chauveau, der Barkeeper in der Harry’s Bar in Paris, der sehr heimlich in Abby verliebt ist. Magalie, die Restauratorin, alle nennen sie “Abby”, weil ihr Styling enorm an das von Abby Sciuto, der Forensikerin aus der TV-Serie NCIS erinnert. Hubert Larnaudie, er ist Nachfahre der Erbauer des Hauses in der Rue Edgar-Charellier 18, und bewohnt selbst noch eine Wohnung dort. Hubert lädt die drei anderen anlässlich seiner glücklichen Rettung aus einer misslichen Lage in seine Wohnung, um einen gerade entdeckten Wein aus dem Jahr 1954 zu verkosten. So wird ein gemütlicher Abend verbracht, mit einem erstaunlich guten, alten Wein – von diesem besonderen Jahrgang haben Weinkenner ja schon gehört. Am nächsten Morgen erwachen in einer anderen Welt – in der alten Welt. Um zu erklären, warum die Stadt plötzlich wie eine nostalgische Ausgabe ihrer selbst aussieht, reicht ihre Vorstellungskraft nicht aus.

Diese Zeitreise über 63 Jahre ruft zunächst einmal in Erinnerung, was sich in dieser Zeit verändert hat. Die Raucher sitzen in den Lokalen, die fehlende Elektronik. Wie konnte man ohne Smartphone und WLAN existieren und welche gewaltige Menge an Bargeld musste man dabei haben, um etwas zu kaufen, als noch den alten Franc gab. Doch nicht alles ist anders, manches bleibt wie es immer schon war.

In den Cafés, Bars, Restaurants und Hotels kann man Berühmtheiten wie Jean Cocteau, Salvador Dalí, Audrey Hepburn oder François Truffaut treffen. Dazu sicher auch noch weitere aufregende Details, mit denen man aber nur etwas anfangen kann, wenn nun Paris kennt, weil sie sich so spezifisch auf die Stadt zu dieser Zeit beziehen.

Es gibt ein Geheimnis aus der Vergangenheit der Familie, das sich eignen würde, die Gegenwart zu verändern. Man wird herausfinden, ob aus diesem Grund – oder aus anderen – die Zeitreise zu einem Zeitparadoxon führt. Insgesamt verknüpft Laurain gleich mehrere Zeitebenen miteinander und umschifft dabei in sehr ausgeklügelter Weise die möglichen temporalen Fallgruben.

Eine wunderbar gelungen Mischung aus Science Fiction, Familiengeschichte, Liebesgeschichte und Komödie, die ein paar Stunden wirklich vergnügliche Unterhaltung bietet. Antoine Laurain beherrscht diese genreübergreifenden Geschichten wie kein anderer, was sich auch in diesem schon etwas älteren Roman beweist.

Einmal auf den Geschmack gekommen, wird man sich, jedenfalls erging es mir so, mit hoher Wahrscheinlichkeit alle seine Romane vornehmen. Das wird nie langweilig!




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