Georges Simenon: Aus den Akten der Agence O

verfasst am 15.12.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Simenon, Georges
LiteraturBlog Bewertung:

Georges Simenon, der Akkord-Schreiber hat nicht nur Kommissars Maigret erfunden, dutzende Romane geschrieben, sondern auch noch ein paar andere, weniger bekannte Serien geschaffen. Eine davon ist die „Agence O“. Entstanden sind die sechs Kurzkrimis im Jahr 1938. Heute würde man diese Reihe ein Spin-Off der Maigret-Reihe nennen, denn sie spielt zeitlich parallel zu den Maigrets und mit Inspektor Torrence ist ein früherer Mitstreiter des Kommissars eine der Hauptfiguren den Agence O.

Die Agence O ist eine weltbekannte Detektivagentur, an deren Spitze ein ehemaliger Kommissar der Pariser Kriminalpolizei ist, bestens ausgebildet als enger Mitarbeiter von Kommissar Maigret. Dieser Joseph Torrence verließ die Polizei, um sich als Privatdetektiv selbständig zu machen – mit großem Erfolg, denn seine Agentur ist weltberühmt und allseits geschätzt.

Doch es ist ein wenig anders, als es scheint: denn Torrence tritt zwar als Chef auf, doch tatsächlich ist der Eigentümer und das geniale Hirn hinter der Arbeit der Agentur der angebliche Fotograf Emile. Um den Anschein zu wahren, redet Emile seinen Mitarbeiter sogar mit Chef an und erklärt allen Außenstehenden immer wieder mit Nachdruck, dass alle diese Geistesblitze aus Torrence‘ Geist entsprungen wären.

Die Geschichten unterscheiden sich sehr offensichtlich von den Maigrets. Oft humorvoll, mit ironischem Augenzwinkern werden hier die Fälle gelöst und es muss (kann aber) nicht immer Mord sein – als Detektivagentur ist man eben mit allem möglichen befasst, von der Aufklärung von Schmuckdiebstählen bis zu internationalen Kriminalfällen. Emile löst die Fälle mit Witz und Geistesblitzen, immer auf rund 50 Seiten wird es spannend, aufregend und findet am Ende ganz logische Auflösungen.

Es sind durchwegs sympathische, flotte Geschichten und ich finde es wirklich schade, dass Simenon an der Reihe nicht weiter geschrieben hat; bei seinem gigantischen Schreibpensum wäre es darauf auch nicht mehr angekommen :-)

Schön jedenfalls, dass auch so ein verborgener Schatz wieder veröffentlicht wird. Eine Kurzgeschichten-Sammlung, die man wirklich lesen sollte.




Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top