Buchbesprechung/Rezension:

Georges Simenon: Maigret und der geheimnisvolle Kapitän
Maigrets 15. Fall


verfasst am 05.08.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Simenon, Georges
LiteraturBlog Bewertung:

Ein Thema, das man bei Georges Simeon oft findet: die Kanäle, die Häfen, die Schiffe; eine eigene Welt, ein eigener Menschenschlag.

In diesem frühen Maigret-Krimi aus dem Jahr 1932 landet der Kommissar in der kleinen Hafenstadt Ouistreham in der Normandie. Ein paar Häuser, ein Wirtshaus, eine Schleuse – mehr findet man hier nicht. Für die Beschreibung der Atmosphäre nützt Georges Simenon ausgiebig die dichten Nebelschwaden und den unheimlichen Klang des Nebelhorns; man kann sich also gleich gut vorstellen, wie es dort, an diesem abgelegenen Flecken, aussieht. Wie das Land, so die Menschen, denn zunächst trifft Maigret nur auf Schweigen und Ablehnung.

Jetzt muss noch erzählt werden, warum Maigret überhaupt hier landete: In Paris wurde ein verwirrter Mann aufgegriffen, der weder sprechen konnte, noch irgendwelche Hinweise auf seine Identität bei sich hatte. Bei näherer Untersuchung wurde festgestellt, dass der Mann, man schätzt ihn auf ein Alter von rund 50 Jahren, vor einigen Wochen durch einen Kopfschuss verletzt worden war. Die Wunde ist sachgerecht versorgt, der Mann gut gekleidet, Geld hat er ausreichend bei sich.

Ein Rätsel also, bis sich auf die Aufrufe in den Zeitungen hin eine Frau aus Ouistreham meldet: Der Unbekannte ist Kapitän Yves Joris, der Schleusenwärter, die Frau, die ihn erkannt hat, ist Julie, seine Haushälterin. Was nun bleibt ist zu klären, woher die Schussverletzung stammt.

Maigret bringt Kapitän Joris, der weiterhin keine Erinnerungen hat, im Zug nach Hause. Dort wird, schon am nächsten Tag, aus einem Fall von Körperverletzung ein Mordfall. Denn der Kapitän wird, kaum in sein Haus zurückgekehrt, vergiftet.

Ein Fall, der sich nur durch hartnäckige Ermittlung und nur gegen den Widerstand einflussreicher Personen lösen lässt. Mit allen Mitteln, die der Polizei in den 1930er-Jahren zur Verfügung stehen, muss Maigret zuerst das Schweigen der Menschen im Umfeld des Kapitäns überwinden, bevor er das klar die wirklichen Vorgänge erkennen kann. So verwinkelt, so seltsam zunächst alles erscheint, so folgerichtig löst es sich am Ende auf.

Ein Roman mit dichter Atmosphäre und einem Kommissar, der fern von Paris zunächst einmal sich selbst behaupten muss. Ist Maigret in der Hauptstadt eine geachtete und auch gefürchtete Persönlichkeit, so versucht man ihn hier einzuschüchtern und damit seine Untersuchung zu behindern.




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