Buchbesprechung/Rezension:

Georges Simenon: Maigret in der Liberty Bar
Maigrets 17. Fall


verfasst am 27.02.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Simenon, Georges
LiteraturBlog Bewertung:

Ein Maigret-Krimi, in dem praktisch durchgehend die Sonne scheint? Das ist zwar ein wenig ungewohnt, lässt sich aber mit Maigrets aktuellem Aufenthaltsort in Antibes an der Côte d’Azur erklären.

Maigrets Reise in den Süden erklärt sich mit einem Todesfall in einer Villa in Antibes. Der Australier William Brown wurde dort in einem frisch ausgehobenen Grab gefunden, nach dem seine beiden Mitbewohnerinnen das Anwesen sehr überstürzt verlassen hatten. Die beiden – Mutter und Tochter – hatten zu zuvor einige Jahre mit Mr. Brown in der heruntergekommenen Villa gelebt. Aber sie wissen beim besten Willen beinahe gar nichts über den Mann. Einmal im Monat war er für ein paar Tage verschwunden um dann, immer betrunken, mit gerade so viel Geld zurückgekommen war, dass man über ein Monat lang den Lebensunterhalt damit finanzieren konnte. Beim letzten Mal brachte Mr. Brown noch etwas mit: ein Messer im Rücken, woran er auch prompt verstarb.

Bleibt noch zu klären, warum Maigret überhaupt aus Paris hierher abkommandiert wurde: Er solle den Fall möglichst ohne Aufsehen aufklären, wohl wegen möglicher internationaler Verwicklungen

Nun ist Maigret also hier und macht sich sogleich auf die Spur des Verblichenen. Wohin hatte es den Mann bei seinen monatlichen  Ausflügen verschlagen? Die Liberty Bar gerät rasch ins Visier des Kommissars. Dort tritt er wie in eine eigene Welt; weniger eine Bar ist die Liberty, mehr wie ein Wohnzimmer, in dem Jaja, die Besitzerin, Besucher empfängt und wohin man zu Besuch kommt. So wie Mr. Brown es zehn Jahre lang tat.

Beim Lesen hat man andauernd das Gefühl von Hitze und Schweißtropfen auf der Stirne (gut, dass es kein Geruchslesen gibt, es wäre wahrscheinlich unerfreulich). Simenon lässt Kommissar Maigret wie deplatziert durch den Sommer im Süden ermitteln, immer falsch gekleidet, als ob er im trüben Paris wäre. Es dauert auch längere Zeit, bis es eine Idee, dann eine Spur und endlich auch eine Lösung gibt.

Am Ende hält sich Maigret ganz an seinen Auftrag: Er macht kein Aufsehen und bringt den Fall in ungewohnter Weise zu Ende.




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