Buchbesprechung/Rezension:

Georges Simenon: Maigret und sein Toter
Maigrets 29. Fall

verfasst am 25.10.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Kriminalromane, Simenon, Georges
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

Ein untypischer Maigret-Krimi: umfangreicher, ausführlicher, rasanter. Dazu eine Geschichte, in der der Kommissar alle verfügbaren Polizeikräfte einsetzen muss.

Am Anfang ist ein Anruf. Möglicherweise einer der Verrückten, die sich jeden Tag bei der Polizei melden, weil sie meinen etwas entdeckt zu haben. Dieser Anruf scheint aber nicht in das übliche Schema zu fallen, jedenfalls ist Maigret alarmiert. Ein Mann am Telefon, der meldet, dass er verfolgt wird. Oft wird das Gespräch beendet, dann meldet sich der Mann von einem anderen Ort aus, denn immer wieder, so erzählt er, ist er auf der Flucht, hat einen neuen Verfolger entdeckt.

Der Kommissar schickt seine Assistenten aus, um den Mann zu finden, doch immer, wenn sie an einem der identifizierten Standorte ankommen, ist der Unbekannte schon verschwunden. Und dann, nach vielen hektischen Telefonaten in kurzer Zeit plötzlich nichts mehr. Die Polizei bleibt wachsam, denn Maigret ist weiterhin beunruhigt.

Das ist auch der Grund, warum man den Mann, der in der folgenden Nacht tot aufgefunden wird, „Maigrets Toten“ nennt, denn einzig Maigret hatte hinter den Anrufen mehr vermutet, als nur die Meldungen eines Verwirrten.

Maigret mobilisiert alle Assistenten und so viele Polizisten wie möglich, um herauszufinden, wer der Tote ist. Dazu kommt noch, dass ihn ein Untersuchungsrichter permanent mit Nachfragen über den Stand der Ermittlungen nervt, ja ihn sogar kritisiert, dass nach ein paar Tagen noch immer nichts herausgefunden wurde. Maigret sieht sich deshalb sogar gezwungen, eine Krankheit vorzutäuschen – er zieht sich in seine Wohnung zurück, um von dort aus ungestört die Ermittlungen leiten zu können.

Wenn sich zuerst tagelang nichts Neues ergibt, so ändert sich das in dem Moment, als eine Zeugin endlich anhand eines Bildes in der Zeitung einen Hinweis gegen kann. Es ist der Startschuss für eine immer rasanter werdende Geschichte, die bis hin zu einer dramatischen Verfolgungsjagd quer durch Paris schon fast als Action-Krimi (jedenfalls für ansonsten eher beschauliche Maigret-Verhältnisse) bezeichnet werden kann.

Mit beinahe 280 Seiten ist der Roman um rund 50 % umfangreicher als die meisten anderen Maigrets. Den zusätzlichen Raum verwendet Georges Simenon zum einen, um mehr über die Mitarbeiter und Kollegen Maigrets zu erzählen, andererseits noch detailreicher die Ermittlungsarbeit und dann vor allem die Verfolgungsjagd(en) zu schildern.

In keinem Augenblick hat man dabei das Gefühl, dass wegen dieses vermehrten Umfanges zu viel geschrieben wäre; im Gegenteil ist der Krimi nicht nur rasant, sondern ausgesprochen spannend. Außerdem lernt man viele der schon bekannten Nebendarsteller etwas besser kennen.




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