Anne Enright: Die Schauspielerin

verfasst am 14.05.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Enright, Anne, Romane

Katherine O’Dell wuchs in Irland auf, ihre Eltern waren Wander-Schauspieler, Katherine ihr einziges Kind. Katherine tritt in die Fußstapfen der Eltern, schafft es aber aus der Enge der irischen Volksbühnen bis nach Hollywood, wurde eine berühmte, gefeierte Schauspielerin, schön, talentiert, exzentrisch und für die Kunst lebend.

Im Jahr 1952 kommt sie mit ihrem Baby, ihrer Tochter Norah, aus Amerika zurück in ihre Heimat. In den folgenden Jahren wird Kitty, die Haushälterin, die Bezugsperson für das kleine Mädchen, denn ihre Mutter ist weiterhin viel auf Reisen zu ihren Engagements. Doch nach und nach bleiben die Rollenangebote für Katherine aus, ihre Berühmtheit beginnt zu verblassen und sie leidet darunter – sie umgibt sich mit Menschen aus ihrer Branche, nur das lässt sie kurzfristig wieder aufblühen.

Norah leidet sehr unter ihrer Mutter, sie lebt im Schatten dieser einst so berühmten Frau. Dazu kommt, dass das Mädchen erfahren möchte, wer ihr Vater ist – doch sie soll es nie erfahren, denn ihre Mutter schweigt dazu konsequent. Das Heranwachsen ist für Norah eine beschwerliche Zeit, alles dreht sich nur um ihre Mutter, die zudem immer wieder Lob und Aufmerksamkeit bei ihrer Tochter einfordert. Es führt so weit, dass Katherine ihrer Tochter das Gefühl gibt, ihre Schauspielkarriere zerstört zu haben; eine Hypothek, die Norahs Leben bis nach dem Tod der Muitter belastet.

Norah wird zu einer mäßig erfolgreichen Schriftstellerin, sie ist Ende fünfzig, verheiratet und hat zwei Kinder. Als eine Journalisten sie kontaktiert um die über ihre Mutter zu befragen, enstwickelt sich bei ihr die Idee, selbst eine Biografie über Katherine zu schreiben. Sie begibt sich auf die Spuren ihrer Mutter, besucht ihr Geburtshaus, und schildert anhand vieler Geschichten den Lebensweg ihrer Mutter.

In den Passagen, die aus Norah’s Sicht geschildert werden, spürt man die Unsicherheit dieser Frau, ihre Liebe zu ihrer Mutter, ihre Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit, das ambivalente Verhältnis der beiden Frauen – Mutter und Tochter.

Die Autorin macht es einem nicht leicht, das Buch zügig durchzulesen. Manchmal ist der Text (für mich) etwas verwirrend in den Formulierungen, Aufmerksamkeit ist beim Lesen gefragt. 

Anne Enright lässt einmal Norah erzählen, dann wechselt sie zur allgemeinen Erzählform. Um dann bei dieser doch sehr komplexen Mutter-Tochter Beziehung den Faden nicht zu verlieren, bedarf also es einiger Konzentration.

Die Charaktere der an dieser Geschichte Beteiligten sind sehr gut beschrieben.  

„Die Schauspielerin“  ist ein dramatisches Buch, dem eine Hauch von  Kälte entströmt. In all den Beziehungen zwischen den handelnden Personen kommen nahezu keine tiefen Empfindungen auf, die Protagonisten sind sehr Ich-bezogen, sie lassen Empathie und Wärme vermissen.



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