Laura van den Berg: Das dritte Hotel

verfasst am 15.06.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, van den Berg, Laura

Der Taxifahrer hält an zwei Hotels, jedoch die Adressen stimmen nicht mit Clares Notiz überein. Erst das dritte Hotel hat dann die Reservierung für ihr Zimmer vorliegen.

Flirrende Hitze empfängt Clare in Havanna, sie kommt zu einem Filmfest, das ihr Mann Richard besuchen wollte. Doch Richard kam bei einem Unfall ums Leben. Auf  seinen Spuren besucht sie nun alleine das Festival. Der Schwerpunkt des Festivals liegt auf Horror-Filmen, Richard war Spezialist für dieses Genre. Eines seiner Spezialgebiete bei seiner Lehrtätigkeit an der Universität war „Horror“. Ein doch recht eigentümliches Gebiet für einen Universitäts –  Professor.

Havanna, eine aufregende Stadt, die vor der Revolution Ziel vieler prominenter Personen war. Die Stadt Ernest Hemingways, die Stadt der Spielern, die Stadt der Schönen und Reichen. Eine bunte Stadt mit einem leicht morbidem Charakter. Alte amerikanische Auto-Schlitten, zum hundertsten Mal repariert, klappern durch die Straßen und fahren immer noch. Bröckelnde Häuser und Fassaden säumen die Straßen und erinnern an Filmkulissen.

Für Clare beginnt eine aufregende Zeit bei den Film-Festspielen. Sie nützt die Tage in Havanna um diese Stadt zu entdecken, manchmal – wie in Trance – erkundet sie diese bemerkenswerte Stadt. Ist Claras Reise real oder Fiktion – durch ihr Verhalten bekommt die Geschichte einen „Touch“ in diese Richtung. Auf einer ihrer Erkundungen  steht plötzlich Richard vor ihr. Ist diese Begegnung real, oder spielt jemand mit ihr. Clara folgt der Gestalt durch die Gassen der Stadt. Dabei kreisen Gedanken über ihre Ehe und ihrer Kindheit in ihrem Kopf, die so gar nicht wie von dieser Welt erscheinen.

Clare erlebt immer wieder obskure Szenen und ebensolche Begegnungen mit Menschen. Ihr Ziel ist der Filmpalast, der für sie jedoch zum Albtraum wird. Labyrinthartige Flure flößen ihr Angst ein.

Nach einer Woche Aufenthalt möchte sie nach Hause fliegen. Die Anziehungskraft Havannas lässt sie aber nicht los. Sie bezieht wieder ihr Zimmer im „Dritten Hotel“.

Spannungsgeladen geht die Geschichte weiter. Und wieder sieht sie Richard, es kommt zu einer Begegnung mit ihm und zu einer gemeinsamen Reise in die Berge Kubas.

Immer klarer wird es für mich, dass Clare nicht in einer realen Welt lebt. (Kann es sein, dass sie im Wachkoma liegt? Es gibt dazu keinen speziellen Hinweis in dem Buch, aber dieser Gedanke verfestigt sich bei mir immer  mehr).

Immer wieder zieht einen Laura van den Berg in obskure Situationen hinein, in unwirkliche, mysteriöse Begebenheiten. Ist Clare tatsächlich mit Richard im Hotel in den Bergen, gibt es bei ihrer Rückfahrt das geschilderte Zugunglück? Teilweise verwirrte mich die Autorin, manche Schilderungen scheinen tatsächlich real zu sein. Dann kommen wieder Passagen wo jede Realität abhanden kommt und man wieder in den Sog der Phantasie, der Fiktion gerät.

Zum Schluss  ein Ausschnitt aus dem Klappentext:

„Laura van den Bergs traumwandlerischer Roman spielt mit den Grenzen unser Wahrnehmung und führt uns auf wunderbare Weise vor Augen,  dass nichts ist, wie es auf den ersten Blick scheint.W

„Das Dritte Hotel“ ist ein seltsames, ein außergewöhnliches Buch, das man unbedingt lesen sollte.

Das habe ich mit teilweiser Verwirrung und immer großem Vergnügen getan.



Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top