Andrew Shaffer: Hope Rides Again
Ein Fall für Obama und Biden (2)

verfasst am 05.08.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Shaffer, Andrew

Obama und Biden können es nicht lassen. Sie müssen sich schon wieder in eine Sache einmischen, anstatt es den Behörden zu überlassen. Diesmal machen die beiden Chicago unsicher, rund um den St. Patrick’s Day versuchen sie zu klären, warum auf dem Gelände des Frachtenbahnhofes (1300 Züge werden hier pro Tag abgefertigt, wie Bürgermeister Rahm Emanuel weiß) auf den jungen Mann geschossen wurde.

Der Reihe nach: da ist einmal die Frage, wer Obamas Blackberry (so etwas gibt es noch?) hat. Denn der ist, gemeinsam mit den freiwilligen Helfer Shaun Denton, von der Veranstaltung verschwunden. Was daran so unangenehm ist? Auf Obamas Blackberry sind die Kontaktadressen der wichtigen und einflussreichen Menschen des Planeten gespeichert; ein wahrer Schatz also für jemanden, der Böses im Schilde führt.

Shaun taucht bald wieder auf – er ist eben jener junge Mann mit den Kugeln im Bauch – der Blackberry bleibt aber verschwunden. Jetzt ist das Gerät selbst nicht allzu wertvoll und Obama konnte die gespeicherten Daten aus der Ferne löschen, aber Joe Biden wäre nicht Joe Biden, wenn er der Sache nicht auf den Grund ginge. Und Obama wäre nicht Obama, würde er nicht überraschend immer an den Orten auftauchen, an denen sich auch Joe herum treibt.

Die beiden Buddys sind also wieder unterwegs und begeben sich in die gefährlichen Viertel Chicagos. Denn wenn die Polizei schon keine Zeit hat, den Anschlag auf Shaun Denton zu untersuchen, dann müssen Barack und Joe es eben selbst übernehmen, die Hintergründe zu klären; eine Herzensangelegenheit quasi.

Noch viel mehr als im ersten gemeinsamen Fall zeigt Andrew Shaffer zwei ehemalige Spitzenpolitiker der USA, die so ganz anders sind, als die verlogene und korrupte Bande, die mit Trump an der Spitze das Land derzeit regiert (oder demoliert, wenn man es genau nimmt). Obama und Biden, das sind die, die sich um die Menschen kümmern – so ist die Botschaft dieses Buches (und es ist damit auch wieder eine kaum versteckte Unterstützung für Bidens Präsidentschaftskandidatur 2020 – dabei hatte sich Biden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Buches in den USA noch gar nicht offiziell beworben).

Von einer skurrilen Situation zur nächsten: das Buch ist eine Aneinandereihung von slapstick-ähnlichen Szenen, die meistens lustig, machmal auch wirklich komisch sind. Wie schon im ersten Roman macht es dabei am meisten Spaß, sich den ehemaligen Präsidenten und Vizepräsidenten bildlich vorzustellen, wie sie sich als Detektive versuchen, oft mit mehr Glück als Verstand!

Eine Handlung, die mit einem anderen Duo in diesen Positionen niemals funktionieren würde. Oder kann sich jemand George Bush & Dick Cheney oder Trump & Pence als Detektiv-Team mit Witz und Engagement vorstellen? Wohl nicht! (Obwohl: mit Clinton & Gore würde es wahrscheinlich auch klappen, aber das sind ja auch wieder Demokraten und keine Republikaner).

Andrew Shaffer stattet den Joe Biden seines Romanes mit einer gehörigen Portion Selbstironie aus – ein ganze Reihe von Bidens gelegentlich etwas eigenwilligen Verhaltensweisen sind in humorvoller Weise in der Geschichte verarbeitet. Zwar vermag ich nicht zu beurteilen, ob diese Selbstironie tatsächlich ein Wesenszug Bidens ist, aber im Gegensatz zu Trump ist Biden ja in jedem Fall eine Lichtgestalt an Menschlichkeit und Offenheit.

Nur mit viel Glück und den noch immer funktionierenden Verbindungen Obamas zu den richtigen Leuten, kommen die beiden Herren ungeschoren durch allerlei gefährliche Situationen.

Neben dem Spaß ist aber auch die gegenwärtige gesellschaftliche Lage in den USA ein Thema des Romanes. Wie inmitten eines insgesamt so reichen Landes, in dem jedoch eine immer größere werdenen Anzahl von Menschen arm ist, die Selbstsucht, die Gier und die Kriminalität gedeihen. Daran scheiterte zwar auch Obama, aber erst mit seinem Nachfolger wurde es so richtig schlimm.

Ob Biden ein guter Präsident wird, das muss sich erst heraus stellen. Dass Trump aber der schlechteste „Präsident“ ist, den das Land je hatte, ist unbestritten. Also: Biden for President!



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