Buchbesprechung/Rezension:

Gary Shteyngart: Super Sad True Love Story

verfasst am 11.06.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Gesellschaftromane, Shteyngart, Gary
Buchbesprechung verfasst von :

Über den Autor:
Gary Shteyngart wurde am 5. Juli 1972 als Igor Semyonowitsch Shteyngart in Leningrad geboren. Im Alter von sieben Jahren emigrierte er mit seinen jüdisch-russischen Eltern nach New York. Er studierte am Oberlin College in Prag Politikwissenschaften. Als Reise- und Kulturjournalist publiziert Shteyngart unter anderem in „The New York Times“ und „The New Yorker“. Aktuell lebt er in New York City. Seine Bücher werden mit Trailern beworben, in denen berühmte Schauspieler wie Ben Stiller oder James Franco auftreten.

Aus dem Amerikanischen übersetzt wurde der Roman von Ingo Herzke. Die Originalausgabe stammt aus dem Jahr 2010.

Der Roman wurde mit dem Salon Book Award (2010) ausgezeichnet und war im August 2010 „Amazon’s Best Book“. Im Jahr 2015 verkündete Ben Stiller Pläne, daraus eine TV Serie zu machen. Bis heute wurde davon aber nichts umgesetzt.

Über den Inhalt:
Die Geschichte ist in der nahen Zukunft angesiedelt und beginnt mit einem Tagebucheintrag von Lenny Abramov datiert mit 1. Juni in Rom – New York.

„Wusstest du, liebes Tagebuch, dass jeder friedliche, natürliche Tod im Alter von 81 Jahren eine unvergleichliche Tragödie darstellt? Jeden Tag fallen Menschen, Individuen – Amerikaner, falls dir das nähersteht – auf dem Schlachtfeld Gesicht voran in den Staub und stehen nie wieder auf. Existieren nie wieder. Komplexe Charaktere, in deren Großhirnrinde schillernde Welten schweben, ganze Universen, die unsere Schafe hütenden, Feigen essenden, analogen Vorfahren zu Boden gestreckt hätten. All diese Leute sind kleine Gottheiten, Gefäße der Liebe, Lebensspender, unbefangene Genies, Helden der Arbeit, die morgens um sechs Uhr fünfzehn aufstehen, um die Kaffeemaschine anzuwerfen, und stumme Gebete sprechen, damit sie den nächsten Tag noch erleben und auch noch den übernächsten und Sarahs Examensfeier, und dann …“

Lenny Abramov ist sowjet-jüdischer Abstammung, 39 Jahre alt, 175 cm groß und wiegt 73 kg. Sein Vater war Hausmeister auf Long Island, seine Mutter Sekretärin einer Genossenschaftsbank. Lenny arbeitet in einer Kreativwerkstatt, die sich zum Ziel gesetzt hat, die unbeschränkte Lebensverlängerung zu ermöglichen. Zweck der Firma ist also, Menschen zu helfen, ewig zu leben. Aus diesem Grund ist Lenny schon seit einiger Zeit in Italien auf der Suche nach vermögenden Privatpersonen, die er als Klienten anwerben soll. Innerhalb eines Jahres hat er nur einen Klienten aufgetrieben.

In der Gesellschaft herrscht totale Überwachung, Medienmissbrauch und ein Jugendwahn. Die Menschen tragen ein „allmächtiges“ Äppärät, welches Informationen aufzeichnet und bei der Recherche hilft. Dieses Gerät unterstützt Lenny auch dabei, wohlhabende Menschen ausfindig zu machen.

Der Roman wechselt zwischen Lennys Tagebucheintragungen und den gestreamten Nachrichten von Eunice Parks Global Teens-Account. Ihre Mitteilungen sind kurz und knapp in einem fiktiven Jugendslang verfasst.

„Hi liebes Pony! Was geht, du Möse? Vermisst du deine Idiotin? Willst du mich ein bisschen lecken? BGM. Ich habe so die Nase voll mit Mädchen rumzumachen. … Ich habe in Rom den allersüßesten Typen kennengelernt. Genau mein Fall, groß, vom Aussehen her irgendwie germanisch, total edel, aber kein Arschloch.“

Auf den Global Teens-Account wird viel hoch geladen und gerankt. Wilde Partys mit Sexszenen bringen hohe Charakter- und Fickfaktorpunkte.

Amerika steht kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps, führt Krieg gegen Venezuela und wird von chinesischen Kreditgebern bedroht. Italien ist das letzte Land Europas, das mit den USA noch Geschäfte macht.

An seinem letzten Tag in Italien begegnet Lenny auf der Party seiner Freundin Fabrizia, mit der er ein Verhältnis hat, der 24-jährigen Koreanerin Eunice Park und verliebt sich unsterblich in sie. Eunice stammt aus Fort Lee, New Jersey und studierte Kunstgeschichte. Sie ist eine zierliche Koreanerin, die ihn an eine asiatische Audrey Hepburn erinnert, allerdings mit einer ungewöhnlichen Prise Sommersprossen. Noch am selben Abend begleitet sie ihn in seine Wohnung für ein Stelldichein.

Eunice findet Lenny krass alt und nerdig.

Zu Hause angekommen schreibt Lenny Eunice eine Nachricht, in der er sie zu sich einlädt. Er recherchiert über sie in den sozialen Medien und hofft darauf, sie wieder zu sehen. Die tragische Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf.

Mein Fazit:
Ich habe mich nach meiner Begeisterung für „Landpartie“ auf den nächsten Roman von Gary Shteyngart gefreut. Leider hat mir dieser Roman nicht gefallen. Der Inhalt war mir zu verworren, viel zu sexlastig und die Sprache zu pointiert und frech.

Insgesamt war mir alles „to much“ und der Gedanke „weniger ist mehr“ kam mir beim Lesen mehrfach in den Sinn. Mein persönlicher Lesegeschmack ist wohl zu konservativ, um an so einem modernen, verrücktenRoman Gefallen zu finden.




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