Buchbesprechung/Rezension:

Charles Dickens: Die Weihnachtserzählung


verfasst am 01.12.2020 von | 1 Kommentar
Rubriken: Dickens, Charles, Kurzgeschichten
LiteraturBlog Bewertung:

Um Charles Dickens Geschichte zu lesen, drängt sich gewissermaßen zwangsläufig zuerst die dazu passende Atmosphäre auf. Mit einem Blick auf frühere, ruhigere Zeiten wählt man dafür einen Ohrensessel, dimmt die Beleuchtung in allen Räumen, lässt nur eine Leselampe angeschaltet, die den Raum rund um den Sessel in dämmriges Licht taucht.  Vielleicht knistert es auch im Kamin und neben dem Sessel steht eine Tasse Tee.

Um es dann ganz perfekt zu machen, befinden wir uns in der Weihnachtszeit, es ist der 24. Dezember, die Familie hat die Bescherung hinter sich gebracht und nun sitzen alle rund um diesen Ohrensessel, in dem sich Großmutter oder Großvater (jedenfalls jemand mit ruhiger Stimme) bequem gemacht haben und nun mit bedeutungsschwerer Geste das Buch aufschlagen: Es ist „Die Weihnachtserzählung“ von Charles Dickens.

So, da nun alles bereit ist, können wir mit dem (Vor)Lesen beginnen. Dass die Geschichte aus der Perspektive eines Ich-Erzählers geschrieben ist, erleichtert es natürlich sehr, bei den Zuhörerinnen und Zuhörern das Gefühl zu erzeugen, als wäre alles wahr, was sie nun hören und genauso passiert.

Es ist die Geschichte des Ebenezer Scrooge, dem geizigen, mürrischen Mann, der nichts außer Geld und Gewinn im Sinn hatte und auf alle Menschen voller Verachtung und Hochmut blickte. Als ihm am Weihnachtsabend der Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Jacob Marley erscheint, beginnt sein Leben eine unerwartete Wendung zu nehmen. Marley starb sieben jahre zuvor und war ein Geizhals und Griesgram, ganz wie Scrooge. Nun schleppt er sich im Jenseits an einer schweren Eisenkette alles mit, war er selbst an Gier und Geiz angehäuft hatte. Marley beschwört Scrooge, seinem Leben eine andere Richtung zu geben, um nicht auch selbst so zu enden wie Marley.

In den folgenden Nächten führt ihn andere Geister an Plätze, die Ebenezer in all seiner Verschrobenheit und Menschenfeindlichkeit vergessen hatte. Zuerst der „Geist der vergangenen Weihnacht“zurück  in seine eigene Jugend. Dann, in der dritten Nacht, der „Geist der diesjährigen Weihnachtsnacht“ zu Orten, an denen Ebenezer glückliche Menschen sieht, die das Weihnachtsfest mit Freude feiern, obwohl sie arm sind – darunter zur Familie seines Neffen Bob, den er immer so herablassend  behandelte und der trotzdem nur gute Wünsche für ihn hat. In der vierten Nacht sieht er seine eigene freudlose Zukunft, in welche trostlose Welt sein Leben und das seiner Mitmenschen führt, wie er nichts hinterlässt, was den Menschen wichtig ist und wie sein Name bald vergessen ist.

Als Ebenezer am Ende erwacht stellt er fest, dass insgesamt nur eine einzige Nacht vergangen war. Nun weiß er, dass man Gutes tun muss, um auch selbst ein gutes Leben zu führen. Und welche Freude es ist, anderen zu helfen.

Es ist tatsächlich eine Geschichte, die sich ganz hervorragend dazu eignet, vorgelesen zu werden. Als ob sie Charles Dickes von vorneherein genau für diesen Zweck geschrieben hätte.

Damit sich die festliche Stimmung über längere Zeit halten kann, bietet es sich an, pro Tag genau eines der fünf Kapitel (Strophen) zu lesen. Um am letzten, dem fünften Tag, das Gefühl zu haben, dass die Welt besser sein könnte, wenn die Menschen es nur wollten. Und vielleicht ergibt sich daraus ja sogar auch ein Neujahrsvorsatz, an den man sich gerne halten wird.




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  • Kommentar von  Rainer Kirmse , Altenburg am 12.12.2020 um 07:19 Uhr Uhr

    EINE WEIHNACHTS-TRILOGIE

    Freud‘ und Leid in der Weihnachtszeit

    CORONA WEIHNACHT

    Versagt ist uns jedes Event,
    Vermummt geh’n wir in den Advent.
    Weihnachtsmarkt und Glühwein ade,
    Solch Christmas tut uns allen weh.
    Geschlossen Cafes und Kneipen,
    Wir sollen zu Hause bleiben.
    Abstand halten ist angesagt,
    Jede Diskussion ist gewagt.
    Wir meiden Umarmung und Kuss,
    Es wachsen Ärger und Verdruss.
    So schwindet langsam das Vertrau’n
    In Sinn und Nutzen des Lockdown.
    Lasst uns besteh’n den Härtetest,
    Damit retten das Weihnachtsfest!

    WEIHNACHTSGEDANKEN

    Nun ist sie da, die Weihnachtszeit;
    Es wird dem Konsume gefrönt
    Und der Gaumen wieder verwöhnt,
    Weit weg der Welt Hunger und Leid.

    Vielen heut‘ nicht die Sonne lacht,
    And’re sonnen sich an der Macht.
    Das Streben nach Besitz und Geld
    Ist das, was für die meisten zählt.

    Die Jagd nach ewigem Wachstum
    Bringt letztlich den Planeten um.
    Wir sollten uns Sorgen machen,
    Und nicht über Greta lachen.
    Nicht nur freitags für die Zukunft,
    Kommen wir endlich zur Vernunft!

    WEIHNACHTSGREETINGS

    Ein Gedicht at the holy night,
    What a wonderful Weihnachtszeit.
    Wir sitzen around the Fichte,
    The family bei Kerzenlichte;
    Drinking Grog and Küstennebel,
    Feinste Gaben on the table.
    Forgotten the Weihnachtsstress,
    Ich wünsche Merry Christmas!

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Was einst in Bethlehem gescheh’n,
    Sollten wir gedenken und versteh’n.
    Gott ist für uns Mensch geworden,
    Verschließen wir nicht die Pforten.

    Ein frohes Weihnachtsfest
    und alles Gute im neuen Jahr!

    Herzliche Grüße aus Thüringen


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