Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville
und andere Märchen

verfasst am 02.11.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Wilde, Oscar

Als „Mutter aller Spuk-Geschichten“ ist das Gespenst von Canterville wohl das bekannteste Gespenst der Welt. Der Bekanntheitsgrad ist dabei weit größer, als die Geschichte lang ist, denn Oscar Wilde packte seine großartige Spuk-Geschichte auf weniger als 40 Seiten und entwickelte darin doch ein dichtes Szenario voller Witz und Satire.

Als Clash of Cultures würde man heute vielleicht die Ereignisse bezeichnen, die sich zutrugen, nachdem die Familie des amerikanischen Botschafters in das Schloss Canterville eingezogen war. Denn während dessen bisherige Bewohner die angebrachte Ehrfurcht vor dem seit Jahrhunderten im Schluss herumspukenden Gespenst hatten, sind die Amerikaner gegenüber den Auftritten und Streichen des Gespenstes völlig unempfindlich. Ja, sie erdreisten sich sogar, dem Geist mit völlig weltlichen Vorschlägen zu begegnen, wie einem Schmieröl gegen die rasselnden Ketten, und überlegen sich sogar selbst einiges, um dem Gespenst Streiche zu spielen.

Kurzum: keinen Respekt haben diese Amerikaner vor den guten alten Traditionen in englischen Landhäusern, es ist wahrhaft zum Verzweifeln. Diese ungehobelten Menschen aus der Neuen Welt treiben es so weit, dass sich das Gespenst beginnt fremd im eigenen Schloss zu fühlen. So macht Spuken wirklich keine Freude mehr.

Nur Virginia, die Tochter der Familie, hat Mitleid mit dem immer verzweifelteren Gespenst.

Ein zeitloses Lesevergnügen, ohne Altersbeschränkung!

In der Ausgabe des Anaconda-Verlages finden sich noch drei weitere kurze Märchen, die es unbedingt wert sind, ebenfalls gelesen zu werden. Es sind Märchen über Zuneigung und Mitgefühl, über Hingabe und Unwissenheit; traurig und voller Zuversicht zugleich.

Die fünfte Erzählung trägt den Titel „Lord Arthus Saviles Verbrechen – Eine Groteske über die Pflicht„. Eine leicht gruselige, mysteriöse Geschichte über einen Mann, der den Vorhersagen eines Wahrsagers zu sehr glaubt. So sehr, dass er sich zur Vermeidung eines angeblich unausweichlichen Geschehens zu ganz und gar abzulehnenden Handlungen veranlasst sieht. Eine raffinierte Story, voller schwarzem Humor, die ebenso grandios ist, wie die vom Gespenst von Canterville.



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