Laura Miller (Hrsg.): Wonderlands
Die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J.K. Rowling, Stephen King, J.R.R. Tolkien, Haruki Murakami u.v.a.

verfasst am 19.10.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Fantasy

Ein Buch über Sagen, Erzählungen und andere Bücher – allesamt Geschichten, in denen eine ganze Welt entwickelt und beschrieben wird.  Wie ich finde, eine wunderbare Buchidee, mit einem Überblick über Jahrtausende von Dichtkunst und Literatur und einem spannenden Einblick in die Fantasie der Schreibenden.

Denkt man heutzutage an Erzählungen, in denen ganze Welten entstehen, dann wird man wohl zunächst an die Hobbits, an Star Wars oder an Harry Potter denken – Bücher oder Ideen, die in den Kinos Fortsetzung fanden oder dort zu Blockbustern wurden.

Dass man aber viel weiter zurückblicken kann, das lässt sich hier entdecken. Gleich am Anfang liest man daher über das Gilgamesch-Epos aus Mesopotamien, das immerhin schon über 3.700 Jahre alt ist. Dieses Epos ist nicht nur eine der ältesten überhaupt erhaltenen umfangreichen Geschichten, sondern auch eine Quelle der Inspiration für viele Dichter der Antike. Überhaupt ließen sich Schriftstellerinnen und Schriftsteller oft und gerne von älteren Werken inspirieren, wenn sie ihre Romane schrieben.

Es sind Fantasy- und Science Fiction-Geschichten, Dystopien, es sind Welten in der Vergangenheit oder in der Zukunft, Kinder- und Jugendbücher oder hochpolitische Romane über die man in „Wonderlands“ lesen wird. Ein breites Spektrum über Zeitalter und Genres.

Von Tolkien bis H.G.Wells, Jonathan Swift, Robert Louis Stevenson, George Orwell, Ray Bradbury. Von „Der Herr Der Ringe“ über „König Arthus“, „Gullivers Reisen“ bis – unter vielen anderen – „1984“, „Die Schatzinsel“, „Peter Pan“, „IQ84“, „Die Tribute von Panem“. Einige der Werke, die weltweit zu den berühmtesten und meiste-gelesenen Romanen zählen, finden sich hier, aber auch viele, die weniger bekannt sind, und ein paar, die ich bisher überhaupt nicht kannte. Darunter Geschichten, die zu ihrer Zeit und auch danach nachhaltige Wirkung auf uns und unsere Kultur hatten und haben, viele davon zählen zu den Standardwerken der Weltliteratur insgesamt.

Die Auswahl der 100 Romane folgt naturgemäß subjektiven Kriterien und jede/r wüsste mit Sicherheit sofort ein paar Bücher, die nach der eigenen Einschätzung in „Wonderlands“ fehlen. Mir kommen dabei gleich Michael Ende („Die Unendliche Geschichte“) in den Sinn, oder Frank Herberts „Dune, der Wüstenplanet“. Außerdem, obwohl soeben erst bei uns erschienen: Yoko Ogawa – Insel der verlorenen Erinnerung

Es ist aber klar, dass es niemals eine vollständige Übersicht geben kann. Der Schwerpunkt dieses Buches liegt bei Werken aus dem englischsprachigen Raum; logischerweise, denn die Herausgeberin Laura Miller und ein Großteil der AutorInnen stammen aus den USA und Großbritannien. Herausgeber aus dem deutschsprachigen Raum oder Spanisch Sprechende  würden wohl zu einer etwas abweichenden Übersicht kommen.

Die einzelnen Kapitel sind jedes für sich eine Mischung aus Zusammenfassung, Rezension, Autorenbiografie, historischer Einordnung und Querverweisen zu anderen Romanen, die entweder als Inspiration dienten oder die sich auf den gegenständlichen beziehen. Alles wirklich sehr spannend, interessant und übersichtlich aufbereitet, dicht bebildert – in Summe erfährt man tatsächlich eine ganze Menge darüber, wie Autorinnen und Autoren aus ganz unterschiedlichen Zeitaltern an die Entwicklung von Fantasiewelten herangingen.

Man wird einige der hier beschriebenen Werke schon selbst gelesen haben, gleichzeitig aber wahrscheinlich auch viele neue Leseideen erhalten. Jedenfalls lässt sich mit den allesamt sehr gut geschriebenen Zusammenfassungen sehr fundiert entscheiden, was man demnächst noch lesen könnte – einiges ist direkt auf meiner eigenen Leseliste gelandet!

Insgesamt haben 41 Autorinnen und Autoren verfassten die 100 Kapitel (= 100 Bücher), wobei allerdings nicht vermerkt ist, wer was geschrieben hat. Das wäre aber auch nur eine interessante Zusatzinformation gewesen, denn am Ende ist entscheidend, dass „Wonderlands“ eine wirklich sehr empfehlenswerte Lektüre für Schon-Fans und NeueinsteigerInnen in die fantastischen Romanwelten ist.

Ein Buch, das sich nicht nur mit Freude selbst lesen, sondern auch sehr gut verschenken lässt!



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