Jürgen Benvenuti: Schrottplatz Blues
Ein Wiener Kriminalroman

Sein Aufenthalt in Wien ist nur eine Zwischenstation. Noch weiß Ben Poller das nicht so genau, aber bald wird er sich wieder auf die Reise machen. Davor muss er sich mit einer Geschichte voller Unklarheiten, falschen Vermutungen, eigenartigen Verwirrungen und so manchem Schaden an seiner körperliochen Unversehrtheit auseinander setzen.

Es beginnt mit der U-Bahn-Bekanntschaft, Lara. Mittels eines blöden, wenn auch sehr erfolgreichen Anmachspruches kommt es zuerst zu einem Kaffeehaus- und gleich anschließend zu einem Hotelbesuch. Lara ist verschwunden, als Ben mit leichtem Brummschädel später aufwacht. Sie hat nichts mitgenommen sondern sogar etwas zurück gelassen. Ein Walkman (merke: das Buch wurde 1996 geschrieben), den Ben quasi als Andenken mitnimmt.

Als weiter Hauptdarstellerin tritt bald Bens Schwester Natascha auf. Völlig durchgeknallt, arbeits- und vermögenslos und überdies schwanger von ihrem seit-eben-Ex-Freund. Nun könnte es fast familien-idyllisch werden, passierten da nicht ein paar Dinge, die das verhindern.

Die Anrufe des Unbekannten, der irgendetwas zurück haben will. Das Gefühl, von jemandem verfolgt zu werden (was sich als mehr als ein Gefühl heraus stellt). Und – man sage nicht, dass Fernsehen nicht bildet – die Erkenntnis, wer den Lara wirklich ist und die Ahnung, warum sie sich so seltsam verhielt.

Eine Mixtur aus Szenerien der 1990 Jahre in Wien, mit starker Tendenz in Richtung Subkultur;  Jürgen Benvenuti schreibt gewohnt respektlos und webt dabei schöne kleine Seitenhieberln gegen einige Institutionen, Machenschaften und die Leute im Allgemeinen ein. Seine Figuren macht er zu „Typen“: Menschen zum Angreifen, lebendig und voller Charakter. Die Summe all dessen ergibt eine Story, die gleichzeitig sowohl schräg und abwegig als auch wie aus dem Leben gegriffen erscheint.

Flott und amüsant geschrieben wird daraus zwar kein richtiger Krimi, denn die Geschichte klärt sich praktisch von selbst, ohne Hilfe eines Ermittlers, auf. Andererseits passt der „Schrottplatz Blues“ perfekt in die Kategorie der schrägen Wien-Krimis, die mit „Kottan“ ihren berühmtesten Darsteller hatten.

Man merkt dem Buch auf beinahe jeder Seite an, dass es vor beinahe 20 Jahren geschrieben wurde. Ich meine damit nicht den Stil oder die Handlung sondern die Beschreibung der damaligen Zeit. Von rauchverqualmten Kaffeehäusern über den Schilling bis zum Walkman ist der Schrottplatz-Blues damit auch ein Stück Lebensnostalgie.

Verlagsinfo: „Schrottplatz Blues“, erstmals 1996 erschienen, ist der dritte Kriminalroman von Jürgen Benvenuti, der nun in einer völlig überarbeiteten Fassung vorliegt.


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