Buchbesprechung/Rezension:

Edith Kneifl (Hrsg.): Tatort Marktamt
13 Kriminalgeschichten aus Wien


verfasst am 17.09.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kneifl, Edith, Kriminalromane, Kurzgeschichten
LiteraturBlog Bewertung:

Vier Jahre: so viel Zeit ist seit dem Erscheinen des bislang letzten „Tatort“-Kurzkrimi-Sammlung aus dem Falter-Verlag vergangen; und jetzt das „Marktamt“. Viele werden sich fragen , was das denn nun genau ist, dieses Marktamt? Etwas Geduld, am Ende des Buches werden all jene vielleicht mehr darüber wissen, als sie jemals wollten :-)

Sie es also wieder getan – 13 Kurzkrimis aus der Feder von Stefan Slupetzky, Eva Holzmair, Gerhard Loibelsberger, Reinhardt Badegruber, Beatrix Kramlovsky, Christian Klinger, Lisa Lercher, Raoul Biltgen, Theresa Prammer, Andreas P. Pittler, Sabina Naber, Andreas Gruber, Edith Kneifl, mit denen man in die Abgründe Wiens eintauchen kann. Die Herausgeberin Edith Kneifl hat nun schon zum 13. Mal (!) die Creme-de-la-Creme der österreichischen Krimiautorinnen zusammengebracht, damit sie sich alle überlegen, was auf dem und rund um das Marktamt so alles passieren kann.

Gelegentlich braucht es einen guten Magen, wenn man ein Lokal oder ein Geschäft betritt; und Flucht ist dann die einzige Option. Aber nicht immer sieht (oder riecht) man alles, was einem auf den Magen schlagen könnte. Gleich in der ersten Geschichte Auf Herz und Nieren die diesbezügliche Widerstandskraft der Leserinnen und Leser. Nach einigen weiteren Gruselgeschichten könnte man sich berechtigterweise die Frage stellen, ob man wirklich jemals wieder ein Lokal betreten oder bei einem Standl einkaufen sollte.

So eine Amtsperson in Gestalt eines Lebensmittelinspektors kann einem das Leben ganz schön schwer machen. Oft ist es dann besser, man versucht auf krummen Wegen, sich so einen Inspektor gewogen zu machen; oder genau anders herum, versucht so einer, seine Position auszunutzen. Das reicht dann von der Befriedigung leiblicher Genüsse in Der Sex des Alters bis zum langen Atem der Rache in Zahltag.

Wenn sonst nichts mehr hilft, greift man auch oft zur Selbsthilfe wie in Die Kammerjägerin, befreit sich von unliebsamen Familienangehörigen in Verlorenes oder verknallt sich so sehr in die Tochter des Wirtes, dass man, so wie in Falscher Wein aus den Abruzzen alles nur erdenkliche unternimmt, um ihre Zuneigung zu gewinnen.

Dass Ämter und Amtspersonen keine Erfindung der Neuzeit sind, wissen wir; und dass Österreich schon in der Kaiserzeit ein Beamtenstaat war, das ist wohl bekannt. Weshalb Geschichten aus den verschiedenen Jahrhunderten unbedingt in diesem Buch ihren Platz finden mussten. In Der Weg des Fleisches ist man zur Zeit des Kaisers Joseph II beim Mord an einem Fleischbeschauer dabei,  der Geschichte Die Bier-Fini liegt ein realer Kriminalfall aus dem Jahr 1918 zu Grunde.

Wie man das alles auch urkomisch erzählen kann, ist in Die Behinderten-Gang zwischen Dauer-Schmunzeln und Lauthals-Lachen nachzulesen.

Einmal Lebensmittelinspektorin, immer Lebensmittelinspektorin, daran kann auch die Pension nichts ändern. Dass das auf einer Donaukreuzfahrt auch zu Komplikatiopnen führen kann, ist in Die Tränen des Laurentius nachzulesen.

u.v.m. …

Auch wenn zwei der Geschichten einen recht ähnlichen Schluss haben: Ausgabe Nr. 13 der Wiener Tatorte ist (noch) abwechslungsreicher und unterhaltsamer als seine Vorgänger. Edith Kneifl ist eine wirklich sehr lesenswerte Zusammenstellung an Autorinnen und Kurzkrimis gelungen – beste Unterhaltung!




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