Jürgen Benvenuti: Barcelona Blues

Unter dem meistens wolkenlosen Himmel Spaniens treiben die Lebensläufe von Rob Fresa, Frank Kretschmer und Sara Nielsson zielstrebig aufeinander zu. Keine Frage, ein Zusammentreffen ist unausweichlich, wenn es auch davor kaum wahrscheinlich gewesen war. Die ganze Sache wird noch komplexer durch die Anwesenheit von einigen Nebendarstellern, von denen einige gar nichts Gutes im Sinn haben. Showdown in Barcelona: darauf läuft es hinaus.

Zuerst sind es Rob und Frank, die einander bei einem kleinen Raub in einem Lebensmittelladen gleich hinter der französischen Grenze über den Weg laufen. Also Rob wollte sich nur das Geld aus der Kassa schnappen, doch der Besitzer und seine Schrotflinte haben etwas dagegen. Weil Frank just in diesem Moment aus der Toilette kommt und dem Ladenbesitzer etwas über den Kopf zieht, lernen die beiden – überall trifft man Landsleute – einander kennen und ziehen gemeinsam weiter.

Die Gründe der beiden, sich nach Spanien auf den Weg zu machen mögen zwar sehr unterschiedlich sein; beim Vogehen, wie man sich mit Geld und Lebensnotwendigem zu versorgen hat, finden die beiden aber rasch Gemeinsamkeiten.

So weit Barcelona auch von daheim weg ist: es ist nicht weit weg genug, um der eigenen Vergangenheit zu entkommen. Diese begegnet Frank in Person eines schlecht gelaunten Auftragskillers und Rob in Person von Sara Nielsson, früher Rockstar und Traum seiner Jugend.

So viel zum Szenario, das Jürgen Benvenuti bereits im Jahr 2003 für diesen Krimi schuf. Es beginnt wie ein „Road-Movie“ in Buchform, einsame Tankstellen, endlose Landstraßen kann man sich recht gut zum Beginn der Geschichte dazu denken. Dass dieses Buch schon 2003 entstand (für diese Neuauflage aber überarbeitet wurde) erwähne ich deshalb, weil man ansonsten ein paar Abschnitte (zB. solche mit Internet, Tennisstars) als etwas seltsam empfinden könnte.

Vom Zusammentreffen von Rob und Frank an verlässt sich Benvenuti dann mit dem Fortgang der Handlung auf die Kraft des Zufalles. Der führt die beiden Hauptdarsteller an die richtigen Orte, um ein wenig Geld zu verdienen und zu den richtigen Leuten, um wenigstens für ein paar Tage ein Dach über dem Kopf zu haben. Leider auch den Killer auf ihre Spur und einen Leibwächter auf Touren.

War es in der ersten Hälfte des Buches schon schräg, wird es in der zweiten schräger. An Fresa und Kretschmer hat man sich gewöhnt, ja man findet sie in ihrem pseudo-kriminellen Gehabe richtig sympathisch. Doch der Autor kennt keine Gnade, jagd sie immer weiter an dann wirklich gefährliche Abgründe heran; damit in diesem einen Buch möglichst viel stattfinden möge – ein wenig leidet die (sowieso nicht gewollte?) Glaubwürdigkeit darunter.

Benvenuti schüttelt den schwungvollen Text mit scheinbarer Leichtigkeit und sichtlicher Freude nur so aus seiner Feder. Dass es dabei gelegentlich zu viel von allem wird, darüber kann man hinweg sehen und sich über eine phantasievoll konstruierte Geschichte freuen, die sich manchmal ganz kräftig in Richtung Gaunerkomödie und/oder Kitschromanze neigt.



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