Michael Woodford : Enthüllung
Vom CEO zum Whistleblower bei Olympus

verfasst am 01.04.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Biographie, Woodford, Michael

In den Jahren seit 2008 jagte eine Finanzkrise die nächste, ein Korruptionsskandal nach dem anderen wurde aufgedeckt. Dazu noch internationale Krisen und Naturkatastrophen: da könnte es leicht geschehen, dass der eine oder andere Fall, der in ruhigen Zeiten ganz oben in den Schlagzeilen gestanden wäre,  nur mehr Platz auf den hinteren Seiten fand. Olympus ist ein solcher Fall.

An mir ist diese Affäre damals völlig spurlos vorüber gegangen, Fukoshima, Snowden, Hypo & Co haben mir da erfolgreich den Blick verstellt. Ein Grund ist wohl auch, dass Olympus zwar ein großes, traditionsreiches Unternehmen ist, vor allem aber mit Produkten arbeitet, die die Mehrzahl der Menschen niemals zu Gesicht bekommt: Medizintechnik ist eben nicht massentauglich.

Michael Woodward war im Jahr 2011 Kurzzeit-Vorsitzender von Olympus. Kurz nach seinem Amtsantritt wurden nach einem Bericht in einer japanischen Zeitung erste Details zu einem Finanzskandal in seinem Unternehmen bekannt. Woodward versuchte die Fakten dahinter zu erfahren, scheiterte aber an einer Mauer des Schweigens bei seinen – durchwegs japanischen und männlichen – Vorstandskollegen.

Als Woodward nicht aufhörte nachzuforschen, wurde er putschartig seiner Funktion enthoben. Das hinderte ihn jedoch nicht, weiter an der Aufdeckung der Machenschaften seiner Vorgänger im Vorstand zu arbeiten. Am Ende wenigstens teilweise erfolgreich, denn einige Verantwortliche mussten sich vor Gericht veranworten. Insgesamt und nachhaltig aber veränderte er mit seinem Engagement aber nur sehr wenig, denn die festgefahrene Unternehmenskultur bei Olympus verhinderte einen tiefgreifenden Wandel, um zukünfig ähnliche Skandale zu verhindern.

Das Buch baut im Wesentlichen auf 3 Elementen auf:

  • Der Fall selbst, als der Olympus-Vorstand über viele Jahre hinweg auf illegale Weise versuchte, die Milliardenverluste aus Spekulationen zu verschleiern
  • Woodfords Karriere bei Olympus, wo er innerhalb von drei Jahrzehnten vom Vertriebsmann zum obersten Boss aufstieg
  • Woodwards persönliche Erfahrungen und die Schilderung seiner Entscheidungen, seiner Aktivitäten nach dem Rauswurf und der Auswirkung auf sein Privatleben.

(Ausgesprochen hilfreich ist das Verzeichnis der Beteiligten am Beginn des Buches. Ohne dieses würde man sich in der Unmenge an Beteiligten hoffnungslos verlieren.)

Während die Darstellung der – möglicherweise kriminellen – Machenschaften sich liest wie ein Fernost-Wirtschaftsthriller, geraten Woodfords Berichte über seine Kontakte zu den Beteiligten gelegentlich zu einer recht egozentrischen Angelegenheit (wobei ich mir denke, dass man ohne einen solchen Charakterzug wohl nicht Vorstandsvorsitzender eines so großen Unternehmens werden würde).

Mit der Schilderung und Würdigung seiner eigenen Rolle schießt Woodfords für meinen Geschmack ein paar Mal übers Ziel hinaus, wenn er sich quasi als moderner, globaler Don Quichote darstellt – und sich ganz offensichtlich sehr gerne als ein solcher sieht. Logisch auch, dass man in einem Buch, das er geschrieben hat, kaum Stimmen finden wird, die die Angelegenheit aus einer anderen Perspektive betrachten.

Zur Ergänzung ist es deshalb ganz hilfreich, ein paar Berichte aus anderen Quellen zu lesen, z.B.:

Darin findet man keine Korrekturen oder Richtigstellungen zu Woodfords Buch, aber ein paar Ergänzungen und weitere Informationen, die beim Verständnis der Vorgänge helfen.

„Enthüllung“ bietet einen Einblick ins Innere eines Unternehmens, wie man ihn nicht oft zu sehen bekommt. Woodford zeigt damit mehr, als es eine Recherche, die von außen kommt, jemals zeigen kann:  nämlich die Perspektive eines Insiders.

Für Woodford selbst ging die Sache am Ende nicht so schlecht aus: zu seiner Abfindung von 12.5 Mio. Dollar ist er seitdem ein gefragter Vortragender und erfolgreicher Buchautor.


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