Joe Biden: Versprich es mir
Über Hoffnung am Rande des Abgrunds

verfasst am 03.12.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Biden, Joe, Biographie
LiteraturBlog Bewertung:

Er ist seit über 40 Jahren Politiker, war acht Jahre lang Vizepräsident Obamas und ist jetzt gewählter Präsident der USA. Dieses Buch hat aber nicht der Politiker Joe Biden geschrieben, sondern der Vater, der Familienmensch Joe Biden. Es ist ein bemerkenswert persönliches und berührendes Buch.

In den USA ist „Promise me“ bereits im Jahr 2017 erschienen, nun veröffentlicht der Verlag C.H. Beck diese Autobiografie anlässlich der US-Präsidentschaftswahlen (Noch vor einem Jahr hätte dieses Buch in Europa wahrscheinlich überhaupt niemanden interessiert, denn Joe Biden war einer unter vielen Politpensionisten jenseits des Atlantiks). 

Nun haben aber die unappetitlichen Vorgänge unter und mit Donald Trump das politische Urgestein Joe Biden aus dem Ruhestand zurückgeholt und haben die Amerikaner den alten Mann, der in den USA wegen seiner langen Politlaufbahn über einen großen Bekanntheitsgrad verfügt, ins Weiße Haus gewählt. Erleichterung macht sich beim Großteil der Menschen auf allen Kontinenten breit.

Wenn man nun dieses Buch liest, dann versteht man den Menschen Joe Biden viel besser und man versteht, warum er gewählt wurde; denn Biden ist das genaue Gegenteil des korrupten und verlogenen Donald Trump. Biden ist ein gefühlvoller Mann, dem das eigene Leben schon viele Hindernisse in den Weg legte und der genau deshalb versteht, wie es den Menschen geht und was ihnen helfen kann.

„Versprich es mir“ sind die Worte seines verstorbenen Sohnes Beau, der im Jahr 2015 an einem Gehirntumor starb. In diesem Buch erzählt Biden von den dramatischen Ereignissen der Zeit um dieses Jahr – und vielleicht / wahrscheinlich hat die Arbeit an diesem Buch es ihm leichter gemacht, den Tod seines geliebten Sohnes zu verarbeiten. Es ist eine außergewöhnlich bewegende Erzählung über Ängste und Hoffnungen geworden. „Versprich es mir“: damit meinte Beau, dass sein Vater auch nach Beaus Tod weiter an seinen Zielen festhalten wollte – denn gemeinsam mit Bidens zweitem Sohn Hunter hätten sie das Projekt „US-Präsident Joe Biden“ schon damals in Angriff nehmen wollen.

Joe Biden verlor im Jahr 1972, vor beinahe fünfzig Jahren, seine erste Frau und seine kleine Tochter bei einem Verkehrsunfall; das geschah nur kurz, nachdem er erstmals in den US-Senat gewählt worden war. Mit seinen beiden Söhnen Beau und Hunter verband ihn seither ein noch engeres Band, sie stützen einander über alle Jahre hinweg. Vor diesem Hintergrund kann es eine außenstehende Person wohl kaum nachvollziehen, wie schwer dann solch ein weiterer Schicksalsschlag trifft. Liest man Bidens Buch, dann wird man aber einen Blick in die Seele dieses Mannes werfen können.

Die Ereignisse in den Monaten von der Diagnose bis zum Tod Beaus sind der bestimmende Inhalt des Buches. Wie die Familie damit umzugehen lernte, wie immer neue Therapien immer wieder Hoffnung brachten und was in den letzten Tagen geschah.

Bidens Amt als Vizepräsident und seine Freundschaft mit Barack Obama sind der Rahmen, in dem sich seine persönliche Tragödie abspielte. Aus den Berichten darüber lässt sich vieles heraus lesen, was man nun vom Präsidenten Biden erwarten kann. In diesem Buch liest man aber noch über die Überlegungen, ob Biden schon zu Wahl im Jahr 2016 antreten sollte und was ihn letztendlich bewog, sich nach Ende seiner Amtszeit als Vizepräsident aus der Politik zurückzuziehen.

Wenn viele Menschen nun auf einen Mann wie Biden setzen, dass er wenigstens einen Teil des Mülls wieder wegräumt, den Trump hinterlässt, dann wird man nach dem Lesen dieses Buches wissen, dass zumindest die Chance besteht, dass ihm das gelingt.

„Versprich es mir“ ist aber nicht nur deshalb interessant, weil es Einblick auf die Persönlichkeit Bidens gewährt; es ist auch ein Buch über das Bewältigen von Schicksalsschlägen und wie man auch nach dunklen Zeiten immer wieder optimistisch und gestärkt voranschreiten kann.

Sehr empfehlenswert.




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