Buchbesprechung/Rezension:

Anna Fifield: Kim
Nordkoreas Diktator aus der Nähe


verfasst am 17.12.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Fifield, Anna, Politik
LiteraturBlog Bewertung:

Wenn die Autorin nicht eine ernstzunehmende Journalistin wäre, könnte man des Öfteren an dem Inhalt dieses Buches zweifeln.

Manche Schilderungen stürzen einen in Zweifel: wird hier tatsächlich das Geschehen in einem Land, die Entwicklung eines Menschen beschrieben, der vom Schüler auf einer Schweizer Schule zum blutrünstigen Herrscher eines Landes wird? Wie absurd, wie aus einer völlig anderen Welt stammend kann das alles sein und doch wahr?

Fallweise erinnern die Schilderungen an eine Soap-Opera oder an eine südamerikanische Telenovela. Bedauerlicherweise ist das aber alles Realität, was die Autorin über Nordkorea zu berichten weiß. Ihre Berichte basieren auf mehreren Besuchen im Land und auf Gesprächen mit Geflüchteten über deren Leben und Erfahrungen in Nordkorea.

Nach dem Tod seines Vaters Kim Jong-il wurde Kim Jong-un in jungen Jahren, er war zu diesem Zeitpunkt erst 27 Jahre alt, zum Nachfolger dieses Despoten ernannt. War es unter seinem Vater schon eine Schreckensherrschaft, sollte es nun noch schlimmer kommen. Kim Jong-un zögerte nicht, einen Personenkult um sich aufzubauen.

Die Schilderungen der Autorin, wie dieser Personenkult um den kleinen Mann aufgebaut wurde, klingen grotesk und übertreffen sogar noch den Kult um seinen Großvater Kim Il-sung.

Während sein Volk darbt und Millionen verhungern, führt Kim Jong-un das Leben eines Feudalherren, lebt in prunkvollen Palästen und stopft sich seinen ohnehin schon erheblichen Bauch mit allen Köstlichkeiten dieser Welt voll.

Der Gipfel des Personenkults war wohl, als er sich den Titel eines Marschalls zulegte, er präsentiert sich damit quasi als GRÖFAZ seines Landes; Atomprogramme und Raketentests sind ihm eben wichtiger als das Leben der Menschen. Er zögert nicht jemanden umbringen zu lassen, es genügt schon, wenn eine Verbeugung nicht tief genug ist. Auch nahe Verwandte bleiben von dieser Willkür nicht verschont.

Ein US-amerikanischer Basketballer – dieser Dennis Rodman ist selbst eine schillernde Person mit einem enormen Geltungsbedürfnis – wurde von Kim Jong-un eingeladen; wo blieb da nur die Aversion des Diktators gegenüber den USA? Als Basketballfan hat Kim das wohl ausgeblendet, wenn es um ihn selbst geht, gelten eben andere Regeln als für sein Volk.

Der Journalistin der „Washington Post“ gelingt in dieser Biografie eine umfassende Schilderung von Absurditäten, des unendlichen Leids des Volkes, von Hungersnöten und Misswirtschaft udn Korruption.

Natürlich darf auch Donald Trump nicht fehlen, sein Besuch bei King Jong-un war ja ein umstrittenes Ereignis: das Treffen zweier, einander recht ähnlichen Narzissen, wobei einer der beiden wohl selbst auch gerne Diktator geworden wäre.

Und warum erhebt sich das Volk nicht?
Weil es Angst hat vor Denunziation und deren Folgen.
Die wenigen, die es gewagt haben, verschwanden auf Nimmer-Wiedersehen.

Es ist ein erschütterndes Dokument dieses Regimes – es zahlt sich aus, das Buch zu lesen.




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