Jörg Mauer: Felsenfest

verfasst am 07.03.2014 von | 1 Kommentar
Rubriken: Kriminalromane, Maurer, Jörg

Wenn ein Krimi mit so einen VorWORT beginnt, dann kann gar nichts mehr schief gehen. Ausser vielleicht, dass es möglicherweise das letzte Buch des Autors war … (Schade zwar, denkt man sich dann, aber wenns so ist, dann ist er wohl selbst schuld daran)

Was danach folgt, ist so etwas wie ein Neustart (alternativ: Facelifting, Restart, Upgrade, etc..) der nunmehr 6-teiligen Krimireihe um Kommissar Hubertus Jennerwein. Wirklich sofort – und zwar mit den ersten Sätzen – zeigt Jörg Maurer, dass er es wahrhaft darauf anlegt, uns bestens zu unterhalten. Noch mehr Lokal-Folklore, noch mehr Seitenhiebe, noch mehr Augenzwinkern. Hosd mi?

Ein Beispiel von Seite 30 gefällig? “ … Der (Honigverkäufer) blickt über die Kunden hinweg in die Ferne, als hätte er gerade ein paar Rainer-Maria-Rilke-Gedichte gelesen und verstanden …“  Das ist nicht der erste sprachliche Volltreffer in diesem Buch und schon gar nicht der letzte. Man sollte sich auf einiges gefasst machen…

Zu Beginn aber müssen ein paar Gipfelstürmer um ihr Leben zittern. Kaum ganz oben beim Gipfelkreuz angekommen, werden sie von einem Lady-Gaga-Verschnitt zuerst festgesetzt und dann mit einer Maschinenpistole in Schach gehalten. Wer kann da schon den Ausblick genießen (nun: am ehesten wohl noch der, der von dem Unbekannten hinter der Gaga-Maske über die Felskante in die Tiefe befördert wird – und dort ist es tief).

Ausserdem – und jetzt bitte aufgepasst! –  wird ein mehr als 700 Jahre alter Vertrag mit einem Mal bedeutsam. Der wird nämlich von den Graseggers (Maurer-WiederholungsleserInnen kennen das ehemalige Totengräber-Ehepaar) entdeckt und sein Inhalt, ein Nachhall aus dem Mittelalter, ruft bei einigen Leuten heftige Kopfschmerzen hervor. Keine Angst, es sind nicht die Illuminaten oder sonstige Dan-Brown-Geheimverschwörer; genre- und standesgemäß mischen sich hier die altbayrischen Vorfahren ins Leben des 21. Jahrhunderts ein.

Alles das passiert rund um ein Klassentreffen von Jennerweins Abitur-Klasse. Jennerwein selbst hat sich, wie schon in den zurück liegenden Jahren, entschlossen, nicht daran teilzunehmen. Jetzt muss er das aber wohl oder übel, denn die Gipfelstürmer, die in Todesangst da oben in der Gewalt ihres Entführer ausharren müssen, sind seine alten KlassenkameradInnen. Das, könnte man sagen, hat er gerade noch gebraucht.

Ein verschlüsselter Hilferuf vom Gipfel langt via SMS bei Jennerwein ein, der erst nach einer nicht unwesentlichen Nachdenkpause dahinter kommt, was er da auf dem Display in Wahrheit liest. Ab diesem Moment gehts aber richtig los: Hubschrauber fliegen Aufklärungsflüge, ein Einsatzkommando rückt aus, Jennerweins Team arbeitet mit Hochdruck und ein Entführer verschwindet, obwohl er keine – wirklich gar keine – Möglichkeit zur Flucht hatte.

Und da gibt es da noch etwas: irgendjemand aus der Klasse kennt anscheinend viel zu viele Geheimnisse über seine ehemaligen MitschülerInnen; darunter auch eines über Jennerwein selbst. Ist das vielleicht der Grund für die Entführung? Oder wenn nicht das, was denn dann?

In den letzten Jennerwein-Krimis ist ein wenig vom anfänglichen  Lokalkolorit verloren gegangen. Das hat mir gefehlt und ist jetzt, danke Herr Maurer, endlich wieder da und vermischt sich mit zum Brüllen Komischem zu einem großartigen Lesespaß. Es herrscht wieder das Bayrische vor und mit ihm alle diese Spitzen gegen die Nicht-Bayern; und selbstverständlich gegen die Bayern selbst, sonst wäre es ja kein Buch von Jörg Maurer:-)

„Felsenfest“ ist großes Kabarett und wirklich SEHR unterhaltsam.

Einfach nur zum Zerkugeln, dabei aber auch ein richtiger, ein spannender Krimi; für den hat sich Jörg Maurer einen sehr raffinierten Plot ausgedacht, mit dem er es schafft, nicht nur Jennerwein (zumindest zeitweise) sondern auch die/den Leserin (das schon länger) in die Irre zu führen. Kompliment!

Zum Schluss noch ein kleines Zitat (S.353, aus einem Telefonat während der Ermittlung) …“Wir suchen ein knallrotes Gummibärchen.“ „Wiederholen Sie das bitte.“ …

Des muas ma oafoch glesn hom.


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Stadt- und Schulbücherei am 24.04.2014 um 12:08 Uhr Uhr

    Ich liebe Jörg Maurer und find eure Rezension mindestens genauso klasse. Deshalb ichs bei unserer im Blog verlinkt:
    http://www.buecherei.gunzenhausen.de/index.php/buechereiblog-eintrag/felsenfest.html

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