Jörg Maurer: Oberwasser

verfasst am 22.02.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Maurer, Jörg

Ein Mal im Jahr wird es ernst, dort im Kurort in den bayrischen Alpen. Man mag es Zufall nennen, aber genau ein Mal im Jahr rückt Kommissar Jennerwein mit seinem Team an und löst einen kniffligen Fall. Der ist, ob der, aus Verbrechersicht, geografisch günstigen Lage an der an der Grenze zu Österreich meist auch international vernetzt. Und es sieht so aus, als wäre es heuer, im Jahr 2012, auch nicht anders.

Zum vierten Mal rücken sie an, doch diesmal müssen sie zuerst selbst ein Verbrechen begehen, bevor sie ein anderes aufklären können. Das hört sich jetzt kompliziert an, ist es natürlich auch, aber der Jörg Maurer schreibt das alles so kurzweilig, amüsant, klar und übersichtlich nieder, dass man es dann doch versteht.

Das Ausgangsereignis ist diesmal das Verschwinden zweier Undercover-Agenten des BKA. Böswillige Zungen würden jetzt behaupten, die sind sicher zu irgendeiner Neonazi-Gruppe gewechselt, oder observieren gerade ein paar Bundestagsabgeordnete und sind deshalb unabkömmlich oder würden ähnliche, enorm weit hergeholte, Unterstellungen äußern. Doch nicht so im bayrischen Kurort: dort scheinen die beiden Agenten tatsächlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen zu sein, denn es fehlt jede Spur von ihnen.

Jennerwein und sein Team reisen aus München an und inszenieren, wie immer in enger Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizei, eine kleine Charade – denn niemand soll den Verdacht schöpfen, dass die Polizei im Fall der beiden BKA-Leute ermittelt, ja es soll überhaupt niemand wissen, dass die beiden Männer vor Ort gewesen waren und es nun nicht mehr sind.

Wobei unter „niemand“ wohl, so die Annahme, die Mafia zu verstehen ist. Oder sonst eine ähnlich zwielichtige, wenn nicht noch zwielichtigere, internationale Organisation. International aber wird es auf jeden Fall. Denn wie bei einem Trichter scheint das Böse aus aller Herrn Länder im Kurort zusammen zu laufen.

In einem nordafrikanischen Bazar wird eine Münze mit rätselhaften Zeichen entdeckt. Im Strudel eines Wildbaches wird ein Fahrrad einem Kanuten fast zum Verhängnis. Ein heimliches Liebespaar auf einem Schrottplatz hat ein unheimliches Erlebnis. Das Bestatter-Ehepaar Grasegger taucht nach Jahren wieder im Ort auf. Ein bayrischer General aus dem 18. Jahrhundert liefert taktische Grundlagen. Nicht zu vergessen Gisela, die gute Gisela, die auch diesmal ihren wertvollen Beitrag zu den Ermittlungen leistet. Und noch so einiges, das immer wieder neue Spuren und neue Hinweise liefert.

Wie schon gesagt, eine komplizierte Anhäufung manchmal seltsamer, wie es scheint voneinander gänzlich unabhängiger Ereignisse, die insgesamt dem Kommissar und seinen Kolleginnen und Kollegen das Leben schwer machen.

Aus diesen vielen Fäden knüpft Jörg Mauer einen ebenso amüsanten wie spannenden Krimi. So sehr er es nicht lassen kann, hin und wieder ein paar Spitzen gegen seinen bayrischen Landsleute abzufeuerm, so sehr erkennt man aber auch, wie viel ihm an Land und Leuten liegt. Damit wird der Krimi –  nach meinem Gefühl – gleichzeitig zu einer kleinen Liebeserklärung an Bayern.

Eines aber fällt auf: trotz aller Berge, Almen, Wildbäche und Einheimischer findet sich in diesem Buch weit weniger Lokalkolorit als in den 3 Jennerwein-Krimis davor.  Etwas mehr davon hätte zwar nicht geschadet, aber es ist auch so ein abwechslungsreiches Lesevergnügen. Die Handlung verüberregionalisiert, die Sprache verhochdeutscht (die augenzwinkernden Seitenhiebe auf die Bayern und ihre Eigenarten fehlten mir ein wenig) was alles zusammen aus Jörg Maurers 4. Alpenkrimi eine Art von alpinem Agententhriller macht.

An dessen Ende die Guten, das kann man verraten, wieder Oberwasser haben, bis dahin allerdings durch jede Menge dunkle Gewässer, Untiefen, Stromschnellen und Strudel müssen.  Da weiss man, dass man in den Bergen ist!



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