Jörg Maurer: Unterholz
Alpenkrimi

verfasst am 05.02.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Maurer, Jörg

Es ist (endlich) wieder einmal soweit: in allen möglichen Ecken der Welt braut sich etwas zusammen, das in den bayrischen Alpen zu heftigen Entladungen führen wird. Auf einer Alm, ganz der in der Nähe von Garmisch, nicht weit zur Grenze nach Tirol, gibt es einen Brennpunkt. Dort ist früher schon einmal was passiert und heute, heute scheinen sich schon wieder ein paar böse Gesellen hier zu versammeln.

Und Kommissar Hubertus Jennerwein? Der hängt irgendwie in der Luft bei der ganzen Sache. Wobei man das durchaus wörtlich nehmen darf, das mit dem Herumhängen. Nur, dass der Jennerwein leider gar keine Ahnung hat, wie er in eine so missliche Lage geraten konnte, so hilflos gefangen zwischen Himmel und Erde.

Zum besseren Verständnis: die Wolzmüller Alm hat so einen Ruf, dass dort gerne ungewöhnliche Dinge passieren. Daher ist Rainer Ganshagel, der jetzige Pächter, auch sehr darauf erpicht, nur ja keine schlechten Nachrichten nach aussen dringen zu lassen. Das wäre schlecht fürs Geschäft, denn die Alm wurde mit viel Geld zu einem exklusiven (sprich sündteuren) Seminarzentrum umgebaut und er lebt gut davon, mehr oder weniger wichtige, immer aber zahlungskräftige und auf Privatsphäre bedachte Leute zu beherbergen.

Als sich unter seine Gäste dann eine Frauenleiche schummelt, möchte er die Sache natürlich sehr gerne unter den Tisch kehren. Doch die von ihm zu Hilfe gerufenen Graseggers (stimmt, genau die: früher Bestatter im Ort, immer beste Verbindungen zum internationalen, organisierten Verbrechen) winken ab; da soll er doch besser die Polizei einschalten, das wäre ihnen, den Graseggers, zu unsicher, mit dieser Leiche wollten sie sich nicht die Finger verbrennen.

Und das ist der Moment, in dem Jennerwein und seine Leute auf der Bildfläche erscheinen. Alle sind wieder da und das macht so einen Alpenkrimi von Jörg Maurer auch immer zu einem Treffen mit liebgewonnenen Typen. Und – auch daran hat man sich schon gewöhnt und erwartet es auch – die bayrischen Alpen sind ebenso bekanntermaßen wie auch diesmal ein Sammelbecken von zwielichtigen Gestalten aus allen Himmelrichtungen.

„Same Procedure as Last Year, Hubertus?!“, um ein großes Wort etwas abgewandelt zu zitieren.

Das Auffinden der Frauenleiche bringt gehörig Unruhe unter die Seminarteilnehmer, weitaus mehr, als man es sowieso schon vermuten würde. Als LeserIn weiss man jetzt natürlich bereits, dass die Frau keine normale war, sondern eine Killerin; aber warum die Seminarteilnehmer deshalb einerseits so aufgescheucht und entsetzt, andererseits aber auch so routiniert reagieren, dass weiss man noch nicht.  Und warum die bewaffnet sind? Jedenfalls brechen daraufhin die Herrschaften ihre Zelte auf der Alm so schnell ab, so schnell kann der Ganshagel gar nicht schauen, und zerstreuen sich in alle Winde.

Eine Besonderheit bei Jörg Maureres Krimireihe ist, dass man nicht nur die wohlbekannten Polizistinnen wieder trifft, sondern auch ein paar von den weniger Guten. Die Graseggers, den Swoboda, ein paar italienische Mafiosi. Dazu gesellen sich dann noch die wirklich Bösen (die haben aber ihre Rolle immer nur für ein Buch bekommen), ein paar Lokalpolitiker (das sind die, die immer alles besser wissen) und die Besetzungsliste ist fertig.

Die „wirklich Bösen“ das sind dann auch die, die Jennerwein & Co den ganzen Ärger bescheren, mit den anderen hat man sich arrangiert (ja es geht sogar so weit, dass diese „weniger Guten“ den Jennerwein dann und wann  mit Tipps versorgen).

Maurer mischt seinen Humor mit einer richtig spannenden Geschichte. Darin bekommt man von gelegentlich lautem Lachen, über regelmäßiges Schmunzel bis hin zu unermüdlichem Weiterlesen um das Geheimnis/die Geheimnisse zu entschlüsseln alles geliefert; alles, was einen richtig guten Lokal-Krimi ausmacht, denn das ist „Unterholz“: ein  richtig guter Alpenkrimi.

Für mich der bisher beste, den Jörg Maurer geschrieben hat.  Mit jedem der bisherigen vier Jennerwein-Alpenkrimis hat Maurer ein bisschen weniger Kabarett und dafür mehr Krimispannung geliefert.

Mit dieser Nr. 5 bekommt man ein Highlight zu lesen, gut abgemischt mit der jeweils genau richtigen Dosis an Augenzwinkern und Grusel, und erwartet sich – ja, so unverschämt wird man mit der Zeit – bald die Nr. 6.



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