Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben
Alpenkrimi

verfasst am 23.02.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Maurer, Jörg

Alter Schwede! In so einer Gegend rechnet sicher niemand damit, dass einer aus dem Ort auf so grausliche Art ums Leben kommt. Auf eine so grausliche nämlich, dass man lange Zeit gar nicht herausfindet, was denn da überhaupt passiert ist; und ob es ein Unfall oder doch ein Verbrechen war. Deshalb gibt es erst einmal „nur so ein Gefühl“ bei Kommissar Jennerwein und seinen Leuten, so eines, nach dem der Suderer Bartl nicht ganz freiwillig aus dem Leben schied.

Der 7. Jennerwein-Krimi ist vor allem in einer Beziehung anders als die bisherigen: zwar gibt es ein paar kleine Blinzler auf die Bayern und auf Bayern, aber der bislang gewohnte kabarettistische Einschlag samt ausgiebiger Portion Lokalkolorit fehlen. „Der Tod greift nicht daneben“ ist ein Alpenkrimi, der nicht mehr so sehr in den Alpen verwurzelt ist.

Lange Zeit kreist das Geschehen rund um zunächst unerklärliche Begebenheiten aus Gegenwart und Vergangenheit, aus den Alpen und von anderswo. Solange wie Hubertus Jennerwein keine  greifbaren Anhaltspunkte findet, lässt beim Lesen den gelegentlichen Drang zum Schnell-Lesen aufkommen: einfach um schnell dorthin zu gelangen, wo es beginnt rasanter zu werden. Denn – nun ja – weil es ein Krimi ist, muss wohl ein Verbrechen stattgefunden haben, aber in bis zur Mitte des Buches fehlt mir doch der unwiderstehlich Zug zum Thema – erst dann steht auch quasi offiziell fest, worum es geht: Mord. Und der fehlende Puzzleteil ist eine Hand.

Die Spuren führen nach Schweden und in die Sphäre der Nobelpreisträger und derer, die diese Preise vergeben.

Und noch etwas ist anders als bisher: Jennerwein und überhaupt das ganze Team bleiben als Charaktere diesmal weit weniger persönlich; als Von-Anfang-An-Dabei-Leser macht mir das nichts aus, die Damen und Herren sind mir ja schon recht gut bekannt (und Neu-LeserInnen sollten sowieso mit Band Nr. 1 beginnen).

Jörg Mauer hat sich hier eine sehr verzwickte Story ausgedacht: viele Spuren, viele Beteiligte, viele Locations, einige Verdächtige und einige Opfer. Doch obwohl es von all diesen Elementen ausreichend gibt, so bleibt doch permanent der Eindruck, dass noch etwas fehlt. Und falls man beim Lesen tatsächlichen diesen Eindruck gewinnt, dann findet man heraus, dass man die richtige Spürnase hatte (Um dabei zu bleiben, sollte man sich also von Anfang an alle Details einprägen, damit man zwischendurch nicht ein paar Zusammenhänge verpasst –  der Autor fordert in diesem Buch somit auch einiges an Konzentration bei seinen LeserInnen ein).

Der Roman selbst ist ein Krimi, ausgestattet mit Horror-Frankenstein-Elementen, von denen ein paar auch in einen Science Fiction oder Fantasy-Roman passen würden. Und wer manchmal an die Addams-Familiy denkt oder an Enterprise-Captain Piccard als „Lucutus“ liegt auch nicht daneben.

Mir persönlich fehlen der Humor und das Augenzwinkern der Vorgänger-Krimis. Dafür bin ich kein großer Fan von Szenen, bei denen sich der eigene Magen zu Wort meldet – von denen gibt es ein paar.

Dennoch: flott, gegen Ende zu flotter, zu lesen und ein lesenswerter Krimi. Mit der Hoffnung auch wieder mehr Lacher in Jennerwein-Fall Nr. 8 freue ich mich schon auf den nächsten Roman.



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