Jörg Maurer: Am Tatort bleibt man ungern liegen
Kommissar Jennerwein Band 12

verfasst am 21.06.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Maurer, Jörg

Es ist dies zwar der 12. Band der Kommissar Jennerwein-Reihe, aber der spielt in diesem Krimi nur eine Nebenrolle. Die Hauptrolle wurde diesmal dem Polizeiobermeister Hölleisen zugeteilt, der als einziger die Stellung halten muß, nachdem das ganze Team beim letzten gemeinsamen Fall beinahe das Zeitliche segnete; die anderen sind noch auf dem Weg der Genesung und nicht einsatzfähig.

Auf dem Buchrücken steht, dass dies Jennerweins erstaunlichster Fall wäre – nun, das trifft es wirklich, wenn auch nach meiner Sicht anders, als vom Verlag gemeint.

Ich möchte einmal die Fakten sammeln:

  • Ein Toter sitzt im Kaffeehaus auf der Terrasse; die Hitze war es wohl, die den Mann niederstreckte, da nützt ihm auch sein Panama-Hut nichts. Aus Gründen der Pietät und weil es ja die anderen Gäste stören könnte, wird Leon Schwab, so der Name des Verblichenen, in den Kühlraum verfrachte; wo alles mögliche passieren kann. Hölleisen mutmaßt: das steckt etwas dahinter!
  • Die Reinigungs-Fachfrau Alina Rusche stirbt unter einem Wagenrad, das sich von oben, vom Giebel des Daches aus, so mir nichts, dir nichts direkt auf den Kopf der armen Frau stürzte. Alina ist tot, doch war das wirklich ein Unfall? Jennerwein glaub: nein!
  • Die Spuren, so unauffällig sie auch sein mögen, führen allesamt und wiederholt zur örtlichen KurBank und dort zu den Schließfächern im Keller. Die wiederum wurden selbst Ziel eines Angriffes, von dem man aber noch nichts weiß. (Stichwort: HiTech in der bayrischen Provinz)
  • Dann treiben sich zwei Spanier im Kurort herum, die sich irgendwie in der Zeit verirrt haben, jedenfalls der eine von ihnen. Es bleibt ein Rätsel, ob die beiden echt oder nur ein Runnng Gag sind; andererseits machen sich die beiden im Ort bemerkbar.
  • Ein Frau mit Perücke treibt sich herum, lauert hier und da.
  • Die Grasseggers bekommen den wohl ungewöhnlichsten Auftrag für eine Bestattung. Das passt aber gut, denn damit können sie und die Trauergäste der Sommerhitze entfliehen.
  • Es findet ein doppelter Bankraub statt (Stichwort: HiTech in der bayrischen Provinz; aber das hatten wir schon)
  • Alte Hüte wecken Begehrlichkeiten.
  • Ein Nerd mutiert zum Superhelden, was beinahe schon für die Aufnahme ins Marvel-Universum reicht.

Das war zwar noch lange nicht alles, das andere aber muss, der Überraschungen wegen, selbst gelesen werden (und weil sonst auch diese Liste unübersichtlich werden würde).

Es reicht aber vielleicht, um die alsbald entstehende Verwirrung zu dokumentieren. Die Verwirrung bei mir, als Folge der ach so vielen Schauplätze und Begebenheiten. Womit ich noch kein Problem hätte, denn verzwickte Krimis mag ich ja.

Aber in diesem Fall passieren Dinge oft unvermutet, überhaupt gibt es zu viele Erzählungen, die recht zusammenhanglos aufeinander folgen, am Ende werden viele davon nicht wirklich aufgelöst und bei vielen Wendungen frage ich mich einfach und ganz banal: häh?

Zur Einordnung: es ist ein flott zu lesender Krimi, der sich gut für den Sommer als Lektüre unterm Sonnenschirm oder im Schatten eines Baumes eignet. Für Situationen also, in denen man der Hitze wegen soundso keine geistige Herausforderung sucht und es nichts ausmacht, hin und wieder einfach einzunicken. In der Früh begonnen, ist man dann, inklusive der Nickerchen, am Abend mit dem Buch fertig und hat sich nicht einmal sonderlich angestrengt.

Spannung im Sinne einer Krimispannung kommt aber leider gar nicht auf, dafür ist alles viel zu verworren und unrealistisch. Vielleicht hätte Jörg Mauer seinem Kommissar Jennerwein doch die Hauptrolle geben sollen; der versteht nämlich mehr von Krimis, Polizeiarbeit und Spannung.

Hoffentlich beim nächsten Mal wieder.


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