Maurer, Jörg: Hochsaison

verfasst am 28.05.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Maurer, Jörg

Jo kruzifix, derf des denn sei!? Neujahrspringen in den bayrischen Alpen, viel Prominenz (wer sich  gerne so als Prominenz sieht), viel Presse und ein Absturz. Wie vom Blitz getroffen, stürzt der dänische Skispringer ab. Eine Kugel sei es gewesen, wie der pensionierte Jägermeister bei der Polizei zu Protokoll gibt, kein Blitz, nein, eine Kugel habe den armen Mann aus der Luft geholt.

Da es nun eben diese Anzeige gibt, wird die Kriminalpolizei heran geholt, die Spurensicherung gleich im Schlepptau: Kommissar Jennerwein ermittelt wieder (zum zweiten Mal um genau zu sein) in den Alpen und das mitten in der Winter-Hochsaison. Die geringe Gegenliebe der Vertreter von Land und Gemeinde, die kein Aufsehen wollen, so mitten im Touristenmekka, ist vorhersehbar und unvermeidlich.

Jennerwein glaubt zuerst gar nicht an ein Verbrechen, meint, daß er schon am selben Tag wieder den Zug heimwärts nehmen wird und ist entsprechend wenig für einen längeren Aufenthalt gerüstet. Ein wenig länger dauert es dann doch und der Fall verschwindet in den Akten. Hätte der Jennewein gewusst, was just zu der Zeit alles so im Alpendorf vor sich ging, wäre er gleich geblieben. Wusste er aber nicht.

Er wusste nicht, daß, wenn es um die Ausrichtung der olympischen Winterspiele geht,  fast jedes Mittel recht ist um die Widersacher in ein schlechtes Licht zu rücken. Da ein kleiner Unfall beim Skispringen, dort kleiner Mord – das gehört dabei gewissermaßen zum täglichen Geschäft um die Bayern aus dem Rennen zu werfen und die Spiele nach China zu bringen. Oder vielleicht nach Dubai. Er wußte auch nicht, daß sich ein (uns, den LeserInnen von Föhnlage, nicht ihm, dem Polizisten) altbekannter, österreichischer Hansdampf in allen kriminellen Gassen im Ort aufhielt und wieder einmal an allen möglichen Strippen zog.

Zurück in die Berge treibt den Kommissar dann Monate später diese merk- und denkwürdige Eintragung im Gipfelbuch auf der Krottenkopfspitze. Merkwürdig alleine schon deshalb, weil es nicht alle Tage vorkommt, daß sich ein Täter seiner Tat selbst bezichtigt – doch just das steht da im Gipfelbuch: „Den Anschlag habe ich verübt … es werden weitere folgen“. Und denkwürdig, weil die Ankündigung alsbald in die Tat umgesetzt wird.

Man liest ein satirisches Buch über das Land Bayern, die Bayern im Speziellen, die Menschen in den Alpen im Allgemeinen (die Grenze zu Österreich ist ja nicht fern) und über noch exotischere Nationalitäten. Immer mit Augenzwinkern, oft an der richtigen Stelle mit einem kleinen ironischen Seitenhieb auf Land und Leute, durchgehend zum Schmunzeln, einige Male zum Lachen.

Meistens verdrängt die Alpensatire den Alpenkrimi, der sich dann ein wenig zerfahren zwischen den Zeilen verirrt und es nicht wirklich schafft zu einer spannenden Geschichte zu werden.  Mich stört das aber nicht weiter,  Polizeiarbeit, Spurensuche etc. sind eben nur Aufhänger für noch mehr Seitenhiebe(rln) und Augenzwinkereien.

Sakra, des mocht a Freid beim Lesn!



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