David G. L. Weiss: Macht

verfasst am 21.08.2013 von | 5 Kommentare
Rubriken: Thriller, Weiss, David

MachtKochrezept für Verschwörungsthriller: Man nehme ein lange zurück liegendes Ereignis, lasse dem Unheil ausreichend viele Jahre Zeit um zu reifen und hetze es in der Gegenwart auf die Welt und die Menschheit. Das ist das Standardrezept, an das sich David Weiss schon im Team mit Gerd Schilddorfer gehalten hat und nach dem er nun auch seine Solo-Werke zubereitet.

Dass wir diesmal zu Beginn des Buches vorerst nur etwas mehr als 20 Jahre in die Vergangenheit reisen, ist da schon eine sensationelle Überraschung, tut man es als standesbewusster Thrillerautor doch sonst kaum unter ein paar Jahrhunderten (aber keine Angst, später holt die Story viel weiter in der Zeit aus).

Der Tod des Pfarrers bringt die alte Runde nach vielen Jahren erstmals wieder zusammen. Sie waren Schulkameraden, ein verschworener Freundeskreis und der Tote war einer von ihnen. Aus halb Europa sind sie nach Wien gereist, um von ihrem Freund Abschied zu niemand und niemand ist dabei die/der glaubt, dass sich Gabriel umgebracht hat. Dabei sind sie sich alle 100%ig sicher. Doch die offizielle Version ist Selbstmord, ein Schuss ins Herz.

Zwei aus der Runde, Josephine Mahler und Gernot Szombathy, waren einander schon früher zugetan. Bei der Trauerfeier treffen sie einandern erstmals nach vielen Jahren wieder und machen sich gemeinsam daran, die Hintergründe des Tod des Freundes aufzuklären. Dass es etwas anderes als ein Selbstmord sein muss, das wird spätestens in dem Moment für alle klar, als das Pfarrhaus in Flammen steht, Gabriels Frau ermordet wird und Unbekannte versuchen, seine Tochter zu entführen.

In der nun folgenden Jagd nach dem Geheimnis lässt David Weiss nichts aus, was nicht bei 10 in einem anderen Buch gelandet ist. Ein Nazibunker, in dem sich noch jemand oder etwas versteckt hält; die erste Mondlandung;  eingeschleuste Agenten überall; Bruderschaften, Sekten und Logen, natürlich geheim; die Aufzählung lässt sich noch lange fortsetzen. Dauernd kommt etwas Neues hinzu, als ob es Buch und Autor darauf anlegten, die Leser zu verwirren.

David Weiss belegt mit vielen Details, dass er für dieses Buch umfangreich recheriert hat. Soviel zum positiven Aspekt.

Enorm dominierend und störend empfand ich die sehr einfach gehaltene, uninspirierte Sprache. Allzu oft stolpert man über schon anderswo gelesene Redewendungen und halbamüsante Scherze; oft haben Stil und Inhalt rein gar nichts miteinander zu tun, oder es werden Emails geschrieben und Gespräche geführt, die man in der wirklichen Welt so niemals sehen/hören/führen/lesen würde,…

Das bessert sich im Laufe des Buches ein wenig, bleibt aber bis zum Schluss ein latentes Ärgernis.

Und es gibt noch ein weiteres Ärgernis: ganz offen eingebaute Werbung für dies und das. Hier eine Tageszeitung, dort ein Online-Versand, etc.: da haben wohl die Firmen/der Verlag/der Autor ein interessantes gemeinsames Geschäftsfeld gefunden. So etwas habe ich in dieser aufdringlichen Form noch nicht gesehen und hoffe, dass dieses Beispiel nicht Schule macht.

Nach 80 Seiten wollte ich das Buch zur Seite legen und etwas ordentliches lesen. Habe mich dann doch anders entschieden, weil ich wissen wollte, ob die so positiven Kritiken bei Amazon vielleicht doch berechtigt sind oder nur die üblichen Auftragskommentare.

Was soll ich sagen?
Ich wurde enttäuscht.

Zusammengefasst: Ein wirres wildes Sammelsurium, bei dem Spannung vermisst und Lesefreude vertrieben wird.

PS: wie man aus einem ähnlichen Thema ein viel besseres Buch machen kann, zeigt Weiss‘ ehemaliger Schreib-Partner Gerd Schilddorfer mit seinem fast zeitgleich schienenen Thriller „Heiß



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 5 Kommentare


  • Kommentar von  Andreas am 02.09.2013 um 11:41 Uhr Uhr

    @Karl Katz
    Weder heisse ich Andi, noch kenn ich einen/den Gerdschi, noch trinke ich Bier (oder ähnliches). Tut mir leid, aber diese Verschwörungstheorie ist dann doch zu realitätsfern. :-)

  • Kommentar von  Karl Katz am 02.09.2013 um 11:33 Uhr Uhr

    Im Gegenteil, „Macht“ ist kein Thriller nach dem üblichen Rezept, was wohl auch die Probleme damit erklärt. Vielmehr ist es vielleicht ein Spannungs-Roman mit einem offenem Ende. Der Autor will viel, villeicht zu viel, in die Seiten packen.
    Nicht die Spannung, sondern die Aufmerksamkeitsspanne des Lesers lässt zur Mitte hin nach, um sich gegen Ende aufzulösen, wenn man einen der üblichen Thriller erwartet. Die Spannung nimmt zwar mittig etwas ab, aber nur um dann wieder Fahrt aufzunehmen.
    Weiss erwähnt und zerzaust viele der bedeutendsten Verschwörungstheorien und bietet sogar eine neue für 9/11.
    Speaking of Verschwörungstheorien, der Rezensent streut beinahe ebensoviele aus wie im Buch erwähnt werden: product placement, Auftragsrezensionen, usw…
    Man möcht ja denken, da Andi und da Gerdschi chillen gelegentlich beim Bier…

    Mir hat das Buch sehr gefallen, auch oder gerade weil ich mich total konzentrieren musste, um die verschiedenen Handlungsfäden zu vernetzen.
    Mal was andres.

  • Kommentar von  david weiss am 29.08.2013 um 10:36 Uhr Uhr

    Sehr geehrter Andreas Hartl,
    Vielen Dank für Ihre prompte, freundliche und faire Antwort auf meinen Kommentar!
    Ich verstehe jetzt Ihren Standpunkt, und ich freue mich, dass Sie umgekehrt meinen respektieren.
    Ich bin der konservativen Ansicht, dass ich ein Buch gelesen haben muss, bevor ich mich (öffentlich) dazu äußere, negativ wie positiv.
    „Mein Kochrezept“, wie eingangs in ihrer Rezension steht, wende ich allerdings nicht erst „nun“ an, sondern ich habe es bereits 2008 in meinem Debutroman angewendet und veröffentlicht, fast zwei Jahre bevor das erste Buch gemeinsam mit Gerd Schilddorfer erschienen ist (siehe wikipedia und/oder amazon).
    Aber ich würde wirklich sehr darum ersuchen, in Zukunft auf direkte Vergleiche des ehemaligen Duos zu verzichten, da es sich beim Kollegen und mir um zwei unabhängige Autoren handelt, die jeder für sich gelesen und beurteilt werden sollten.
    Vielen Dank für den konstruktiven Gedankenaustausch!
    Mit freundlichen Grüßen,
    David G.L. Weiss

  • Kommentar von  Andreas am 28.08.2013 um 14:38 Uhr Uhr

    Sehr geehrter Herr Weiss,
    ich danke Ihnen für Ihren Kommentar.

    Zur zeitlichen Abfolge und zum Vergleich der beiden Bücher möchte ich eines entgegnen: egal, welches Buch ich zuerst gelesen habe – meinen Eindruck und meine Meinung dazu ändert das nicht (warum sollte es auch). Ich verstehe aber, dass Sie dieser Verweis ärgert. Gäbe es nicht die zurückliegende Co-Autorenschaft Schilddorfer-Weiss, dann stünde der Hinweis nicht hier.

    Und dass die gleichen Stilmittel verwendet werden, habe ich nicht behauptet. Ich habe nur die vergleichbaren Handlungs-Zutaten beschrieben.

    Ich darf aber festhalten, dass ich Ihren nächsten Roman mit Sicherheit lesen werde. Und zwar ohne Vormeinung.

  • Kommentar von  david weiss am 28.08.2013 um 14:21 Uhr Uhr

    Sehr geehrter Andreas Hartl,
    Sie veröffentlichen auf ihrem Blog Ihre persönliche Meinung, und die sei Ihnen unbenommen. Wenn Ihnen mein Buch nicht gefallen hat, so ist das zwar bedauerlich, aber unvermeidbar. Der Buchmarkt ist groß, für jeden Gusto ist etwas dabei.
    Die haltlose Verleumdung, ich würde mit versteckten Inseraten ein zusätzliches Einkommen lukrieren, über die sehe ich großzügig hinweg.
    Aber wenn Sie das nächste Mal einen direkten Vergleich wagen sollten, dann müssten Sie schon darauf achten, dass Sie das Buch, das Sie als positives Beispiel direkt mit dem ihrer Meinung schlechteren vergleichen, auch vorher gelesen und rezensiert haben, d.h. es müsste zu einem früheren Zeitpunkt auf ihrem Blog erscheinen und nicht zu einem späteren. Es würde nämlich für denkende Menschen seltsam wirken, ja ein schräges Licht auf Ihre Urteilsfindung werfen, wenn die Bücher in umgekehrter Reihenfolge gelesen und rezensiert worden wären als Sie von Ihnen verglichen werden könnten, im konkreten Fall mit einer ganzen Woche Unterschied.
    Insbesondere, wenn sich beide Bücher der von Ihnen einmal bekrittelten und anderswo belobten Stilmittel bedienen.
    Ich bin der Meinung, Ihre Rezension folgt derselben Tradition, derzufolge sich Beatles- und Rolling Stones-Fans bekriegt haben: Bitte sehen Sie nach, wer das zweite Stones Album geschrieben hat, die Herren McCartney und Lennon…
    Mit freundlichen Grüßen,
    David G.L. Weiss

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