Buchbesprechung/Rezension:

Bernhard Aichner: Brennweite
Ein Bronski Krimi (3)

verfasst am 21.03.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Aichner, Bernhard, Thriller
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

Erich Corga kann sehen. Also, der ganze Satz müsste richtigerweise lauten: Bruder Erich Corga, seit vierzehn Jahren erblindet, kann wieder sehen – ein Wunder ist geschehen! Was aber im heiligen Land Tirol, wo sich das in einem Kloster am Brenner zuträgt, nicht verwunderlich ist, hier ist eben der wahre Platz für Wunder.

Doch zunächst: alles das ist bereits geschehen und auch das, was noch geschehen wird, liegt in der Vergangenheit. Nichts lässt sich also von dem, worüber zu lesen ist, rückgängig machen, so sehr es sich David Bronski auch wünschte.

Ob es wirklich ein Wunder war, das Erich Corga das Augenlicht zurückbrachte oder etwas anderes: das versuchen David Bronski und Svenja Spielmann herauszufinden. Der Pressefotograf und die Reporterin mitten in einer unglaublichen Geschichte – und sie haben die Rechte daran für ihre Zeitung gesichert. Ein, wie es aussieht, Glücksgriff, denn zum ersten Wunder kommt bald noch so etwas wie eine Prophezeiung hinzu. Corga sieht eine Katastrophe voraus, die wenig später tatsächlich eintritt. Mit seiner Vorahnung rettet Corga vielen Menschen das Leben, sein Name ist in aller Munde. Es ist endlich einmal eine gute Nachricht für die Welt, die sonst nur so von schlechten Nachrichten überwältigt wird.

Der Zeitungsverlag bietet alles auf, um die Story möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Zu Svenja und David stoßen noch Anna, David Schwester, die für die Sicherheit Corgas sorgen soll und dafür, dass der nicht von anderen Journalisten gekapert wird; und Judith ist auch dabei, Davids erst vor wenigen Monaten wiedergefundene Tochter, die jetzt die Videos zur Story drehen soll.

Als erste Zweifel am Wunder auftauchen, stehen damit alle Menschen, die David etwas bedeuten, im Brennpunkt.

Wie üblich nehme ich mir bei einem neuen Aichner-Thriller für die folgenden Stunden nichts vor, als ich das Buch zu lesen beginne. Denn die Erfahrung zeigt, dass es nicht möglich sein wird, es wegzulegen, bevor es zu Ende gelesen ist.

Und dann beginnt es beinahe schon beschaulich, David und Svenja endlich mit Zeit füreinander. Nicht lange: dann ist es schon vorbei mit der Gemütlichkeit, denn Bernhard Aichner tritt nach wenigen Seiten ganz vehement aufs Gas.

Neben den Ereignissen um Erich Corga gibt es viel Raum für die privaten Verwicklungen des David Bronski, seine On/Off-Beziehung mit Svenja, seine Sorge um Judith, die er doch gerade erst wiedergefunden hat und Anna, die ihrem Leben eine neue Richtung geben möchte. Privates und Berufliches sind eng verzahnt. Bernhard Aichner findet die genau passende Mischung, die für fesselnde Lesestunden sorgt.

Hinter dem Thriller steckt ein raffiniert vernetztes Skript, zu dessen Details man Schritt für Schritt mit Informationen versorgt wird. Damit erfüllt sich die Erwartung und die Seiten fliegen nur so dahin. Aichners Tempo ist, wie fast immer in seinen Thrillern, unglaublich, wobei ich „Brennweite“ als nicht ganz so rasant empfinde wie die zuletzt erschienenen Romane. Aber die Rasanz reicht natürlich noch immer aus, um – siehe oben – das Buch in einem Zug durchlesen zu wollen/zu müssen.

Wenn das Finale dann etwas abrupt daher kommt und nicht ganz mit der davor immer weiter ansteigenden Spannung mithalten kann, dann ist das vielleicht auch nicht so schlecht; denn noch mehr Aufregung würde die eigenen Nerven vielleicht doch zu sehr strapazieren.




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