Bernhard Aichner: Der Fund

verfasst am 07.10.2019 von | 1 Kommentar
Rubriken: Aichner, Bernhard, Thriller

Rita Dalek musste sterben, das war vorhersehbar. Als sie diesen Fund im Lagerraum des Supermarktes gemacht hatte, reagierte sie wie im Traum, sie tat nicht das, was vernüftige Menschen in so einem Fall vernüftigerweise tun würden. Alles, was nun folgte, hatte sie sich selbst zuzuschreiben.

Bernhard Aichner hat mit „Der Fund“ einen verzweigt gesponnenen Thriller geschrieben. Auf der einen Seite der Weg zum Tod der Rita Dalek und auf der anderen Seite der Polizist, der sich geduldig und unbeirrt daran macht, den oder die Täter zu finden.

Aichner bedient sich in diesem Buch eines etwas anderen Schreibstils als in seinen bisherigen Romanen: etwas ausführlicher, weg von den sonst so typischen knappen, stakkatoartigen Sätzen.

Rita Dalek also: das Schicksal hat ihr übel mitgespielt. Ihre Träume sind allesamt geplatzt und ihre liebsten Menschen sind tot. Sie wollte Schauspielerin werden und hatte schon in der Schauspielschule die erste Hauptrolle; dann wurde sie Krankenschwester, eine der besten, wie man hört; und am Ende ist sie Verkäuferin im Supermarkt und Putzfrau. Ihre Eltern starben in einer Naturkatastrophe und ihr Sohn bei einem Unfall. Geblieben ist ihr nur mehr Manfred, ihr Ehemann, ein Trinker und Spieler.

Dieser Fund im Lager kann – er soll und wird – ihr Leben ändern. Doch Rita gerät schon wieder in eine Spirale des Unglücks und diesmal auch der Gewalt. Dann ist sie tot.

Ein klarer Fall scheint es zu sein, die Spuren deuten ganz eindeutig in eine sehr konkrete Richtung. Doch der dafür zuständige Ermittler gibt sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden: er wird den Fall lösen und dafür zwingt er hartnäckig alle, die Rita kannten, ihm alles zu erzählen, was sie über die Tote wissen. Alles, was geschah, ergibt so Schritt für Schritt ein immer klareres Bild. Doch etwas ist an diesem Mann seltsam, er scheint nicht nur kriminalistisches sondern auch persönliches Interesse an dem Fall zu haben.

Das Buch ist schnell gelesen; wie meistens bei einem Aichner-Roman, konnte ich es einfach nicht weg legen. Doch ist diesmal das Ende der Geschichte schon recht bald vorhersehbar; dabei toll gemacht und so geschrieben, dass man sehr genau versteht, ja quasi sieht, was passiert und was wirklich passiert ist. Wer ein wenig aufpasst, wird schon zu Mitte des Buches beinahe alles über den Ausgang erahnen und am Ende wissen, dass sie/er recht hatte. Das ist ein wenig schade, denn in der zweiten Hälfte des Buches nahm es mit die Spannung, denn ich wollte dann hauptsächlich wissen, ob ich mit meiner Vermutung recht hatte (und: ja!).

Ein gutes Buch, aber kein wirklicher Thriller. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Aichner hier „sanfter“ mit seinen Protagonisten und damit mit uns LeserInnen umgeht. Weniger rasante Spannung, weniger Mord- und Totschlag, mehr Erzählung. Nicht der Thrill steht im Vordergrund, sondern das Netz an Beziehungen, Aus- und Rückblicken und Charakterisierung der Darsteller.

„Der Fund“ ist ein überdurschnittlich gut lesbares Buch. Man findet schnell hinein, bleibt gefangen und wird erst nach dem letzten Satz wieder entlassen. Was an Spannung hier und da fehlt, macht die Freude am Lesen wieder wett.

Aichner emanzipiert sich mit diesem Roman ein Stück von seinem Ruf als Thriller-Autor und lässt sich auf eine Geschichte ein, in der Spannungsroman, Liebesgeschichte, Psychothriller und noch vieles mehr zu einem der wirklich empfehlenswerten Bücher des Herbstes 2019 zusammenfinden.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  lola am 27.11.2019 um 21:33 Uhr Uhr

    habe das buch soeben ausgelesen! fand es richtig gut. nur eine sache ist mir entfallen und sie will mir nicht mehr einfallen. wer war der polizist? ich bilde mir ein, dass im laufe des buches erwähnt wird, wer er ist und es am ende dann plötzlich sinn ergibt.

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