Gerd Schilddorfer, David Weiss : Teufel

verfasst am 04.08.2011 von | 5 Kommentare
Rubriken: Schilddorfer, Gerd, Thriller, Weiss, David

Wie viele Geheimnisse verstecken sich denn noch in der Vergangenheit? Anscheinend genug, damit sich der Historiker Georg Sina und der Journalist Paul Wagner immer wieder in neue Abenteuer stürzen können. Es sind die Aufzeichungen des Balthasar Jauerling, einstmals der geheimnisumwitterte Leiter des Geheimdienstes der Habsburger, die nun dafür sorgen, dass man mit Entsetzen ahnt: die Welt steht wieder einmal am Abgrund (und diesmal sind keine Investmentbanker, Immobiliencrashs oder Rating-Agenturen daran schuld, diesmal ist es nämlich wirklich ernst).

Das Jauerling-Manuskript befand sich über Jahrhunderte in einem versteckten Gewölbe in Wien und wurde im Zuge der letzten Recherchen entdeckt; es ist das Vermächtnis eines Mannes, von dessen Existenz  zu seinen Lebzeiten niemand etwas ahnte, der immer nur den Herrschern direkt verantworlich war. Balthasar Jauerling war der Leiter des „Schwarzen Bureau“ und mit dem, was er damals niederschrieb könnte auch noch heute, lange nach seinem Tod, die Weltordnung aus den Angeln gehoben werden.

Der – nach der Entschlüsselung des Jauerling-Manuskripts – zweite Ausgangspunkt der Handlung befindet sich im kleinen Ort Unterretzbach im Weinviertel. Ein LKW donnert dort in ein Kriegerdenkmal, zwei Statuten werden dabei zertrümmert und geben den etwas grausigen Blick auf zwei wirkliche Leichen frei. Soldaten, die in den letzte Kriegstagen hier getötet und eingemauert wurden. Berner und Burghardt sind Zeugen des Vorfalles, denn besagter LKW war eigentlich gekommen, um den Schutt aus Burghardts neu erworbenem Landhaus abzutransportieren. Nun kommt auch Paul Wagner ins Spiel, denn Berner holt den alten Weggefährten ans Telefon und lockt ihn mit der Geschichte der toten Soldaten auch gleich hinaus ins Weinviertel, ein Reporter kann sich so etwas einfach nicht entgehen lassen.

Ein paar Zutaten fehlen noch: Palästina zur Zeit des Kaisers Tiberius, aus Wasser wird Wein gemacht. Das nördliche Niederösterreich in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges, ein geheimnisvoller Transport, den die SS vor den heranrückenden Russen in die Alpenfestung in Sicherheit bringen will. Ein unauffindbarer Keller im Weinviertel, den Kommissar Berner gemeinsam mit seinem alten Kollegen und Freund Burghardt sucht. Und Georg Sina, der in seiner Burg aus den dicht beschriebenen Blättern, die Jauerling hinterließ, deren wahren Inhalt und die darin liegende Gefahr erkennt. Und noch einmal Georg Sina, als ein Zettel mit seiner Handschrift nach einem Einbruch im Völkerkundemuseum in Wien am Tatort zurück bleibt.

Jetzt ist alles angerichtet und bereit für das dritte Abenteuer von Sina und Wagner, das sie und uns Leser/Innen wieder einmal quer durch die Jahrtausende und halb Europa führen wird – in gewisser Weise ist es eine Fortsetzung des zweiten Bandes „Narr“.

Es ist ein holpriger, man kann fast sagen störrischer Beginn. So als ob sich die Geschichte weigern würde, in Gang zu kommen. Die beiden Autoren gehen dagegen an, indem sie an vielen unterschiedlichen Orten, zu vielen unterschiedlichen Zeiten den Rahmen der Geschichte entstehen lassen. Immer wieder unterbrochen von Rückblicken und Verweisen zum Geschehen in den beiden ersten Büchern „Ewig“ und „Narr“.  Das hüpft dann munter hin und her und hat dabei – leider – ziemlich mit Struktur und Überblick zu kämpfen. Die eingebauten Überraschungen und Zufälle erinnern mich dabei oftmals eher an ein Kinder-Abenteuerbuch als an einen Thriller für Erwachsene – recht plump und an etwas zu langen Haaren herbei gezogen.

Aber gut, nach hundert Seiten soll man die Flinte noch nicht ins Korn werfen, immerhin warten noch mehr als 500 darauf gelesen zu werden. So geht es weiter …

Während sich Sina auf der einen Seite, Wagner, Berner  & Co auf der anderen erst langsam (und vorerst ohne zu wissen, dass sie in Wahrheit an ein und derselben Sache dran sind), an den Kern der Dinge heran arbeiten müssen, sind andere schon weiter und planen ihre entscheidenden Schritte. Der Vatikan und noch ein paar dunkle Geheimbünde setzen alles daran, eine mögliche Entdeckung zu verhindern, die Entdeckung eines Reliktes aus alter Vorzeit.

Etwas, das die Kirche und das Weltbild des Abendlandes aus den Angeln heben kann, muss um jeden Preis im Verborgenen bleiben. So machen sich vorerst unsichtbare Mächte auf, das Geheimnis zu bewahren – Leben oder Tod, ab sofort spielt das keine Rolle mehr. Viele sind schon gestorben, als es um die Wahrung des Geheimnisses ging, viele beim Versuch das verloren Archiv wieder zu finden. 

Nicht kleckern, sondern ordentlich klotzen, damit eine richtige weltumspannende Apokalypse aus dem Dunkel der Vergessen wieder auftauchen kann – damit  schaffen es Schilddorfer & Weiss die Story nach dem mühevollen Beginn  zu einem schwungvollen und auch spannenden Roman zu machen. Mit Ingredienzien wie katholische Kirche, Vatikan, Mossad, SS-Mythologie, Bruderschaften, etc., etc. lassen sich einfach immer wieder herrlich abgründige Verschwörungen konstruieren.

Kleine Einschränkung: ich hatte den Eindruck, dass den beiden Autoren ZU VIEL eingefallen ist, viel zu viel, um es im Rahmen dieses Buches plausibel unter zu bringen. Zu viele Orte, zu viele Zeiten, zu viele Beteiligte, zu viele Geheimnisse – das rastlose und sehr detailreiche Hin und Her zieht sich bis zum Ende durch und manchmal gleitet es dabei für meinen Geschmack in reine Fantasy-Gefilde ab. Und – mit Verlaub – bei der Konstruktion von Geheimnissen, Verschwörungen und Hintergründen ist/sind  Schilddorfer & Weiss mehrmals die Tastatur/die Füllfeder/die Gäule durchgegangen und es kam ein manchmal fast undurchschaubares Geflecht von Unwahrscheinlichkeiten, Theorien und Verbindungen  heraus (nebenbei hat sich sogar auch ein bisserl Da-Vinci-Code ins Buch verirrt).

Trotzdem (oder vielleicht auch deshalb): nach dem nicht so prickelnden Beginn wird es spannender, flotter – das Buch hat etwas und ich konnte nicht aufhören zu lesen. Trotz ein paar Schwächen gelingt es diesem Thriller gut und spannend zu unterhalten. Teufel, Teufel aber auch.

PS: ich bin keine Meteorologie (und möchte auch nicht pingelig sein), aber ein Orkan hat kein Auge, weil er sich ja gar nicht dreht – oder? Das müsste dann ein Wirbelsturm sein. (siehe S.78)



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 5 Kommentare


  • Kommentar von  Feelein am 28.12.2013 um 23:49 Uhr Uhr

    Diese Bücher sind ein netter Versuch, einem Trend für „Lokalkrimis“ gerecht zu werden. Leider ist die Sprache nicht besonders gehoben und so ist mir auch leider schon bald die Luft beim Lesen ausgegangen. Schade. Man könnte aus der Geschichte literarisch viel mehr herausholen.

  • Kommentar von  Albert Meditz am 14.04.2012 um 17:53 Uhr Uhr

    Mir geht es ähnlich wie Hrn. Uhrovcsik; was folgt auf den Titel „teufel“?
    Am Ende des Buches ist von 4 Büchern die Rede; ist hier vielleicht ein vierter Thriller unterwegs?

  • Kommentar von  Peter Uhrovcsik am 19.03.2012 um 09:58 Uhr Uhr

    Habe Narr und Ewig gelesen. Beide Male war ich mitten drinnen im Geschehen. Und bei Teufel geht es mir nicht anders. Ich finde mich bereits bestens auf der Burg Grub und in Paul Wagners umgebauter Remiese zurecht. Mir graut jetzt schon vor dem Ende des Buches. Was dann?? ;-)

  • Kommentar von  Spanring am 06.09.2011 um 10:51 Uhr Uhr

    Hallo, ich wollte darauf hinweisen, dass auf der Seite 347 (Zeile 4) ein Fehler ist – die Donau fließt duch mehrere Länder!!!
    lg

  • Kommentar von  christian hahn am 18.08.2011 um 13:41 Uhr Uhr

    „ewig“,“narr“ und „teufel“ in einem monat gelesen und war begeistert,daran stört mich nur eine kleinigkeit… bei „teufel“ steigt der liebenswerte kardinal bertucci auf seine vespa um in den vatikan zum heiligen vater zu kommen, um hier einzuhaken,ich bin seit jahren begeisterter vespafahrer nur, zitat:“auf den ersten tritt“ ist mir noch keine angesprungen :)
    lg ein fan

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