Wieninger, Manfred: Prinzessin Rauschkind

Wenn man Mark Miert heißt und von Beruf Privatdetektiv in Harland ist, dann hat man vor allem ein Problem: ein leeres Konto samt leerer Brieftasche. Dann muß man, wenn man Miert ist, nach jedem daher gelaufenen Fall greifen wie ein…. , wie ein ….  wie ein Panda nach einem Eukalyptus-Blatt (oder so was in der Art).

Den Ort Harland in Niederösterreich (erinnert mich irgendwie an Hütteldorf, keine Ahnung warum) gibt es nicht, gäbe es ihn, dann läge er aber irgendwo dort in der Gegend von St. Pölten. Ist nicht New York oder Chicago, aber es fühlt sich trotzdem an wie in einem dieser typischen Detektiv-Krimis, wenn Marek Miert dort zu Werke geht.

Den Fall des verschwundenen Lászlo Zsigmund möchte er erst gar nicht übernehmen: ordentliches Honorar schaut keines dabei heraus und den verschwunderen Liebhaber der Ordinationsgehilfin seines Zahnarztes zu suchen, das lässt auch keine besonders spannende Arbeit erwarten und der Umstand, daß diese Ordinationsgehilfin im Zweitberuf auch noch in einer Fischhandlung arbeitet, macht es um Nichts besser.

Dummer Zufall nur, daß Miert trotzdem kurz darauf und unverhofft mitten im Fall drinnen ist, denn am Bahnhof fällt ein Schuß, ein Mann fällt tot um und der sieht aus wie … Lászlo Zsigmund.

Noch dümmer, daß der ehemalige Polizist Miert der Haupt- und einzige Verdächtige ist, den die Polizei zum Verhör bei Oberleutnant Gabloner mitnimmt, obwohl er, ganz ehrlich, rein gar nichts mit dem Mord im Bahnhof zu tun hatte.  Und dann ausgerechnet zu Gabloner, mit dem ihn seit ewigen Zeit eine Hassliebe verbindet. Viel mehr Hass als Liebe.

Kurz und gut: jetzt hat er ihn doch am Hals, den Fall des verschwundenen Lászlo Zsigmund, denn der Tote ist nicht der Verschwundene sondern schaut nur genau wie der aus und Gabloner hilft mit ein paar taktisch geschickt gesetzten Argumenten nach um es für Miert leichter zu machen, sich der Sache anzunehmen, weil ansonsten …. Miert kann sich den Rest gut vorstellen.

Ein wenig skurril fängt es an und in dieser Tonart geht es weiter. Manfred Wieniniger erspart dabei seinem Romanhelden rein gar nichts, der arme Miert muß sich mit jedem Hinterhof-Detektiv-Klischee herumschlagen, das jemals erfunden wurde (und ein paar neue erfindet der Autor gleich dazu). Eine abgewohnte Bruchbude ist seine Heimat und sein Arbeitsplatz, Kontakte mit der Polizei enden oft mit Blutergüssen (bei Miert, nicht bei der Polizei), sein Schreibtisch beherbergt neben unbezahlten Rechungen nur unbezahlte Rechungen und ihm selbst fällt zu allem immer gleich der richtige Spruch ein – oder der falsche, das hängt dann jeweils von seinem Gegenüber ab – was und wieder zu grandiosen Wort- und Satzschöpfungen führt.

Alles zusammen ergibt das eine sehr flotte Geschichte, aus der man sich für passende Gelegenheiten ein paar flapsige Sprüche mitnehmen kann (auch wenn man kein Detektiv ist). Scheinbar nebenbei läuft eine kleine Schiene, die geradewegs durch die sozialen und gesellschaftlichen Untiefen des Stadtlebens führt, nicht dominierend aber immer gerade so weit im Blickfeld, um sie nicht zu vergessen.

PS: den Tip, Prinzessin Rauschkind zu lesen, hab ich von Christian. Danke! War ein guter Tip!!



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