Wieninger, Manfred: Rostige Flügel

Marek Miert und Harland: eine Haßliebe zwischen Fatalismus und Zorn. Eine Stadt am Ende der Welt und ein Detektiv, der es verabscheut, was in dieser Stadt geschieht, sie aber doch nicht verlassen kann – so flüchtet er sich in Sarkasmus und gönnt sich gelegentlich Ausflüge in jene Menschlichkeit, die man dort ansonsten vermisst.

Miert der Gourmet, der neben gutem Essen aber vor allem die übervollen Teller liebt. Miert, der ehemalige Polizist, der in seinem früheren Chef Gabloner auch gleich seinen Lieblingsfeind gefunden hat. Miert, der mitten im miesesten Viertel von Harland wohnt.

Stolz, noch immer der einzige Diskontdetektiv im Ort zu sein, haust und residiert Miert als letzter Mieter, der den Immobilienhaien widersteht in einem verfallenden Haus in Harland, das nur recht selten von KundInnen heimgesucht wird. Es ist daher nur konsequent, daß er nicht mit dem Besuch von Frau Frischauf rechnet, die von der Sorge um ihren Ehemann getrieben unvermutet im Büro/Wohnzimmer steht. Herr Frischauf nämlich recherchiere seit längerem die Vergangenheit Harlands, speziell in der nach 1938, er bekomme seither Drohbriefe, sein Leben sei in Gefahr. Als Frau Frischauf noch mit einigen Hunderten ködert, ist Miert auch schon bald engagiert.

Wenn Miert sich engagiert, dann aber wirklich und umfassend. Herrn Frischauf zu folgen bringt ihn deshalb nicht nur in die entlegenen Winkel der Stadt sondern bald auch – wieder einmal – auf verschlungenen Pfaden, jedenfalls aber unfreiwillig,  ins Büro von Gabloner und von dort geradewegs in die Gefängniszelle. Es verwickelt sich der Fall von Frischauf dem von Stundenhotel in ukrainischer Hand und dem des einsamen Rächers aus dem Waldviertel. Alles zusammen verlangt von Miert die Aufbietung aller seiner Überredungskünste um in Freiheit zu kommen und auch dort zu bleiben.

Kaum Mord- und Totschlag, dafür ein Detetiv, der sich über vieles, das nicht richtig läuft, Gedanken macht, aber nur wenig daran ändern kann. Miert (bzw. Manfred Wieninger) ist wieder einmal der Meister der vergleichenden Wortspiele, zu fast allem fällt ihm ein passenden Gegenstück aus einen gänzlich anderen Themenkreis ein.

Eine triste Welt ist es, in der man in Harland lebt, leben muß, weil es das Schicksal und die Gesellschaft nicht gut mit einem meinen. Miert, seine Klienten und jene, die er bei seiner Arbeit trifft, finden sich samt und sonders an deren äußersten Rand und so bleibt ihnen nur ein Leben voller Sarkasmus und unerfüllter Hoffnungen.

Manfred Wieninger hat hier mehr eine Sozialstudie als einen Krimi geschrieben, aus Miert wird ein Art von  „Herr Karl“ des 21. Jahrhunderts, mit dem Unterschied, dass es bei ihm nicht nur um Raunzen sondern auch um Helfen geht – denn das tut Miert so oft er dazu in der Lage ist.



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