Wieninger, Manfred: Die Rückseite des Mondes

Zu sagen, dass Franz Grassmann auf verlorenem Posten säße wäre nicht wirklich richtig, aber ganz falsch wäre es auch nicht. In Laiden, so etwas wie das niederösterreichische Ende der Welt, hält er bis zu seiner Pensionierung die Stellung für die Polizei.

Grassmanns Pensionierung ist zugleich der letzte Tag des Postens, auf den Grassmann ein paar Jahre zuvor strafversetzt worden war. Danach ist Schluss, Grassmann, der Posten und der gerade noch fahrbereite Dienstwagen werden eingemottet.

In seiner kurzen Zeit als Ortspolizist hatte der mit 38 Dienstjahren  „älteste Gruppeninspektor“ des Landes wenig zu tun gehabt, nur das erhöhte Aufkommen an Ladendiebstählen im neu entstandenen Einkaufszentrum hatte seine Tagesroutine vermehrt unterbrochen.

Der letzte Arbeitstag, ein wenig Enttäuschung darüber, dass sich niemand einfindet um sich von ihm zu verabschieden, danach ein Mal richtig ausschlafen. Am Tag danach bekommt er doch noch so etwas wie ein „Abschiedsgeschenk“ von ein ein paar Bekannten im Ort. Aber das gefällt ihm dann auch nicht so recht.

Manfred Wieninger ohne Marek Miert? Gibts! Hier auf etwas mehr als 60 Seiten. Mit einigen der Miert-Zutaten (eine Stadt im Niedergang, ein paar ziellose Existenzen, ein einsamer Held, etc.) aber Einigem, das anders ist.

Nicht wirklich ein Kriminalfall, der Grassmann da kurz nach dem Ende seiner Berufslaufbahn unterkommt, eher ein bisschen eine Niederösterreich-Ausgabe von Twilight-Zone – aber nur ein ganz kleines bisschen. Und Grassmann ist nicht ganz so ein Parade-Zyniker wie Miert.

Eine kleine, feine Geschichte. Etwas in dieser Art könnte man öfters lesen!



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