Buchbesprechung/Rezension:

Alex Beer: Felix Blom. Der Schatten von Berlin
Ein Felix-Blom-Krimi (2)

Der Schatten von Berlin
verfasst am 05.11.2023 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Beer, Alex
Genre: Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Kommissar Heinrich Schlesinger und sein unwirscher Assistent Kommissar Bruno Harting arbeiten an ihrem ersten gemeinsamen Fall. In einem schäbigen Viertel Berlins liegt die Leiche eines Mannes, den jemand grausam zugerichtet hat. Kein gewöhnlicher Überfall, so wie es aussieht, denn welcher normale Räuber würde sein Opfer so verstümmeln …

Zur selben Zeit kommen Mathilde Voss und Felix Blom endlich zu einem lukrativen Auftrag. Gerade rechtzeitig, denn ihren üblichen Klienten sind meistens zu arm, um ein ordentliches Honorar zu bezahlen. Die beiden sind zusammen das Detektivbüro Voss, erfolgreich bei der Klärung ihrer Fälle, aber dennoch stets von Geldnöten geplagt.

Der neue Fall? Der Sarg eines kürzlich Verstorbenen wurde aufgebrochen, doch anscheinend wurde nichts gestohlen. Zu diesem Zeitpunkt, als die Familie des Toten noch von einer sinnlosen Grabschändung ausgeht, wissen wir Leserinnen und Leser aber schon mehr. Etwas WURDE entwendet, etwas, das so anscheinend begehrt ist, dass es nach dem ersten Diebstahl in kurzer Zeit gleich mehrmals wieder gestohlen wird. Und am Ende dieser Kette an Diebstählen liegt der Tote, den die Kommissare betrachten.

Berlin im Jahr 1879: Kaiser Wilhelm I sitzt auf the Thron und Bismarck ist Reichskanzler. Berlin ist eine Stadt, die rasant wächst. Arm und Reich, Alt und Neu existieren in der Hauptstadt des Kaiserreichen in unmittelbarer Nähe. Das alles kann man auch aus Alex Beers zweitem Felix Blom-Krimi herauslesen. Wie man es von der Autorin gewohnt ist – und nach den vielen großartigen historischen Krimis, die sie bisher veröffentlicht hat, erwartet – beschreibt sie die Atmosphäre der Zeit und die Menschen, die diese Zeit bevölkern, ungemein treffend. 

Der Kriminalfall tut sich schwer, in Fahrt zu kommen. Das liegt auch daran, dass ich die manchmal überraschenden, zum davor geschehenen unpassenden Handlungen der Protagonisten nicht nachvollziehen kann. Mir erscheint die Handlung insgesamt an einigen Stellen zur sehr konstruiert, um dann noch eine neue Wendung einzubauen.

Was die Darstellung des Zeitgeschehens anbelangt, so überzeugt die mich im Gegensatz dazu völlig:
Die sozialen Spannungen, die in dieser Zeit des Aufbruchs entstehen, die permanente Konfrontation zwischen der Polizei und den immer größer werdenden Gangsterbanden und natürlich das Erstarken einer politischen Opposition sind der überaus reale Hintergrund zu diesem Roman. Überdies erfaährt man viel über die gesellschaftlichen Konventionen, über die Rolle der Frauen, was dann in Summe überaus detailreiche Einblicke in die Welt vor rund 150 Jahren verschafft.

Wie Alex Beer im Nachwort beschreibt, übernimmt sie für ihr Buch eine Vielzahl an historischen Details und vermengt diese nahtlos mit der Krimi-Handlung. So als hätten Felix Blom und Mathilde Voss tatsächlich gelebt.

Diese Schilderung der Lebensumstände, der Stadt und der Menschen finde ich wirklich großartig!

In Summe bekommt man, was man sich erhofft hat: einen Roman aus der Feder von Alex Beer, in dem ein fiktiver Kriminalfall wie selbstverständlich in ein historisches Umfeld eingebunden ist, so als wäre das alles wirklich geschehen.




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