Buchbesprechung/Rezension:

Alex Beer: Felix Blom. Der Häftling aus Moabit

verfasst am 11.11.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Beer, Alex, Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

Nach drei Jahren wird der berühmte Dieb Felix Blom aus dem Gefängnis entlassen. Drei Jahre in Moabit zu einer Zeit, als man unter modernem Strafvollzug etwas anderes verstand als im 21. Jahrhundert – nämlich Einzelhaft, an jeden einzelnen Tag.

Man schreibt das Jahr 1878, sieben Jahre seitdem die Deutschen Länder zum Deutschen Kaiserreich vereinigt wurden. Wilhelm I sitzt auf dem Thron und Bismarck ist sein Kanzler. Blom hat Pech, dass er gerade dann entlassen wird, als es in Berlin vor Polizei und Militär nur so wimmelt, nachdem schon zwei Attentate auf den Kaiser verübt worden waren. Eine schlechte Zeit, um sich wieder seiner kriminellen Profession zu widmen, denn eines möchte Blom keinesfalls: wieder ins Gefängnis zurück.

Wieder in Freiheit, muss er sich zuerst darum kümmern, eine feste Wohnung und eine Arbeitsstelle zu finden. Andernfalls – drei Tage hat er dafür Zeit – wandert er geradewegs wieder zurück in den Bau. Sein wirkliches Ziel ist es aber, denjenigen zur Rechenschaft zu ziehen, der ihm eine Falle stellte und damit überhaupt erst dafür sorgte, dass er gefasst und verurteilt wurde.

Eine heruntergekommene Wohnung kann er ergattern, die Sache mit der Arbeit ist schon etwas schwieriger, denn wie kann er das, was er bestens beherrscht, in einem ehrbaren Beruf verwenden? Die Lösung ist dann ganz einfach: als Privatdetektiv! 

Ein wenig erinnert mich dieses Szenario an die 80er-Jahre TV-Serie „Remington Steel“ mit Pierce Brosnan und Cybill Shepaerd, denn das Detektivbüro M. Voss gehört einer Frau und – es ist eben das 19. Jahrhundert – einer Frau traut man so einen Job einfach nicht zu. Blom ist gewandt genug, um die Rolle des männlichen Aushängeschildes der Detektei zu übernahmen.

Berlin vor rund 150 Jahren …

… ist eine Stadt, die Tag für Tag wächst, in der zum Teil noch recht chaotische Zustände herrschen. Gleich mehrere Welten treffen in der Stadt aufeinander, wie Armut und Reichtum, alte Zeiten und Moderne, Verbrechen und Staatsgewalt. Die Stadt kann mit der rasanten Entwicklung kaum mithalten, alles scheint überzuquellen: zu viele Menschen auf zu wenig Raum.

Alex Beer siedelt ihren Roman in dieser unruhigen Zeit an und mischt dabei immer wieder historische Persönlichkeiten, Orte und Ereignisse in die Handlung ein. Darunter ist auch einen historisch belegten Kriminalfall aus dem Jahr 1878, in dem ein Konditorgeselle unter sehr seltsamen Umständen den Tod fand. Man fand damals bei dem jungen Mann eine Nachricht, in der er aufgefordert wurde, seinem Leben binnen einer festgesetzten Frist selbst ein Ende zu setzen.

Im Roman soll Kriminalkommissar Ernst Cronenberg den Fall klären. Der hat zugleich aber auch andere Sorgen, denn wenn nun Felix Blom, den man einst den Schatten von Berlin nannte, wieder in Freiheit ist, dann muss man wohl mit neuen Coups rechnen.

Die dritte Serie von Alex Beer mit historischen Krimis

Die ersten rund hundert Seiten beinhalten auch die oft recht detaillierte Beschreibung der Szenerie. Über Berlin, die Stadt, die Hauptpersonen, jene, mit denen man es wohl auch in den Folgeromanen zu tun haben wird und jene, die nur diesmal eine Rolle spielen. So ist man gleich von Anfang an bestens gerüstet, um Einblick in das Leben in den 1870ern zu haben und Felix Blom und Ernst Cronenberg nehmen, jedenfalls gedanklich, Gestalt an.

Es ist zu Beginn nicht ganz so fesselnd, wie in den tollen Romanen mit August Emmerich oder mit Isaak Rubinstein. Dazu muss man bis zur zweiten Hälfte des Romanes warten. Als nämlich klar wird, dass der Tod des Konditorgesellen kein Einzelfall ist, sondern dass jemand in der Stadt Menschen gezielt dazu bringt, zu sterben. Es tauchen weitere Nachrichten auf, in denen der Tod der Empfänger angekündigt wird.

Je weiter man in die Geschichte hineinliest, desto mehr wird man in die Atmosphäre der Zeit eintauchen, als die alte Zeit verging und die neuen Zeiten in Gesellschaft, Technik und das Verbrechen Einzug hielten. Wenn ich mich in einem Krimi, der in Berlin spielt, nicht ganz so heimisch fühle wie in einem, der in Wien spielt, so beginne ich doch bald, mich mit Felix Blom und seiner Welt anzufreunden. Gut getroffen ist beispielsweise dabei die Beschreibung jener Momente, in denen Blom mit Rückfällen in sein altes, kriminelles Leben zu kämpfen hat. Ob er standhaft bleibt, das wird man beim Lesen erfahren …

Dieser erste Roman mit dem Meisterdieb / Privatdetektiv hat zwar hie und da noch ein paar kleine Anlaufschwierigkeiten, macht aber insgesamt schon Lust auf einen zweiten Roman.




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