Buchbesprechung/Rezension:

Michael Jensen: Blutgold - Syndicat Berlin
Die Brüder Sass Band 1


verfasst am 23.01.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Jensen, Michael, Kriminalromane
LiteraturBlog Bewertung:

Die Zeit nach dem 1. Weltkrieg und während der Weimarer Republik war die Zeit der Sass-Brüder, die mit Einbrüchen zu Berühmtheit gelangten.

Doch der – chronologischen – Reihe nach: der Krieg ist zu Ende und der Kaiser hat das Land verlassen. Was bleibt, ist ein Deutschland, an dem alle möglichen Kräfte zerren. Eine Regierung hat sich zwar installiert, doch von den extremen Rändern des ideologischen Spektrums werden andauernde Angriffe unternommen und geplant, um einen Staat zu etablieren, der den jeweiligen Interessen und Interessengruppen genehm ist. Rechtsstaat und Rechtssicherheit sind Fremdwörter.

Das packt Michael Jensen wirklich sehr anschaulich in seine Erzählung über das Heranwachsen der Sass-Brüder. Max, der Älteste, Franz, der Gescheite, Georg und Erich wachsen in einer Zeit auf, in der die Ganovenlaufbahn für viele oft die einzige Chance ist, zu überleben. Teil dieser Erzählung sind zudem auch historische Persönlichkeiten, wie beispielsweise Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht oder der Dichter Klabund, die allesamt mehr oder weniger wichtige Rollen im Roman zugewiesen bekommen.

Die Ermordung Luxemburgs und Liebknechts durch Mitglieder der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ist auch eines der zentralen Themen, mit denen der Autor die Anarchie beschreibt, die die neu entstandene Republik beherrscht. Im Roman hat diese Tat auch direkten Einfluss auf die Familie der Sass-Brüder. Eine Zeit, in der Gewalt, Mord und Einschüchterung zum Alltag gehörten und ein scheinbar ganz normales Werkzeug durch Durchsetzung von Interessen wurden. 

Weil es eben so eine verworrene Zeit ist, werden ungemein viele Details zu beschreiben, um die Zusammenhänge darzustellen. Das aber macht den Roman von Beginn an sehr sprunghaft und unübersichtlich. So sollte man eine ordentliche Portion Geduld und Ausdauer mitbringen, wenn man sich durch die Seiten arbeitet.

Was nun das Hauptthema des Romanes ist, mag jede Leserin, jeder Leser für sich selbst entscheiden: Eine  Romanbiografie der Sass-Brüder oder ein Roman über die Anfänge der Weimarer Republik – mir persönlich fehlt der durchgehende Faden, es spielt einfach zu viel hinein, um am Ende von diesem Buch wirklich überzeugt zu sein.

PS: über Kommissar Paul Konters Familienverhältnisse bin ich mir nicht ganz im Klaren. Auf Seite 117 hat er einen Bruder, auf Seite 118 ist er Einzelkind …




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