Buchbesprechung/Rezension:

Georges Simenon: Maigret und der Verrückte von Bergerac
Maigrets 16. Fall


verfasst am 15.04.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Simenon, Georges
LiteraturBlog Bewertung:

Maigret auf der Reise: ein paar entspannte Tage in der Dordogne erwartet er sich vom Besuch bei seinem schon pensionierten alten Kollegen Leduc. Es kommt, gar nicht überraschend, anders.

Im Schlafwagen teilt sich Maigret das Abteil mit einem unruhig Schlafenden, der sich während der Fahrt mit einem Mal ankleidet und, während der Zug langsamer wird, zu einer Türe geht und hinausspringt. Maigret war das schon die ganze Nacht davor seltsam vorgekommen. Deshalb ist er auch schon hinterher, sein Koffer bleibt im Abteil zurück. Auch der Kommissar springt aus dem Zug, entdeckt den anderen und wird im nächsten Augenblick von einer Kugel in der Schulter getroffen.

Maigret ist schwer verwundet. Als er später im Krankenhaus aufwacht, sieht er vom Staatsanwalt und Kommissar der Stadt Bergerac verdächtigt, ein lange gesuchter Frauenmörder zu sein. Obwohl er sehr schwach ist und seine Verletzung ihm zu schaffen macht, kann Maigret nicht anders, als sich zu amüsieren.

Der Irrtum ist bald aufgeklärt und Maigret nimmt zum Zweck der Erholung ein Zimmer in einem örtlichen Hotel; Madame Maigret eilt ebenfalls herbei, um ihren Ehemann zu pflegen. Mit Maigrets Anwesenheit und vor allem damit, dass er von seinem Zimmer aus eigenständig ermittelt, hat niemand in der Stadt Freude. Ja, man möchte sogar mit allen Mittel verhindern, dass Maigret sich einmischt.

Maigret, der vom Bett aus ermittelt, Madame Maigret, die herumtelefoniert und vor Ort die Umstände in Augenschein nimmt. Das erinnert mich ein wenig an den Film „Der Knochenjäger“ mit Denzel Washington (vielleicht hatte sich der Drehbuchautor von Simenon inspirieren lassen).

Bei genauem Lesen wird man hier auf eine dunkle Seite Simenons stoßen. Er, wie so viele Zeitgenossen des 20. Jahrhunderts, ist auch geprägt von Antisemitismus. Das Kapitel 7 „Samuel“ ist ein Abschnitt voller antisemitischer Stereotypen, der in älteren Fassungen des Romanes noch weitaus konkreter Klischees und Vorteilen in der Beschreibung von Juden beinhaltete. Es gibt tatsächlich keine Begründung, dass dieser Samuel jüdischer Herkunft ist außer jener, ihm möglichst verwerfliche Eigenschaften zuzuschreiben.

Auch insgesamt ist die Handlung sehr an den Haaren herbeigeholt, womit „Maigret und der Verrückte von Bergerac“ wohl einer der schwächsten Maigrets ist, die ich bisher gelesen habe. Die Lösung des Falles basiert kaum auf Ergebnissen von Ermittlungen, über die man im Roman hätte lesen können, sondern hauptsächlich auf Mutmaßungen, die sich, was für ein Zufall, als real herausstellen. Schnell gelesen und schnell weggeräumt.




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