Buchbesprechung/Rezension:

Robert Schneider: Buch ohne Bedeutung


verfasst am 01.04.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kurzgeschichten, Schneider, Robert
LiteraturBlog Bewertung:

Eine Sammlung von 101 Eineinhalb-Seitern.

Ich stelle mir vor, wie sie entstanden sein mögen: Beim Spaziergang fliegt ein Gedanke vorbei, ein Traum schafft es in Erinnerung zu bleiben, beim Blick auf dem Fenster verharrt man an etwas, das man bisher noch nicht gesehen hatte, mitten im Gespräch fällt ein Wort und man verbindet damit etwas Bestimmtes …

Meistens verliert man das, was nicht gleich notiert, aus der Erinnerung. Robert Schneider hat mitgeschrieben (jedenfalls könnte ich es mir so vorstellen) und es wurden Fabeln, Märchen, Sagen, Gleichnisse und Alltagsgeschichten daraus.

Sehr oft beschreiben diese Kurzgeschichten etwas, dass man so oder nur geringfügig abgewandelt anderswo schon gelesen hat. Manchmal wirkt es auf mich wie der Versuch, einer Banalität einen bedeutsamen Hintergrund verschaffen zu wollen. Gelegentlich ist es aber auch, das darf ich nicht unterschlagen, amüsant, hin und wieder erkennt man einen neuen Blickwinkel auf Altbekanntes.

Robert Schneider arbeitet sich auch an den aktuellen (Alltags-)Problemen der Welt ab. Aber das wirkt auf mich zu oft wie der Versuch, unbedingt etwas dazu sagen zu wollen, aber nicht recht zu wissen, was – oder auch: der Versuch, etwas Bedeutsames beizutragen, was aber meistens scheitert. Dazu liest man Philosophisches, Verrücktes, Skurriles, Politisches, Persönliches, etwas über Kultur, etwas über Umwelt und auch vieles, dessen Sinn sich mir nicht erschließt.

Manches bezieht sich auf Ereignisse, die wir alle kennen, auf zeitgenössisches oder vergangenes Geschehen, manches mag reine Fantasie sein, bei manchen Geschichten bleibt unklar, ob eine reale Story Pate stand.  Viele Geschichten enden mit einer schnellen Wendung, einem unerwarteten Ereignis. Andere enden einfach, weil der Gedanke zu Ende ist.

Somit: ganz viele unterschiedliche Ideen, Träumereien oder Bezüge zu etwas, das man nicht immer erkennen kann. Welchen der Geschichten bei einem selbst etwas zum Klingen bringt, eine Erinnerung hervorruft oder zum Weiterdenken anregt, das wird wohl sehr unterschiedlich sein.

Ein Buch für zwischendurch, denn warum sollte man es in einem Zug durchlesen, wenn man doch immer wieder unterbrechen kann, ohne den Faden zu verlieren.

Und die Sache mit der Bedeutung?
Die Frage nach der Bedeutung (bzw. der Notwendigkeit) dieses Buches stellt sich natürlich, wenn davon schon im Titel die Rede ist. An Kreativität und an der Lust zu Erzählen herrscht bei Robert Schneider wahrlich kein Mangel. Was aber die Bedeutung betrifft, so gebe ich, alles zusammengenommen, dem Buchtitel recht.




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