Buchbesprechung/Rezension:

Georg Markus: Erinnerungen an Gestern
Unbekanntes, Bewegendes, Amüsantes

Erinnerungen an Gestern
verfasst am 15.12.2023 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Markus, Georg
Genre: Geschichte
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Georg Markus wurde mit seinen Büchern über viele Jahre zum Chronisten der kleinen Begebenheiten aus der Vergangenheit unseres Landes. Wie es scheint, gibt es noch immer viele Geschichten darüber zu erzählen und noch immer vieles zu entdecken.

Gleich vorweg: die Auswahl in diesem Buch finde ich wirklich sehr gut gelungen, sie deckt die ganze Palette dessen ab, was Österreich früher war und was uns bis hierher in das Jahr 2023 brachte.

Natürlich, wie kann es anders sein, nehmen Anekdoten und historische Ereignisse über die Habsburgerzeit einen großen Teil ein. Franz Josef und seinem Gspusi mit der Schratt, der Schwester und den Kindern von Kaiserin Elisabeth, dem Testament von Maria Theresia sind Kapitel gewidmet. Dazu einiges über alte Adelsfamilien, deren heute lebenden Nachkommen uns in Film und Fernsehen regelmäßig begegnen.

Zwar nicht adelig, dafür aber vielleicht noch bekannter, sind einige Größen aus der Welt des Theaters und des Filmes, über die es noch immer Neues zu erfahren gibt, ebenso wie über einige Berühmtheiten des Landes, über die im letzten Jahrhundert regelmäßig berichtet wurde. Zu lesen ist, unter anderem, über Fred Adlmüller und Sieghard Rupp, Karl Hohenlohe und Senta Wengraf, den alten Stern und Annie Rosar. In einem Buch mit Geschichten über Österreich dürfen dann natürlich auch Hans Moser, Mozart, Marcel Prawy oder Kronprinz Rudolf nicht fehlen und eine weniger bekannte Seite von Friedrich Torberg kommt zur Sprache. Auch über einstige Berühmtheiten wie Turhay Bey, Hans Kraus  oder Franz Bueb ist zu lesen; Namen, die heute ganz in Vergessenheit geraten sind.

Wenn man viel über Ereignisse liest, an die man gerne erinnert wird, so gehört es aber auch dazu, Momente und Schicksale aus der dunklen Zeit der Diktatur und des Krieges zu beschreiben.

Von ernst bis sehr lustig reicht die Bandbreite der Kapitel. Manches enthüllt auch weniger bekannte und weniger erfreuliche Details über Frauen und Männer, die ihre Spuren in und um Österreich hinterlassen haben, manche Anekdoten sind wirklich witzig und von Georg Markus so erzählt, dass man sich dabei bestens amüsiert.

Bis zum letzten Kapitel liest man sich durch, um dann zu eigentlichen Highlight des Buches zu gelangen: erstmals publizierte Auszüge aus dem Tagebuch von Marie Valerie, der jüngsten Tochter von Franz Joseph und Sisi. Inside Habsburg, könnte man dazu sagen.

Es ist schon bemerkenswert, wie viel Neues aus den Archiven und Nachlässen immer wieder ausgegraben werden kann. Manches davon liefert unbekannte Details zu Ereignissen, die ansonsten weitgehend bekannt sind, manches ist wirklich neu (jedenfalls für mich) und manches frischt eigene Erinnerungen wieder auf.

Es ist dies das dritte Buch aus der schon sehr langen Reihe der “Erinnerungs-Bücher” von Georg Markus, das ich lese. Die sehr gelungene und abwechslungsreiche Auswahl macht es für mich zum bisher interessantesten. Dazu trägt, neben den informativen bis launigen Inhalten, auch bei, dass man über Liebschaften und Erbschaften, über Skandale und lange gehüteten Geheimnisse, über gute und schlechte, heitere und dunkle Zeiten liest. Eine breite Themenauswahl, bei der in keinem Moment Langeweile aufkommt.




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