Buchbesprechung/Rezension:

Luise Maier: Ehern

Ehern
verfasst am 20.03.2023 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Maier, Luise
Genre: Romane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Ida macht mit ihrer Freundin Thelma Urlaub in Tiflis und wird gerade von ihrem Gastgeber aus dem zehnten Stock eines Hochhauses kopfüber aus dem Fenster gehalten.

So beginnt die erste Szene des Buches, das die Autorin in drei Teile gegliedert hat. Die Geschichte wird in wechselnden Szenen geschildert. Es sind zum Teil unschöne, blutige Szenen, aber auch Erlebnisse aus der Kindheit, Urlaubssequenzen, One-Night-Stands oder Träume.

Ida glaubt, an einem transgenerationalen Trauma zu leiden. Aber erst als sie sich in Antoine verliebt, der sie zum ersten Mal etwas Besonderes fühlen lässt, beginnt sie sich für ihre Vergangenheit zu interessieren.

„Ich bin ein Mensch. Ich bin ein Mensch, in mir steckt ein Skelett, meine Wirbel sind aufgefädelt an der Wirbelsäule, mein Herz hat vier Kammern, meine Lunge fünf, mein Kopf wiegt sechs Kilo, in meinem Darm wimmeln eineinhalb Kilo Bakterien, ich habe Fantasien, ich habe Erinnerungen, ich bin schön, ich bin wild, ich bin eine Frau, …, ich habe Narben, Verletzungen und Wunden, innen und außen, und sie machen mich schön und hässlich zugleich, sie machen mich zu der, die ich bin.“

Ida beginnt, die blinden Flecken ihrer Familie zu erkunden. Dabei steht ihre Großmutter Magdalena im Mittelpunkt. Es soll sich bei ihr um eine unangenehme Person gehandelt haben, die auch im Verdacht stand, ihre ältere Schwester Anna verraten zu haben. Anna wurde wegen eines Verhältnisses mit einem französischen Kriegsgefangenen zu einer Haftstrafe verurteilt.

Als später Liebesbriefe des französischen Kriegsgefangenen Raphaël an Magdalena auftauchen, wird die Sache komplizierter.

Mein Fazit:

Der sprachliche Ausdruck und die Wortwahl dieses Buches haben meiner Meinung nach die volle Punktzahl verdient.

Auch die Briefe, die im Buch abgedruckt sind, fand ich sehr glaubwürdig.

Der Einblick in die Familiengeschichte von Ida hat mich ebenso gefesselt. Es findet sich übrigens am Ende des Buches ein Familienstammbaum zur besseren Orientierung. Obwohl alles sehr real wirkt, handelt es sich um eine fiktive Geschichte und alle Personen sind von der Autorin frei erfunden.

Trotz alledem hat mich das Buch persönlich nicht gefesselt und nicht so gut unterhalten, wie ich mir das von einem Roman erhoffe. Die Geschichte wirkte für mich chaotisch und strukturlos und die einzelnen Szenen wechselten sehr schnell. Es gab nicht nur große Sprünge in der Zeit, sondern auch inhaltlich. So war es mir nicht möglich, in die Geschichte einzutauchen. Es fühlte sich ein wenig so an, als würde ich mir einen Film anschauen, der ständig von Werbeeinschaltungen unterbrochen wird.

Das Buch regt aber definitiv zum Nachdenken an. Es vermittelt dem Leser so Einiges über die Zusammenhänge von Vergangenheit und Gegenwart, über den Einfluss unserer Herkunft auf das eigene Leben. Die Geschichte bleibt bis zum Schluss interessant und unvorhersehbar.




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