Buchbesprechung/Rezension:

Stefan Slupetzky: Nichts als Gutes
Grabreden


verfasst am 03.09.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kurzgeschichten, Slupetzky, Stefan
LiteraturBlog Bewertung:

Wie ist dieses Buch wohl entstanden: hatte Stefan Slupetzky die Idee zu einigen skurrilen, amüsanten, traurigen Lebensläufen und dann beschlossen, diese in Form von Grabreden niederzuschreiben? Oder dachte er sich „Einmal ein Buch mit Grabreden wäre nicht schlecht“ und die Geschichten fanden sich dazu?

Egal, wie man es angeht und egal, wie es entstanden ist: dieses kleine, feine Buch beinhaltet eine Menge an sehr lesenswerten Kurzgeschichten über das Leben von Menschen. Diese Geschichten haben nur eines gemeinsam: sie werden im Nachhinein erzählt, keine und keiner der solcherart beschriebenen Personen ist noch am Leben.

Obwohl es auch durchaus Trauriges oder Nachdenklich-Machendes zu lesen ist, so stehen doch die durchwegs originellen Ideen im Vordergrund: wie kann man jemanden würdigen, der nicht mehr ist und, wenn es denn nichts Positives zu Erzählen gibt, wie hält man sich doch mehr oder weniger an die Konvention, jemandem keine schlechte Nachrede zu halten.

Oft nicht einfach, aber – so stellt es sich heraus – die Basis für ein Feuerwerk an Grabreden, die man so oder so ähnlich wohl in der Wirklichkeit kaum zu hören bekommt. Wo hat man denn schon davon gehört, dass ein Redner der da vor ihm sitzenden trauernden Witwe einen Heiratsantrag macht? Öfters mag es hingegen vorkommen, dass jemand eine Rede hält, ohne von dem Menschen um den es geht, etwas aus eigener Erfahrung zu wissen. Manchmal mag es auch geschehen, dass man nur, indem man die Wahrheit über den Verblichenen erzählt, allzu viel enthüllt, was besser vertraulich geblieben wäre.

Manchmal sind die letzten Worte der Dahingegangenen ein erhaltenswerter Nachlass; manchmal aber auch nicht. Und manchmal ist es für die Menschen und die Welt gut, dass die Verstorbenen verstorben sind, weil die Welt mit deren Ableben ein besserer Ort geworden ist.

Klug und heiter: es ist in den Geschichten alles dabei, was auch diejenigen erfreuen würde, die es selbst nicht mehr hören können; und wen es nicht erfreuen würde, hat sich mit Sicherheit nichts Besseres verdient, als eine schlechte Nachred‘ – das Prinzip, immer nur Gutes über die Verstorbenen zu sagen, lässt sich eben nicht immer durchhalten. Slupetzkys Rednerinnen und Redner blicken ins Innere der nun geendeten Leben, sie erzählen über Glücks- und Unglücksfälle, über Erfolge und vertane Chancen, über gute und böse Taten, die eben diese geendeten Leben erfüllten.

Eine wunderbare Sammlung ganz großartiger Erzählungen; nach der auch schon ebenso großartigen Kurzgeschichtensammlung „Atemlos“ aus dem Jahr 2020 bestätigt sich Stefan Slupetzky mit „Nichts als Gutes“ als Primus unter den österreichischen Kurzgeschichten-Verfassern.




Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top