Buchbesprechung/Rezension:

Wolf Haas: Müll


verfasst am 12.03.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Haas, Wolf, Kriminalromane
LiteraturBlog Bewertung:

Wolf Haas eben.  Fast vier Jahre hat er kein Buch. Jetzt Müll.

Seit „Junger Mann“ gab es nichts Neues von Wolf Haas zu lesen, der Botschafter der verkürzten Sätze und Wort-Weglassungen nahm sich Zeit, um dann doch wieder einen Brenner, Simon Brenner.

Auftritt der MA-48er: Es ist ein großer Auftritt der ganzen Truppe, denn auf dem Platz, auf dem sonst nur Müll getrennt wird, wird eine zerteilte Leiche gefunden. Davon kann nicht ein jeder erzählen, dass er so was selbst miterlebt. Den Anfang macht übrigens ein Knie in Wanne 4, was ausgesprochen vorschriftswidrig ist, weil in die Wanne 4 gehört nur Sperrmüll.

Dann Auftritt der Polizei und einer der zwei Kriminaler ist ein alter Kollege vom Brenner. Denn der Brenner, der arbeitet jetzt auch als MA-48er. Schnell ist man sich einig, dass da eine Frau ihnen Mann entsorgt hat, denn es ist ja praktisch immer eine Beziehungstat. Es ist dann aber so: schon am nächsten Tag hat man den Toten identifiziert und herausgefunden, dass auch dessen Frau verschwunden ist. Sackgasse also?

Ja, und dann taucht diese junge Frau, Iris, auf, die schon die ganze Zeit immer wieder praktisch neue Kleidungsstücke entsorgt. Ein paar Tage nach dem Fund der Leichenteile ist sie wieder da und erklärt, dass sie die Tochter von dem Toten ist. Und natürlich auch die Tochter von Magdalena Schall, der verschwundenen Frau, die aber ganz sicher keine Mörderin ist. Dazu, das ist jetzt wirklich interessant, erklärt die Iris Schall dem Brenner, dass man alle Teile vom Vater, dem Franz Schall, gefunden hatte, nur das Herz nicht. Dann werkt da auch noch ein Praktikant vom Mistplatz herum, von dem man später erfährt, dass er Cornelius „Coco“ heißt und der wiederum taucht auch dort auf, wo man, die Polizei ist ja nicht, herausgefunden hat, wie der Tote heißt.

Warum denn alle diese Namen? Nun, vielleicht wird es später noch wichtig, wie jemand heißt.

Das Herz? Vielleicht gestohlen? Also Organmafia?

Vor sehr vielen Jahren war ich bei einer Wolf Haas-Lesung und seit damals habe ich seine Stimme und seine Art zu sprechen immer gleich im Ohr, wenn ich eines seiner Bücher lese. Das vermehrt das Vergnügen, das kann ich sagen. Außerdem ist es dann auch beinahe wie ein innerer Zwang, auch die Buchbesprechung wenigstens ansatzweise im Haas-Stil zu schreiben :-)

Wobei er, der Haas, es in diesem Roman manchmal zu sehr übertreibt mit seinen Verkürzungen, ab und zu wirkt es dann so, als hätte er nichts Originelles gefunden und dann einen Satz per Zufallsgenerator einiger beliebiger Wörter beraubt. Das lässt dann beim Lesen stolpern. Wobei Haas-Erstleser:innen sowieso zuerst einmal durch das Buch stolpern werden – ihnen sei gesagt, dass man sich daran! Und dass es einem dann!

Sieht man von diesen wenigen verunglückten Sätzen ab, bleiben aber einige wirklich grandiose Sprachkonstruktionen übrig, manche Dialoge sind dazu noch reinste Comedy, einfach zum Zerkugeln; also in Wahrheit ist das Buch so, wie man es erhofft und erwartet hat.

Wenn es auch eine Krimihandlung gibt, so ist diese, wie in Wahrheit jede Handlung in einem Wolf Haas-Buch, nur das Vehikel, mit dem die Sprache des Autors transportiert wird. Die ist inzwischen so ein markantes Markenzeichen, dass man auch ohne den Buchumschlag zu kennen, wüsste, wer das alles geschrieben hat. Und das ist auch dieses Besondere, das Wolf Haas auszeichnet: während andere, wenn sie versuchen, die Sprache der Menschen einer bestimmten Gegend wiederzugeben, allzu gerne zu Mundart-Verunstaltungen neigen, hat Haas quasi eine neutrale, überregionale Mundart geschaffen. Man weiß also, dass, wie hier, die Menschen so sprechen, versteht das aber überall.

Und alles zusammen?
Der Haas hat ein Buch und man ist wie immer bestens.




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