Haas, Wolf: Wie die Tiere

verfasst am 19.09.2009 von | 2 Kommentare
Rubriken: Haas, Wolf, Kriminalromane

haas-wie-die-tiereJetzt ist schon wieder was passiert. Du denkst dir sicher, oh mein Gott, jetzt schreibt der Irre schon wieder über diesen Brenner. Da kann ich dich vielleicht ein bisschen trösten, weil so viele Romane vom Wolf Haas sind es eh nicht mehr, praktisch Licht am Ende des Tunnels.Aber jetzt pass auf, weil diesmal wirklich interessant.

Der Brenner ist wieder einmal durch Zufall in eine mörderische Geschichte geraten, sprich Jungfrau und Kind. „Ich persönlich glaube zwar eher, dass es kein Zufall ist, dass diesen Schmarren immer die größten Deppen behaupten.“ Weil der Brenner hat als Kaufhausdetektiv im SoHo, im Souvenier Höllinger in Innsbruck bei einem Gespräch zwischen Kundinnen das Wort Frühpension aufgeschnappt oder vielleicht hat das Wort auch ihn geschnappt, weil losgelassen hat es den Brenner jedenfalls nicht mehr.

Wenn du den Brenner kennst, dann weißt du ja, dass er eigentlich nie so ganz bei der Sache ist und da hat er sich vielleicht gedacht, warum es nicht gleich ganz lassen, quasi Bestimmung. Aber leichter gedacht wie getan, weil wo stellst du so einen Antrag auf Frühpension, da musst du strategisch vorgehen. Tirol natürlich völlig sinnlos, Almwiesen, gesunde Bergluft, Enzian und und und. Da glaubst du fast, die Tiroler Gebietskrankenkasse muss der Pensionsversicherung das Geld aufdrängen, weil sie sonst nicht mehr weiß wohin damit.

Aber Wien schon ganz andere Geschichte und darum hat der Brenner auch den Auftrag in Wien angenommen, damit er da gemeldet ist, also Hauptwohnsitz. Engagiert hat ihn der Nachtclubbesitzer Schmalzl, der dem das „White Dog“ gehört, „ein Mensch mit einem wenig angesehenen Beruf, sagen wir einmal so: Ausbildung in Hamburg genossen.“ Aber nicht dass du allzu schlecht von ihm denkst, weil er hat auch eine Spendenfirma für Tierschutz betrieben.

Am Anfang hat es noch nach normaler Detektivarbeit ausgesehen, aber dann ist es schon ein bisschen dramatisch geworden, sprich Lebensgefahr. Stell dir vor, da hat jemand Hundekekse mit Stecknadeln präpariert und im Augarten eine Reihe von Hunden damit umgebracht. „Zuerst die Susi tot. Dann die Alice tot. Dann der Ralf tot. Dann die Asta-Vanessa tot. Dann die Donna tot. Und dann erst der Mensch tot.“

Hat doch glatt ein Argentino, die Puppi am Schwedenplatz die beste Tierspendensammlerin, die Manu Prodinger totgebissen. Da fragst du dich, was lernen die bloß in der Hundeschule, weil alter Grundsatz: Niemals die Hand beißen, die einen füttert.Aber da muss ich die Puppi schon in Schutz nehmen, weil in die Hand hat sie die Manu eh nicht gebissen, sondern ein bisschen höher, sprich Gurgel.

Aber Augarten sowieso ganz eigenes Thema, weil „Wien Großstadt, zu viele alte Leute mit zu vielen Hunden in den Parks, zu wenig Platz für die Kinder, dann oft bürgerkriegsähnliche Kämpfe zwischen Hundebesitzern und Kinderbesitzern, Hundebesitzer natürlich sehr im Vorteil, weil Hund an der Leine immer bedrohlicher als ein Kleinkind, das noch nicht beißen kann.“

Der Brenner hat es möglicherweise zu spät bemerkt, aber die ganze Geschichte hat sich mehr und mehr zu einem Frauenfall entwickelt. Jetzt warum unterscheide ich bei den Fällen die Geschlechter? Weil „Männerfälle im Prinzip einfach, da hast du einen schönen Mord, der drückt einmal ab und aus, und dann musst du als Detektiv den Burschen eben finden, das ist eine klare Aufgabe. Aber Frauenfall, das fängt oft harmlos an, und bevor du zweimal schaust, steckst du in einer derartigen Katastrophe, dass du nicht mehr weißt, wo hinten und vorne ist.“

Vielleicht war es aber auch die Euphorie, die den Brenner erfasst hat, weil die Untersuchung bei der Amtsärztin wegen der Frühpension auf den ersten Blick gut gelaufen ist. Aber Euphorie und der Brenner kann nicht gut gehen, das ist ein Gegensatzpaar, praktisch Hund und Katz. Und so wie die Euphorie ist dann plötzlich auch die Frau Hartwig, die Leiterin eines Hundeheims im Augarten verschwunden.

Die Hartwig, das solltest du vielleicht noch wissen, wollte nämlich den Flakturm im Augarten zu einem Hundeasyl umbauen lassen. Finanziert hätte das Ganze, das wirst du nie erraten, die Puppi, weil die hat von ihrer verstorbenen Besitzerin einige Millionen geerbt. Und verwaltet hat die Finanzen der Hojac von der Treuhandgesellschaft „Treuhund“.

Also jede Menge Verdächtige, da soll sich einer auskennen und ich muss dir ganz ehrlich sagen, ich habe auch nicht mehr daran geglaubt, dass der Brenner diesen Fall noch löst.

Wolf Haas greift bei „Wie die Tiere“ zum wiederholten Male virtuos in die Tasten. Der Plot ist wunderbar komisch, skurril, schräg, bissig und so was von einem Unikat. Die Gesellschaftskritik erscheint einmal subtil, ein andermal kommt sie mit der Wucht eines Vorschlaghammers daher und alles eingebettet in diese wunderbar geschriebene „gesprochene Sprache“ des Erzählers.

Besonders köstlich ist die Darstellung des Treuhundchefs Hojac. Hier diente kein Geringerer als das BZÖ-Urgesteins Peter Westenthaler als reales Vorbild. Kann man im Zusammenhang mit dem BZÖ überhaupt von Urgestein sprechen? Müsste es da nicht eigentlich Asche heißen? Urasche? Egal, darüber sollen sich der Brenner und der Erzähler den Kopf zerbrechen!



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 2 Kommentare


  • Kommentar von  Sündi am 01.10.2009 um 16:22 Uhr Uhr

    Hallo Elke!

    Der Haas hat dabei eine ganz perfide Strategie angewandt, in dem er die Namensänderung einfach umgedreht hat.
    Weil unser gesetzestreuer Vorzeigeparlamentarier Westenthaler hat nämlich vorher tatsächlich Hojac geheißen und das wäre natürlich in einer strammen Österreichpartei wie der FPÖ („Österreich den Österreichern“) gar nicht gut gekommen.
    Und unser ebenfalls so gesetzestreuer Treuhundchef hat vorher so einen schönen deutschen Namen gehabt, der mir jetzt nicht einfällt und sich dann wegen der Treuhund Hojac genannt. Aber Namen sind bekanntlich Schall und Rauch. Tja, wenn das der Westi gewußt hätte, wäre er vielleicht seinem alten Namen treugeblieben!
    Warst du nicht eben mit Andrea in Prag? Na, dann kennst du dich mit den tschechischen Namen eh‘ aus.

    LG, Sü.

  • Kommentar von  Elke am 30.09.2009 um 19:18 Uhr Uhr

    Peter Westenthaler und Hojac ist ein gewagter Vergleich ;o)
    Aber doch, ja… stimmt… irgendwie leuchtet das ein!

Einen Kommentar hinterlassen

* erforderlich. Beachten Sie bitte die Datenschutzerklärung


Top