Buchbesprechung/Rezension:

Emile Gaboriau: Die Affäre Lerouge

Die Affäre Lerouge
verfasst am 03.06.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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160 Jahre ist dieser Kriminalroman bereits alt und wirkt mit seiner Grundidee und seinem Spannungsbogen doch moderner als viele Krimis unserer Gegenwart.

„Die Affäre Lerouge“ wird als einer der ersten richtigen Kriminalromane bezeichnet. Der Autor Emile Gaboriau schuf mit seinem Roman eine Art Vorlage für viele weitere Krimiklassiker, die nachfolgten.

Eine Figur aus dem Roman wirkt tatsächlich wie das Urmodell berühmter Ermittler: Monsieur Tabaret ist ein älterer Herr, dem man seine Kombinationsgabe und seinen wachen Geist auf den ersten Blick so gar nicht ansieht. Als er auf Wunsch von Inspektor Lecoq am Ort des Verbrechens erscheint, sind der Kriminalkommissar und der Untersuchungsrichter so gar nicht begeistert. 

Denn was soll dieser Mann denn schon zur Auflösung des Falles beitragen?

Der Fall, das ist der Tod der Witwe Lerouge. Die alte Dame wurde in ihrem Haus ermordet. Ein simpler Fall, der sich nach ein paar Fragen in der Nachbarschaft einfach wird lösen lassen? Jedenfalls analysiert Monsieur Tabaret scharfsinnig die Spuren und präsentiert schon bald einen logischen Ablauf des Geschehens. Damit scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis der Täter dingfest gemacht wird.

Doch ganz so simpel ist es nicht, denn auch Monsieur Tabaret könnte sich irren. Hat er am Ende gar den falschen Mann als Täter identifiziert? Es folgt eine Ermittlung voller Überraschungen und vermeintlich deutlicher Spuren, während der ein Unrecht aus Tageslicht kommt, das schon einige Jahrzehnte zurückliegt. Was jetzt geschehen ist, ist ganz unzweifelhaft die Folge davon – nur die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen erweist sich als nicht einfach, denn einer der Beteiligten spielt ein überaus raffiniertes Spiel mit falschen Hinweisen.

Der Roman ist für mich eine überaus positive Überraschung.

Da ist einmal die aus dem Jahr 1972 stammende Übersetzung ins Deutsche, die viel von der Atmosphäre, den Umgangsformen und dem Charakter der Polizeiarbeit der 1860er-Jahre vermittelt. Dazu der überaus gelungene Spannungsaufbau, der sich – wie auch im Nachwort beschrieben – aus der ursprünglichen Erscheinungsform als Fortsetzungsroman ergibt. Das Ende jedes Kapitels musste die Leserschaft so sehr fesseln, dass sie auch die nächste Ausgabe kaufte. Es ist also nicht nur zum Ende zu, sondern auch von Kapitel zu Kapitel spannend.

Die Story selbst ist raffiniert aufgebaut; auch wenn man selbst versucht, die Lösung zu erahnen, so wird man doch immer wieder schwankend werden, ob es denn nun wirklich so ausgehen könnte. Jede Wendung scheint ganz logisch zu sein, auch wenn sie doch ein anderes Ende erwarten lässt

Zum Schluss noch die Figur des Monsieur Tabaret, in dem man schon Wesenszüge einiger seiner später in die Krimiwelt eintretenden berühmten Detektive wie Sherlock Holmes oder Hercule Poirot erkennen kann.

Zusammengefasst:

Für Fans klassischer Kriminalromane ist „Die Affäre Leroge“ eine eindeutige Empfehlung wenn nicht sogar ein unbedingtes Muss!




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