Buchbesprechung/Rezension:

Deon Meyer: Der Tag des Skorpions
Ein Bennie-Griessel-Thriller (10)

Der Tag des Skorpions
verfasst am 27.05.2026 | einen Kommentar hinterlassen

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Gleich vorweg: „Der Tag des Skorpions“ ist ein Thriller, der weniger auf spektakuläre Action dafür mehr auf beharrliche Ermittlungsarbeit setzt. Und gerade darin findet sich die Spannung dieses Romans.

Denn diesmal stehen Vaughn Cupido und Bennie Griessel gleich vor zwei Fällen, die zunächst kaum greifbar erscheinen: ein Mord und eine Brandstiftung – und in beiden Fällen verlieren sich die wenigen vorhandenen Spuren bald im Nichts.

Die Ermittlungen verlaufen deshalb nicht entlang klarer Hinweise oder genialer Geistesblitze, sondern über mühsame Polizeiarbeit. Cupido und Griessel müssen sich durchfragen, an Türen klingeln, Gesprächspartner aufsuchen und immer wieder feststellen, dass sich eine vermeintlich heiße Spur kurz darauf doch wieder als Sackgasse entpuppt. Genau diese zähe, oft frustrierende Suche nach Zusammenhängen macht den Roman glaubwürdig. Meyer zeichnet Polizeiarbeit nicht als glamouröse Jagd, sondern als mühevollen Prozess, bei dem Geduld und Erfahrung wichtiger sind als spektakuläre Methoden.

Dabei gelingt es ihm, die Spannung kontinuierlich zu steigern. Denn im Hintergrund läuft bereits der Countdown zu einem Treffen der BRICS-Staaten in Südafrika. Je näher dieses politische Großereignis rückt, desto größer wird der Druck auf die Ermittler. Ein Hinweis deutet nämlich darauf hin, dass ein Attentat geplant sein könnte. Sobald die internationalen Vertreter zusammentreffen, könnte es zu spät sein. Dadurch erhalten selbst scheinbar belanglose Gespräche und kleine Hinweise plötzlich ein enormes Gewicht; denn was wäre, wenn es während des Treffens tatsächlich zu einem erfolgreichen Attentat kommen würde? 

Wie in vielen seiner Romane verbindet Meyer auch diesmal die Kriminalhandlung eng mit der politischen und gesellschaftlichen Situation Südafrikas. Dabei geht es nicht nur um die Themen, die man willkürlich mit Südafrika verbindet, wie Korruption oder Machtstrukturen. Es geht auch um grundsätzliche moralische Fragen.

Der Roman stellt die Überlegung in den Raum, wie weit ein demokratischer Staat in seinen außenpolitischen Beziehungen gehen darf. Ist es angemessen, enge Partnerschaften mit Staaten zu pflegen, in denen Menschenrechte missachtet werden und Gewalt ein selbstverständliches Mittel staatlicher Interessenpolitik darstellt? Betrachtet man die Zusammensetzung der BRICS-Vereinigung, sieht, wer dort am Tisch sitzt, dann wirkt diese Frage alles andere als theoretisch.

Meyer formuliert diese Kritik jedoch nicht belehrend. Vielmehr lässt er unterschiedliche Sichtweisen aufeinanderprallen und bindet politische Diskussionen organisch in die Handlung ein. Dadurch bleibt der Roman auch dort spannend, wo es um gesellschaftliche und moralische Themen geht.

Ebenso eindringlich ist eine weitere Frage, die mit Fortdauer der Handlung immer deutlicher wird: Wie weit darf jemand gehen, wenn das Rechtssystem versagt? Wann wird aus nachvollziehbarer Wut Selbstjustiz? Und kann persönliches Leid ein Recht auf Rache begründen? Meyer liefert darauf keine einfachen Antworten. Gerade dadurch gewinnen viele Figuren an Tiefe, weil ihre Motive nachvollziehbar bleiben, auch wenn ihre Entscheidungen problematisch sind.

Neben der inhaltlichen Ebene sind natürlich auch die beiden Hauptfiguren Garanten für einen gelungenen Roman. Bennie Griessel wirkt erneut als erfahrener Ermittler mit Ecken und Kanten, während Vaughn Cupido mit seiner direkteren und oft emotionalen Art für Dynamik sorgt. Die Dialoge zwischen den beiden bringen immer wieder trockenen Humor in die Handlung und verhindern insgesamt, dass der Roman zu pessimistisch wirkt.

„Der Tag des Skorpions“ ist also, alles zusammen genommen, mehr als ein klassischer Krimi. Der Roman verbindet die detailgenaue Beschreibung präziser Ermittlungsarbeit mit politischen Fragen und moralischen Grauzonen.

Gerade weil die Fälle zunächst kaum greifbar sind und sich Hinweise immer wieder auflösen, entsteht eine Spannung, die bis zum Ende anhält. „Der Tag des Skorpions“ ist ein Thriller, der nicht nur fesselt, sondern ein wenig auch zum Nachdenken über Recht, Verantwortung und politische Moral motiviert.

Typisch Deon Meyer eben!




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