Haas, Wolf: Silentium!

verfasst am 02.04.2009 von | 5 Kommentare
Rubriken: Haas, Wolf, Kriminalromane

Irgendwie habe ich mich ein schon bisschen gewundert, dass noch niemand einen der „Kultromane“ von Wolf Haas besprochen hat.  Natürlich ist mir klar, man liebt ihn oder man hasst ihn, dazwischen gibt es nichts, aber das ihn gleich alle hassen. Da ich zu Ersteren gehöre, fühle ich mich jetzt irgendwie berufen euch den Privatdetektiv Simon Brenner vorzustellen.

Privatdetektiv Brenner, ein eher unsympathischer Antiheld, wird nach Salzburg gerufen, um im katholischen Internat „Marianum“ Beweise für die untadelige Vergangenheit eines ehemaligen Lehrers und jetzigen Bischofskandidaten zu finden. Ein früherer Internatsschüler hat ihn sexueller Übergriffe bezichtigt und da denkt man natürlich unweigerlich an die Affäre Groer, Hygieneunterricht you know.

Die Auftraggeber sind fast erleichtert, als der ehemalige Zögling, Schwiegersohn des Vizefestspielpräsidenten, als zerstückelte Leiche aufgefunden wird. Günstig, dass sich in der Nähe des Fundortes auch ein Landstreicher erhängt hat, damit scheint der Fall gelöst. Aber Brenner glaubt nicht daran, dass sich der Mörder von Reue und Gewissensbissen überwältigt, selbst gerichtet hat.

Und wie recht er doch behält! Weil kurz darauf passiert schon der nächste höchst unappetitliche Todesfall!

Die Sprache und der Stil von Haas-Romanen triefen nur so vor Andeutungen und Wortspielen. Gerne lässt er die Verben weg, schreckt vor derber Ausdrucksweise nicht zurück und spricht seine Leser direkt an und das nicht immer freundlich. „…oder sagen wir Afrika unten, wo sie die Kondome lieber aufsparen als Willkommensluftballone für den nächsten Papstbesuch.“

Geschmacklosigkeiten gehören zum guten Ton und selten findet man seine Leichen in einem Stück, also nicht unbedingt eine Lektüre für die besonders Zartbesaiteten unter uns.

Haas spart nicht mit Anspielungen und Seitenhieben, ach was sage ich, es sind gewaltige Hiebe auf die Kirche oder die Salzburger Festspiele. Generelle Sozialkritik ist das Fundament, auf dem der Autor die skurille Geschichte aufbaut und er liebt es besonders, bissig und boshaft zu sein. „… der Herr Primar will endlich einmal persönlich das Erbrochene von seiner alkoholkranken Frau wegputzen, praktisch das Leben wieder ganz spüren.“

Der Stil von Wolf Haas ist sicher gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich einmal eingelesen hat, fürchtet man sich ein bisschen, wenn das Buch ausgelesen ist.

„Komm süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ wurden bereits mit Josef Hader in der Hauptrolle verfilmt und dies sehr gelungen, wie ich finde. Aber das liegt wahrscheinlich daran, das Haas und Hader an den Drehbüchern mitgeschrieben haben.  Aber wie gesagt, ein bisschen grauslich ist das alles schon!

 



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 5 Kommentare


  • Kommentar von  elke am 15.02.2010 um 18:02 Uhr Uhr

    Liebe LeserInnen,
    oh heiliger Strohsack! (weiß jetzt gerade nicht, worauf ich die betonung legen soll, auf heilig, Stroh oder Sack)??
    Nicht weil Fasching ist und ich so lustig drauf bin…
    Ich sorg schon mal für Vorrat, weil wenn es jemals wieder zu einem Verbot von Veröffentlichungen oder Buchverbrennung kommen sollte, ich möchte meinen Kindern und Enkel und Urenkel… diese Bücher keinesfalls vorenthalten!!!
    Und lieber Simon: versuchs mal mit ein bissl Toleranz und das Leben ein wenig mit Humor!!! Liegrü

  • Kommentar von  Klinger C. am 02.02.2010 um 13:08 Uhr Uhr

    Lieber Sündi!

    Dass europa im jahr 2010 die wiege von aufklärung und philosophie sein soll, wage ich zu bezweifeln ;-)) aber sonst geb ich dir recht.
    Es kann natürlich auch sein, dass es sich bei dem statement von Simon B (der vielleicht mit Bela B verwandt ist?) um ein gefaktes Post des Verlags handelt, weil:
    Ist ein Buch erst mal verboten, verkauft es sich unter dem ladentisch noch besser, schon mal darüber nachgedacht?
    mit nicht ganz ernsten grüßen aus wien
    Christian

  • Kommentar von  Sündi am 02.02.2010 um 12:01 Uhr Uhr

    lieber simon b.!

    tja, bei wolf haas scheiden sich die geister, man/frau liebt ihn oder lehnt ihn ab, zwischenpositionen sind schwierig.
    was ich allerdings nicht akzeptieren kann ist der standpunkt, dass ein buch verboten gehört.

    die zeit wo dies bei uns möglich war ist gottlob (womit wir wieder beim thema von „silentium“ wären) vorbei.
    in österreich herrscht gedanken-, meinungs- und künstlerische freiheit und so soll es auch bleiben.
    die grenzziehung was erlaubt ist und was zu weit geht wird ohnehin durch das strafrecht vorgenommen.

    die katholische kirche führt immer noch einen index mit verbotenen büchern, in unseren östlichen nachbarländern mussten alternative, nichtsystemkonforme dichter, denker und musiker vor noch nicht allzu langer zeit auf informelle kanäle, den sogenannten „samisdat“ zurückgreifen, um ihre gedanken und gefühle mitteilen zu können.

    oftmals endete dies mit gefängnis, manchmal mit dem tod und im angesicht des todes ist alles andere lächerlich.
    folglich finde ich es lächerlich in österreich im jahr 2010 das verbot eines buches zu fordern!
    das muss eine demokratie locker aushalten!

    ich halts ja auch aus, wenn der windischgarsten pfarrer jede naturkatastrophe als strafe gottes interpretiert und fordere nicht, ihm endlich die stimmbänder zu durchtrennen oder publikationsverbot zu verhängen.

    lg aus europa im jahr 2010, der wiege von aufklärung und philosophie.

  • Kommentar von  simon b. am 01.02.2010 um 13:51 Uhr Uhr

    hallo!
    ich finde das Buch nicht empfehlenswert, da
    ich mit dem komischen Schreibstil nicht einverstanden bin.
    Ich find das Buch gehört verboten.
    glg. Simon B.

  • Kommentar von  Elke am 04.04.2009 um 19:47 Uhr Uhr

    Hallo, Wolf Haas, genialer Schriftsteller. Der schwarze Humor in Silentium! ist sehr erheiternd. Hab gerade den Knochenmann im Kino gesehen! Manchmal ärgern mich ja die Filme, die zerstören meist meine eigenen Bilder der Protagonisten und die Geschichte an sich. Aber eigentlich sind beide Bücher und beide Verfilmungen super!

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