Haas, Wolf: Auferstehung der Toten

verfasst am 15.09.2009 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Haas, Wolf, Kriminalromane

haas-auferstehung-der-totenJetzt musst du dir vorstellen, habe ich den neuen Brenner gelesen und weiß gar nicht mehr, wie der Brenner eigentlich damals Privatdetektiv geworden ist, sprich wie alles begann. Und begonnen hat alles in Zell am See, wo nicht nur die Uhren langsamer ticken, sondern auch noch die Morde schön gemütlich ablaufen. In Zell wird man nicht erschossen oder erstochen, obwohl es ein Waffengeschäft gibt, sondern einfach tiefgefroren. Im Winter ist es im Pinzgau kalt, frage nicht und da brauchst du für einen Mord keine Tiefkühltruhe, da genügt schon ein Sessellift und du wirst zum Mörder, genauer Doppelmörder.

Gefunden hat die beiden Leichen der Lift Lois, eigentlich der Herr Feuerwehrkommandant Alois Mitteregger, als er die Liftanlage für den neuen Schitag in Betrieb nehmen wollte. Nicht das du jetzt zu sehr erschreckst, aber die Opfer waren die Parsons, die steinreichen amerikanischen Schwiegereltern vom Vergolder Antretter, dem halb Zell gehört. Den Parsons hat zwar nicht halb Amerika gehört, trotzdem sehr reich, mehr schon in Richtung Stein. Und alt auch so. Die Polizei hat den ganzen Jänner ermittelt aber nichts herausgefunden, praktisch Spuren im Schnee verlaufen.

Wie dann auch noch der neue Chef vom Brenner, der Nemec, die Ermittlungspannen auf den Brenner geschoben hat, hat es ihm endgültig gereicht und er hat gekündigt. Da muss ich schon sagen, Hut ab vor dem Brenner, weil wenn du heute 44 Jahre alt bist, 19 Jahre bei der Polizei, ist das nicht so ohne, weil was machst du nachher, sprich Risiko. Da findest du dich dann im nichtkriminellen Leben vielleicht gar nicht mehr zurecht.

Aber da wieder Glück für den Brenner, weil die amerikanische Versicherungsgesellschaft von den Parsons wollte nichts unversucht lassen, sprich Klarheit und da war der Brenner natürlich genau richtig, praktisch Insider.

Ja, so ist der Brenner Privatdetektiv geworden und heute muss ich schon sagen, wären manche Friedhöfe in Österreich nicht so voll belegt, wenn er nach der Polizei was anderes gemacht hätte, sagen wir zum Beispiel Krankenpfleger. Und der Brenner ist schon seit Februar in Zell und jetzt haben wir September und immer noch keinen Mörder. Verdächtige ja, aber keinen Mörder!

Der Vergolder Antretter und sein Neffe Lorenz wurden verdächtigt, aber gegenseitig Alibi, also nichts zu machen. Die „Heidnische Kirche“ wurde verdächtigt, weil die hat Drohbriefe geschrieben, wo sie verlangt hat den Schitourismus in Zell einzustellen, ansonsten werden die Staudämme oberhalb des Ortes gesprengt, praktisch Pinzgauer Al Kaida. In der „Pinzgauer Post“ hat der Brenner gelesen, dass von den Konten der Parsons vor kurzem über hunderttausend Schilling abgehoben wurden, sprich Auferstehung der Toten. Jetzt hat der Brenner jede Woche einen Bericht für das Detektivbüro Meierling geschrieben, aber gelesen hat ihn keiner mehr.

Da siehst du wieder das das Sprichwort mit dem „aufgegeben wird nur ein Brief“ gar nicht stimmt, weil auch Kriminalfall, sprich Ausnahme. Und so eine Ausnahme ist der Brenner auch gewesen und das in jeder Hinsicht. Weil den Mord hätte kein Mensch mehr aufklären können, aber der Brenner hat es trotzdem getan. Weil, ob du es glaubst oder nicht, der Brenner ist noch langsamer und noch sturer gewesen, wie die Zeller Bevölkerung, sprich Provinzlerquadratur.

Langsam beim Denken, beim Konzentrieren, beim Schauen, beim Gehen und und und.

Aber genau das ist ja dann dem Mörder zum Verhängnis geworden. Mein lieber Schwan, was da alles passiert in den paar Septembertagen. Eine Shell-Tankstelle gerät in Brand und explodiert, praktisch Atombombe. Und einer der Tankstellentoten ist plötzlich auch wieder da, obwohl noch gar nicht Ostern war.

Man merkt im Vergleich mit den späteren Werken, dass Haas noch die richtige Position des Erzählers in der Geschichte sucht. Aber der Brenner, der ist schon ganz der Brenner mit seinen Stärken, aber vor allem eher Schwächen, quasi Urgestein. Man muss ihm einfach beistehen dem Brenner, weil er sich manchmal selbst so furchtbar anstrengend ist.

Wolf Haas schreibt so wunderbar komisch, unerreicht schräg und so hintergründig böse, wie es zurzeit kein anderer deutscher Krimi-Autor in die Tasten bringt.Wie in allen anderen Brenner-Krimis regiert sein charakteristischen Erzählstil: Sätze kommen häufig ohne Verb aus, Assoziationen werden geschickt provoziert, indem sie sich schon Seiten vorher langsam ankündigen und schließlich immer mehr verdichten. Das hat schon Klasse. Spannend sind die Bücher obendrein. Mehr kann man eigentlich nicht verlangen.



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