Edith Kneifl (Hrsg.): Tatort Kaffeehaus

verfasst am 06.09.2011 von | 1 Kommentar
Rubriken: Kneifl, Edith, Kriminalromane, Kurzgeschichten

Die Menge der wirklich guten österreichischen KrimiautorInnen ist mittlerweile ja schon unüberschaubar geworden. Es sind so viele, dass sich immer wieder einige von ihnen für eine Anthologie zusammen finden, aber nie alle in einem Buch Platz finden. Diesmal sind es 13 (!) Geschichten rund rund um und über das Wiener Kaffeehaus, in dem gar merkwürdige Dinge geschehen.

Dabei hat der Falter Verlag seine ‚Verantwortung‘ als Wiener Verlag sehr ernst genommen und liefert zu jedem Tatort (sprich: Kaffeehaus) auch gleich die Daten aus der Wirklichkeit mit (und ja, viele findet man natürlich im Internet). Denn die Geschichten spielen allesamt in Kaffeehäusern, die es wirklich gibt. Man kann also anhand des Buches alles selbst begehen und findet dabei vielleicht noch die eine oder andere Spur der Verbrechen (allerdings sollte man sich dabei kein Beispiel an Raoul Biltgen nehmen). In vielen dieser Lokale bin ich früher (als Wien noch meine Heimatstadt war) selbst gesessen, muss aber gestehen, dass mir niemals aufgefallen ist, was dort so alles passiert.

Edith Kneifl fungiert als Herausgeberin und steuert auch eine Geschichte bei, neben ihr finden sich so wohlklingende Namen wie Amaryllis Sommerer, Claudia Rossbacher, Stefan Slupetzky, Gerhard Loibelsberger, Raoul Biltgen, Manfred Wieninger, Sabina Naber, Helga Anderle, Eva Rossmann, Andreas P. Pittler, Thomas Askan Vierich und Lisa Lercher.

Es geht also um die Wiener Kaffeehäuser und genau so unterschiedlich wie diese sind, so unterschiedlich sind auch die Geschichten, die vor diesem Hintergrund entstanden sind. Einige der Geschichten fand ich großartig, andere noch immer gut.

Meine 5 Favoriten aus diesen 13 Kurzkrimis sind:

Stefan Slupetzky: Halsknacker.
Eine Kurzgeschichte, zu der wir ihn Kürze hier im Literaturblog noch mehr werden lesen können.

Raoul Biltgen: Liebe Katharina Kafka.
Über einen Mann, der ein Buch las und dabei etwas nicht ganz verstand.

Manfred Wieninger: Dein Tod in meinen Augen
Wenn man vor lauter Schnapsen nicht zur Frau seiner Träume kommen kann, dann kommen einem mitunter ganz eigenartige Träume.

Andreas Pittler: Gruppenbild mit Leiche
So muss es damals wohl gewesen, als all die legendären Wiener Kaffeehaus-Literaten im Central gesessen sind und über alles und noch mehr Streitgespräche führten.

Lisa Lercher: Eigentor
Der Wiener Kaffeehaus-Oberkellner, typischerweise mit Namen Franz, ist oft ein etwas unfreundlicher, mürrischer Zeitgenosse. Manchmal aber schimmert sein goldendes Wienerherz durch.

PS: ein durchgehendes Thema bei praktisch allen Geschichten ist natürlich eine Sache, die quasi an den Grundfesten der Wiener Kaffeehäusern rüttelt: das Rauchverbot in Lokalen  (man stelle sich vor, es hätte immer schon so etwas gegeben – wo käme denn dann die ganze Patina an den Wänden her?). Zugeben muss ich, dass ich da zwischendurch auch Gusto auf eine Zigarette bekam – davon kommt man anscheinend nie ganz weg.


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  • Kommentar von  sophia meingast am 20.09.2013 um 07:40 Uhr Uhr

    das muss ich mir kaufen. erinnert mich total an die kaffeehaus krimi reihe, die immer wieder in wien in den kaffeehäusern gelesen wird. habe einmal mein erstes kundentreffen (okay, das war eine ausnahme, aber hat gepasst) anstatt im office bei so einer kriminacht abgehalten.. also davor mit dem zuckerl danach.. ist super angekommen!

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