Edith Kneifl (Hrsg.): Tatort Friedhof
13 Kriminalgeschichten aus Wien

Wenn man sich denkt, dort ist sowieso schon alles vorbei, dort kann nichts mehr passieren – dann, schwupp, ist es doch passiert:  zwischen Grabsteinen geschehen die unglaublichsten Dinge, vor allem dann, wenn man sich auf einem Friedhof in Wien befindet.

Man sollte an solch einem Ort nur nicht das Schicksal herausfordern. Wer das nicht glaubt, vielleicht denkt, das ist jetzt eine von diesem Horrogeschichten mit Zombies oder so, die/der wird nach der Lektüre der 13 Kriminalgeschichten in diesem Buch wahrscheinlich ganz anderes denken  (Uhh, der Nebel zieht auf und mir wird schon ganz kalt….).

Wenn einer eine Reihe tut: so oder so ähnlich heisst doch das Sprichwort? Wenn also der Falter eine Reihe tut, dann finden die Leute vom Verlag gemeinsam mit Edith Kneifl immer wieder neue (Tat)Orte, an denen sich ein Verbrechen gut inszenieren lässt. Und es finden sich auch immer wieder neue Autorinnen, die sich am grausigen Treiben sichtlich genussvoll beteiligen möchten.

Pünktlich zu Halloween 2012, dem Fest aller Iren und US-Amerikaner, kommt nun Nr. 4 der Reihe heraus.

Noch mehr als die 3 bisherigen Anthologien bietet diese eine breite Palette für Krimi-Liebhaber. Ob im Heute, im Gestern oder vielleicht sogar im Morgen; leicht ironisch oder toternst;  unheimlich oder humorvoll. Da ist, ich bin mir sicher, für jeden Geschmack etwas dabei. Selten zuvor habe ich eine Anthologie gelesen, die so Unterschiedliches beinhaltet.

Jedoch: bei all den Unterschieden fällt eine vorherrschende Gemeinsamkeit auf: sehr oft ist die Geschichte aus der Sicht einer „Ich Erzählerin“ /eines „Ich-Erzählers“ geschrieben. Ganz so, also ob ein Mord auf dem Friedhof eine höchstpersönliche Angelegenheit wäre, die man niemand anders erzählen lassen möchte – schon aus Gründen der Diskretion.

Der Bonus bei „Tatort Friedhof“: wieder ein paar neue AutorInnen kennengelernt, deren künftige Veröffentlichungen man sich auf jeden Fall ansehen sollte. 

Es folgen meine ganz persönlichen Best Of:

Jaqueline Gillespie: Es steht zum Besten
Die Donaumonarchie steht zwar am Anfang ihres Endes, aber was ein richtiger Baron ist, findet immer den passenden Weg, sein gesellschaftliches Ansehen zu wahren.

Inge Gampl: Letzter Wille
Wie man durch die Aneinanderreihung ebenso passender wie diskreter Maßnahmen letztendlich zum erwünschte Resultat einer Erbschaft gelangt.

Geschichten geschrieben von 2 Autorinnen, von denen ich vor der Lektüre dieses Buches noch nichts bewußt gelesen hatte.

13 Geschichten, 13 Friedhöfe, 13 AutorInnen – 1 gemeinsames Thema, dessen spezielle Verbundenheit mit der Stadt Wien die Herausgeberin Edith Kneifl (selbst Psychoanalytikerin) so kommentiert: „Die Wiener lieben nicht nur das Leben, sondern auch den Tod. Kein Wunder, dass Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, in Wien den Todestrieb entdeckt hat“.



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