Buchbesprechung/Rezension:

Christoph Ransmayer: Der Fallmeister


verfasst am 30.07.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Ransmayer, Christoph, Romane
LiteraturBlog Bewertung:

Angekommen in der Welt der Auseinandersetzungen ums Wasser und der unendlich vielen Grenzen zwischen aberwitzig vielen Zwergstaaten, die unsere geopolitischen Verhältnisse in dieser Zukunft abgelöst haben. Eine Welt, in der wir mit Sicherheit nicht leben möchten, so sehr hat Ransmayer alles Schlechte, Nachteilige und Dunkle darin verpackt.

Wenn ich mir schon nach wenigen Seiten die Frage stelle „Was will und der Autor damit sagen“, dann liegt es daran, dass mir tatsächlich völlig unklar ist, wohin diese mit allem Negativem angefüllte Erzählung führen soll.

Des Ich-Erzählers Vater ist der Fallmeister. Der wiederum ist schuld am Tod von fünf Menschen, ist verlassen von seiner Frau, ist stets zu Wut und Gebrüll neigend, ist voller Zorn gegenüber beinahe allem. Dass sich der Sohn unter solchen Umständen als „Strömungstechniker“ um Arbeitsstellen in möglichst weit entfernten Weltgegenden bewirbt, ist daher nicht verwunderlich. Amazonas, Nil, Mekong – breite Ströme auf anderen Kontinenten ziehen ihn anscheinend an.

Dazwischen in Dauerschleife der Donner des über den heimischen Wasserfall hinabstürzenden Wassers, sadistische Kinderphantasien und auch die seltsame Hinwendung des Erzählers zur von der Glasknochenkrankheit gequälten Schwester Mina. Durchzogen von Immigration und Deportation.

Als Szenario für eine Welt nach der unsrigen taugt der Roman (auch) nicht: denn Ransmayer wirft da alles hinein, was man anderswo schon in diversen Endzeit-Thrillern gelesen hat und vermischt es, ohne daraus etwas Spannendes oder Neues zu machen.

War hier irgendwo eine Erzählung, eine Geschichte die ich zwischen alle diesen düsteren Gedanken des Schreibers übersehen habe? Oder ging es nur um eine düstere Zeichnung von etwas, das ein Pessimist für uns in der Zukunft vorauszusehen glaubt?

Ich quäle mich also durch eine Wortsammlung zum Thema Tristesse und Verderben und am Ende bleibt es dabei: Ich habe keine Ahnung, was uns der Autor damit sagen möchte. Außer vielleicht, dass er vielleicht seine coronabedingte miese Laune teilen wollte.

Würde ich es bissig kommentieren (was ich hiermit tue) würde ich es so zusammenfassen:
Ransmayer macht aus allen möglichen dystopischen Visionen, die sich andere ausgedacht haben, eine Collage und daraus ein eigenes Buch.

PPS: interessiert hat mich dieses Buch, weil ich selten zuvor so unterschiedliche Vorab-Rezensionen zu einem einzigen Roman gelesen habe. Von hymnischer Begeisterung bis zu absolutem Verriss ist alles zu lesen; wobei mich zweiterer Gruppe anschließe.




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