Buchbesprechung/Rezension:

Stefan Zweig: Brennendes Geheimnis


verfasst am 21.01.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Erzählungen, Zweig, Stefan
LiteraturBlog Bewertung:

Eine Erzählung über das Erwachsenwerden; wie ein zunächst unverständliches Geschehen aus einem Knaben über Nacht einen jungen Mann auf dem Weg zum Erwachsenen macht.

Edgar ist zwölf Jahre alt, als er gemeinsam mit seiner Mutter einen Erholungsurlaub am Semmering antritt. Nach einer Krankheit haben die Ärzte eine solche Abwechslung dringend empfohlen. 

Die beiden, Mutter und Sohn, erregen schon bald nach der Ankunft das Interesse des gelangweilten Barons, der zum reinen Vergnügen an den Semmering reiste und nun, beinahe manisch, auf der Suche nach einer möglichen Eroberung ist. Da kommt ihm die attraktive Frau gerade recht und schnell ist auch der Plan gefasst, wie er den Sohn für seine amourösen Absichten einspannen kann.

Edgar geht dem Baron auch prompt in die Falle, als der sich angeblich für den Jungen interessiert, ihn behandelt wie einen Erwachsenen. So geschickt, dass Edgar meint, er hätte einen wirklichen Freund gewonnen und stolz darauf ist, dass ein Erwachsener so ernsthaft mit ihm umgeht. Der Plan geht auf, als der begeisterte Junge seiner Mutter von seiner neuen Freundschaft erzählt.

Der Baron und die Mutter kommen ins Gespräch: erst unverbindlich, im Beisein des Sohnes, dann immer zweideutiger und bald soll Edgar ganz zur Seite geschoben werden, damit sich das Abenteuer der beiden ungestört entwickeln kann.

Edgar, in Unkenntnis des Geschehens, vermeint bald, dass seine Mutter in Gefahr schwebt und seine Freundschaft zum Baron wandelt sich in tiefe Abneigung dem Mann gegenüber. Zum Eklat kommt es, als Edgar den Baron mit Faustschlägen traktiert, weil er meint, seine Mutter beschützen zu müssen. Als die Mutter jedoch Edgar zurechtweist, beginnt der junge Mann mehr und mehr zu verstehen, was die beiden Erwachsenen bewog, ihn auszugrenzen und ihn zu belügen.

Edgars Gedanken und Gefühle sind das Zentrum der Erzählung, wie er schrittweise seine kindlichen Vorstellungen ablegt und wie er versucht, die Situation zu interpretieren und zu verstehen. Das ist zum einen (könnten wir uns nur genauer an unsere eigene Entwicklung in jenem Alter erinnern) überaus real und nachvollziehbar. Zum anderen aber habe ich den Eindruck, dass Stefan Zweig dem Knaben eine viel zu erwachsene Sichtweise andichtet. Eben so, wie man es sich als Erwachsener vorstellt, wie die Gedanken eines Kindes wären.

Wenn die Erzählung in dieser Beziehung auch manchmal etwas befremdlich wirkt, so ist sie in einer anderen Beziehung überaus treffend: dass man den Kindern niemals mit Hinterlist und Falschheit gegenübertreten darf, denn sie werden sich in ihrer Not möglicherweise zu Schritten entscheiden, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.




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